Erbauer eines kleinen Imperiums
23.10.2020 WohlenUeli Breitschmid, der Wohler, ist ein Meister der Dentalbranche und ein Wein-Produzent
Er kreierte eine Erfolgsstory wie aus dem Bilderbuch. Ueli Breitschmid ist ein Top-Unternehmer und ein Wohler. Auf seinen Heimatort ist er besonders ...
Ueli Breitschmid, der Wohler, ist ein Meister der Dentalbranche und ein Wein-Produzent
Er kreierte eine Erfolgsstory wie aus dem Bilderbuch. Ueli Breitschmid ist ein Top-Unternehmer und ein Wohler. Auf seinen Heimatort ist er besonders stolz.
Daniel Marti
«Ich bin ein Vermarkter und ein Kaufmann», sagt Ueli Breitschmid ganz locker und lüftet sein persönliches Geheimnis gleich selber. «Wenn du den Markt hast, dann brauchst du auch keine Fabriken.» Mit dieser Philosophie hat es der 75-Jährige weit gebracht. Sehr weit. Ihm gehört ein kleines Imperium. Die Curaden AG ist in der Dentalbranche eine dominante Nummer. Weltweit.
Die Produktelinie «Curaprox» ist stetig gewachsen. Zahnpasta, Zahnseide und Zahnbürsten aus dem Hause Breitschmid in Kriens sind Qualitätsprodukte. Die Zahnbürste 5460 ultra soft ist ein Kultartikel – und selber entwickelt. Davon werden jährlich rund 40 Millionen Stück verkauft. Ueli Breitschmid besitzt und pfiegt auch drei Weingüter in Meggen, Sizilien und Spanien. Und dazu gesellen sich etliche Immobilien. Ueli Breitschmid ist zweifellos wohlhabend. Seinen Reichtum stellt er aber nicht in den Mittelpunkt. «Und eigentlich», gibt Breitschmid überraschend und offen zu, sei er ein kleiner Chaot. Darum hat bei ganz vielen Entscheidungen auch Marco Zavalloni das letzte Wort. Er ist Geschäftsführer der Curaden AG – und auch ein Wohler.
Zusammen sind Patron Ueli Breitschmid und Visionär Marco Zavalloni das perfekte Duo, das sich ergänzt, gegenseitig mag und unendlich schätzt.
Der Patron mit seiner Tüftlerfreude
Ueli Breitschmid, ein Wohler, führt die Curaden AG in Kriens, die international und national anerkannt ist
Er schreibt mit seiner Firma seine eigene Erfolgsgeschichte in der Dentalbranche. Seine Zahnbürsten verkaufen sich millionenfach und sind weltbekannt. Ueli Breitschmid, innovativer und anerkannter Partner von Zahnarztpraxen, kann auf über 60 Jahre Erfahrung zählen. Und er ist ein Wohler.
Daniel Marti
Qualität steht für ihn stets an erster Stelle – dies gilt für alle Produkte und Dienstleistungen, die er anbietet. Aber das klingt für Ueli Breitschmid fast schon zu normal. Wahrscheinlich sei er ein bisschen anders als andere. Und ohne diesen speziellen Touch hätte er wohl keinen Antrieb, gibt er zu. Auf jeden Fall ist er erfolgreich, dieser Tüftler, dieser Entwickler, der in der Dentalbranche reihenweise Erfolge feiert. Und trotzdem ist er bodenständig geblieben.
«Ich bin der Ueli», sagt er, desinfiziert seine Hände und streckt die Hand zur Begrüssung entgegen. In seinem Haus geht es unkompliziert zu und her. In Kriens, am Sitz der Curaden AG, sagt man sich du. Auch bei der ersten Begegnung. Hereinspaziert ins Büro des Firmeninhabers, in sein Reich. Von hier aus führt Ueli Breitschmid das Familienunternehmen, das in seinem alleinigen Besitz ist. Die Regale und der Bürotisch sind voll bepackt mit Dokumenten. Unzählige Bilder schmücken den Raum, aufgehängt oder auch nur hingestellt sind die Kunstwerke. Aber geniessen kann man sie auch so. Und ein Genuss ist auch eine Begegnung mit Ueli Breitschmid.
Gross, kräftig, äusserst sympathisch und schlagfertig ist der 75-Jährige. Ein Original. Direkt, ohne irgendwelche Hemmungen oder Berührungsängste. Und schon gar nicht abgehoben, obwohl ihm ein mittleres Imperium gehört: Die Curaden AG mit über 200 Mitarbeitenden, drei Weingütern, etlichen Liegenschaften.
«Unermüdliche Tüftlerund Forschungsfreude»
Und Ueli Breitschmid ist ein Wohler. Heimatort Wohlen. Darauf ist er stolz. «Obwohl ich kein spezielles Wissen über Wohlen habe», stellt er gleich klar. Er habe auch keine Verwandten in Wohlen, aber er verfügt über einen Stammbaum, der weit zurückreicht. Über 400 Jahre. «Den Namen Breitschmid gibt es praktisch nur in Wohlen. Auch die Breitschmids im Kanton Luzern haben ihren Ursprung in Wohlen, die sind ja nicht einfach so vom Himmel gefallen», sagt er. Trotzdem, es gibt diverse Spuren, die Ueli Breitschmid an Wohlen binden: der besagte Stammbaum (siehe Artikel unten rechts). Und Marco Zavalloni, der Geschäftsführer der Curaden AG, wohnt in Wohlen. «Ich sage immer, der Ueli ist ein Wohler, und dann wollen alle wissen, von welchen Breitschmids er denn stammt», betont Zavalloni.
Hans Breitschmid hiess sein Vater. Der stellte sich im Jahr 1954 die entscheidende Frage: «Wie kann ich dem Zahnarzt helfen, seinen Job besser zu machen?» Diese Frage sei zur Mission geworden, erklärt Ueli Breitschmid heute, 66 Jahre später. Und sie ist der Grund für den Erfolg des Unternehmens. Die Curaden AG steht heute für etliche Produkte: von der Zahnbürste über die Zahnpasta und die Mundspülung bis hin zur Ausstattung von ganzen Zahnarztpraxen. Ja, sogar Schulungen werden weltweit angeboten. «Für einen gesunden Mund, ein Leben lang.» Die Curaden AG arbeitet vor allem mit den Dentalprofis zusammen, mit Zahnarztpraxen, Apotheken und Drogerien.
Ueli Breitschmid und sein Team stehen für «unermüdliche Tüftlerund Forschungsfreude». So steht es im aktuellen, 80-seitigen Firmenjournal. Und Breitschmid weiss eine ganze Menge an spannenden Geschichten zu erzählen.
Mit seinem Vater Hans hat er bis zu dessen Tod 1998 während 32 Jahren zusammengearbeitet. Das sei eine tolle Zeit gewesen. «Ich habe alle Sprüche meines Vaters drauf», sagt er stolz. In diese Zeit geht der Bau des Firmensitzes in Kriens zurück. Mit seiner «Moto Guzzi», mit Lederjacke und die Haare zum langen Zopf gebunden – den er heute noch trägt, praktisch als Markenzeichen – ist er 1980 vor der Bank in Luzern vorgefahren. Der Kredit war eine schnelle Sache. Der Firmensitz steht seit 1982. Und vier Jahre später (1986) ging die Firma vom Vater zum Sohn über. Die Zusammenarbeit ist geblieben.
In über 70 Ländern rund 40 Millionen Stück
Nicht jede Entwicklung war erfolgreich. Der erste Gehversuch mit Zahnbürsten in den Siebzigern war «kein Hit». Dies änderte sich mit dem Tipp eines Zahntechnikers. Exklusivität und innovative Materialien waren gefragt. Versuche es mit Polyester, hat ihm der Zahntechniker geraten. Drei Varianten sind daraus entstanden, sortiert nach Anzahl der Borsten: 640, 860, 1560. Nach dem ersten Prospekt sei nicht viel passiert, vier oder fünf Kunden interessierten sich. Das Modell mit den 1560 Borsten sei die beste Zahnbürste, meldete ein Interessent, aber man müsse sie weiter verfeinern. Daraus entstanden ist das Modell 5460 ultra soft. Es wurde zum besten Stück im Haus. Ein echter Verkaufsschlager.
Der Testmarkt war die Slowakei. Rund 30 000 Stück wurden gratis geliefert, einer Frauenzeitschrift beigelegt und der Umsatz steigerte sich von 5000 auf 150 000 Stück. «Der Umsatz ist förmlich explodiert. Da haben wir verstanden, wir haben ein echt gutes Stück entwickelt», so Breitschmid heute. Nach der Slowakei wurden die Märkte in China, den USA, Mexiko und Australien erschlossen. Erst zuletzt widmete sich die Curaden AG dem deutschsprachigen Raum.
Mittlerweile wird das Erfolgsmodell 5460 ultra soft weltweit verkauft. In über 70 Ländern wurde der Durchbruch geschafft. Jährlich werden rund 40 Millionen Stück verkauft. «Das ist unser Kultartikel.»
Die Zahnpasta: ein langer Weg zur Exklusivität
Die Curaden AG ist die Firma, die Produktelinie heisst Curparox. Dazu gehören Mundspülung, Gel, Zahnpasta, Zahnbürsten, Zahnbürsten für die Zahnzwischenräume (Interdentalbürsten), elektrische Schallzahnbürsten, Schnuller, Beissringe, Babyzahnbürsten. Bei den Zwischenraumbürstchen ist die Curaden AG sogar die Nummer eins. «Da sind wir weltweit ein Pionier», betont Ueli Breitschmid, «da haben wir uns viel Glaubwürdigkeit aufgebaut.»
Beim Einstieg in den Bereich Zahnpasta fragte sich der Unternehmer zuerst, was er da genau wolle. Denn eine Zahnpasta hat ein Verfalldatum – und das ist nicht unbedingt sein Ding. Die Entwicklung startete er tatsächlich bei null. Heute ist die Curaden AG auch hier ein Spezialist. «Das war ein langer Weg», seufzt Breitschmid, «wir mussten viel Wissen einkaufen.» Beispielsweise spezialisierte Chemiker, die auch Exklusivitäten entwickeln. Beim Typ Enzycal wird auf alle Inhaltsstoffe verzichtet, die möglicherweise schädlich sind. Und die Zahnpasta «Black is white», ein pechschwarzes Wunder, frischt das natürliche Zahnweiss auf. Beide sind Verkaufsschlager. «Und wir entwickeln alles von Grund auf selber.» Inzwischen macht der Zahnpastabereich rund 20 Prozent des Umsatzes der Firma aus. Tendenz steigend.
Marco Zavalloni, der zweite Wohler
Neben Ueli Breitschmid ist ein zweiter Wohler massgeblich für den Erfolg der Curaden AG mitverantwortlich. Marco Zavalloni ist der Geschäftsleiter. Eigentlich hätte er sich den Schritt vom Freiamt nach Kriens nicht erträumt. Denn Zavalloni hatte sich voll und ganz der Riwisa in Hägglingen verschrieben. «Ich konnte mir gar nie vorstellen, die Riwisa zu verlassen», blickt er zurück. Erst recht nicht nach 30 Jahren Firmentreue.
Aber das Schicksal wollte es anders. An einer Messe in Luzern traf Marco Zavalloni eher zufällig Ueli Breitschmid, der sofort eine Flasche Wein holte. Das Du war Pflicht. Curaden benötigt viele Kunststoffteile, und die Herstellung garantierte die Riwisa. «Irgendwann kommen wir beide zusammen», prognostizierte damals Breitschmid.
Tatsächlich: Zavalloni durfte eine Offerte unterbreiten. Danach folgte das Job-Angebot. «Es war eine gute Gelegenheit, nochmals eine Herausforderung anzunehmen», so der heute 62-Jährige.
In Kriens angekommen, erstellte Zavalloni diverse Risikoanalysen, besuchte Lieferanten. Und kaufte dabei prompt eine Firma in Degersheim. Preis: knapp 10 Millionen. Daraus entstand die Firma Curaplant, sie stellt mittlerweile rund 15 Millionen Zahnbürsten her. Eine Firma kaufen, genau das wollte Breitschmid ursprünglich nicht. Als Zavalloni seinen neuen Chef einweihte, meinte dieser ganz locker: «Ja, dann halt. Ist okay.» Marco sei so vertrauenerweckend und bringe so viel Erfahrung aus der Kunststoff-Industrie mit, da war Breitschmid bereit, über den eigenen Schatten zu springen.
Ein Juwel und ein kleiner Chaot – wie der Erdmannlistein
Der Firmeninhaber hat in diesem Bereich eine eigene Einstellung: «Ich bin Kaufmann und nicht Fabrikant. Ein Unternehmer kann zudem vieles sein. Ich bin Vermarkter. Wenn du den Markt hast, dann brauchst du eigentlich keine Fabrik.» Das leuchtet ein. Mit dieser Philosophie sei er immer glücklich gewesen.
Die gute Hand und die mustergültige Führung von Marco Zavalloni sollte sich weiter auszahlen. Eine Firma in Italien, die zu Curaden gehört, lief nie so richtig. «Da fuhren wir mit der Produktion von Zahnseide stets Verluste ein. Ich glaube, wir wurden sogar beschissen», so Breitschmid rückblickend. Dann kam Zavalloni und machte gemäss Breitschmid aus dieser Firma ein Juwel. Schönes Kompliment.
Ueli Breitschmid und Marco Zavalloni, zwei Wohler haben sich gefunden. Was denken sie denn voneinander? «Mir gehört alles», sagt Breitschmid, «und Marco hat das Sagen.» – «Er ist einfach der Patron», ergänzt Zavalloni, «wir haben kurze Entscheidungswege und das ergibt nur Vorteile.» Ueli Breitschmid ist einfach glücklich, dass er Marco Zavalloni an seiner Seite hat. «Er ist ein Visionär und hat die Firma auf ein anderes Qualitätsniveau gebracht», er selber sei nämlich ein wenig ein Chaot, so Breitschmid. Und er fügt noch etwas Entscheidendes an: «Geld allein nützt nicht viel, es braucht auch Wissen, Können, Talent, gutes Management.»
Es sind also Heimatort, Stammbaum und Marco Zavalloni, die Ueli Breitschmid immer wieder an Wohlen erinnern. Aber da war doch noch etwas. Mit seinem Vater sei er einmal dort im Wald draussen gewesen, bei diesem grossen Stein, erinnert er sich. Erdmannlistein? «Richtig, aber das war vor über 50 Jahren.» Mächtig, einzigartig und prächtig, das ist der Erdannlistein – genau wie Ueli Breitschmid.
Verbindung um das Jahr 1655
Der Stammbaum der Breitschmids
Breitschmid und Wohlen. Das passt zusammen. Es gibt diverse Dynastien der Breitschmids – Bildhauer, Autogarage, ehemaliger Gemeinderat, Strohindustrie sind nur ein paar Orientierungshilfen. Einer, der sich mit der Vergangenheit der Breitschmids befasst, ist Bruno Breitschmid, der Ortsbürger und ehemalige Gemeinderat. Er fand im Familiennachlass einen alten Stammbaum, der mit einem Balz (Balthasar) Breitschmid-Stutz geboren 1925 beginnt. Danach forschte er weiter.
Bruno Breitschmid und Ueli Breitschmid, beide mit Heimatort Wohlen. Sind diese beiden verwandt? «Ueli Breitschmid ist mir leider nicht persönlich bekannt», sagt Bruno Breitschmid auf Anfrage. Aber Kontakt via E-Mails hatten die beiden. Und im Juni 2019 gab es auch ein Telefongespräch. «Ganz offenbar sind wir sehr weit entfernt verwandt», folgert Bruno Breitschmid, der diverse Abklärungen tätigte, auch auf dem regionalen Zivilstandsamt in Wohlen.
Es gibt ja auch einen nach Dresden ausgewanderten Arnold Breitschmid. Dessen Nachkommen machten sich nach dem Fall der Mauer vor 30 Jahren auf den Weg, um ihre Vorfahren zu erforschen. Die Eheleute Huth-Breitschmid fuhren deshalb 1991 in ihrem «Trabi» nach Wohlen. Diese ehemaligen DDR-Bürger stiessen auf ihrer Reise auch auf eine Zahnbürste mit der Aufschrift «Breitschmid Kriens». Auch dort, also bei Ueli Breitschmid, statteten die Eheleute Huth-Breitschmid damals einen Besuch ab.
Bruno Breitschmid kann auf dem Stammbaum von 1625 diverse Spuren noch verfolgen. Dort gibt es einen Anton Breitschmid als Vorfahre von Curaden-Inhaber Ueli Breitschmid sowie den nach Dresden ausgewanderten Arnold Breitschmid und August Breitschmid, Vater von Bruno Breitschmid. Tatsächlich: Ganz weit aussen sind der ehemalige Wohler Gemeinderat und der Curaden-Chef miteinander verwandt. Bis ins Jahr 1655 sind die Stränge zusammen, dann trennen sich ihre Verwandtschaftsäste des Stammbaums. --dm



