Den «Kahlschlag» verhindert
13.10.2020 WohlenEntlang der Wehrlistrasse wurden an der Bünz viele Bäume gefällt
Wenn mitten im Zentrum die Motorsägen aufheulen, dann sorgt das für Aufsehen. Gestern begannen entlang der Bünz wichtige Unterhaltsarbeiten. Weil das Ufer nur sehr schwer ...
Entlang der Wehrlistrasse wurden an der Bünz viele Bäume gefällt
Wenn mitten im Zentrum die Motorsägen aufheulen, dann sorgt das für Aufsehen. Gestern begannen entlang der Bünz wichtige Unterhaltsarbeiten. Weil das Ufer nur sehr schwer zugänglich ist, musste der Abtransport durchs Bachbett erfolgen.
Chregi Hansen
«Nein, das ist für mich kein alltäglicher Einsatz», lacht Ivan Enzler. Der Forstunternehmer aus Unterlunkhofen ist an diesem Tag für den Abtransport der gefällten Bäume und Sträucher zuständig. Doch weil beide Seiten des Ufers verbaut sind, bleibt dafür nur ein Weg – Enzler steuert seinen Schlepper durch den Bach. Und da, wo der Nebenbach mündet, hat es ein grosses Loch. «Man muss schon aufpassen», gibt Enzler zu.
Bevor er sich mit seinem Fahrzeug in den Bach begab, musste die Bünz leer gefischt werden. Damit wurde am Montagmorgen begonnen. «Wir haben gestaunt, wie viele Fische hier leben», sagt Hans-Peter Nussbaum, der Gewässerbeauftragte des Kantons. Er leitet die Arbeiten entlang der Bünz. Der Gewässerunterhalt sei eine gemeinsame Aufgabe zwischen Kanton und Gemeinden. «Jedes Jahr stellen wir ein Arbeitsprogramm zusammen und schauen, was nötig ist», erklärt er.
Anwohner wehrten sich
Der aktuelle Einsatz in Wohlen ist auch für ihn etwas Besonderes. «Normalerweise möchten die Anwohner, dass möglichst viel gefällt wird, weil die Bäume Licht nehmen, Blätter verlieren oder als eine Gefahr gesehen werden», erklärt er. Hier in Wohlen ist genau das Umgekehrte passiert. «Die Anwohner haben sich gewehrt, dass zu viel weg soll», berichtet Nussbaum. «Wir sind erschrocken, als wir gesehen haben, was alles eingefärbt war», bestätigt ein Anwohner, der die Arbeiten verfolgt. Zusammen habe man sich gegen einen zu grossen Kahlschlag gewehrt. Mit Erfolg: Weg kommen nur die Hölzer, welche unbedingt wegmüssen, weil sie krank oder faul geworden sind. «Ich bin froh, bekommen wir etwas mehr Licht und dennoch bleibt viel Grün erhalten», sagt ein anderer Anwohner. «Es ist ein guter Kompromiss.»
Auch Hans-Peter Nussbaum ist froh um die Lösung, die nach etlichen Gesprächen gefunden wurde. Die Arbeiten seien nötig, weil hier schon lange nichts mehr getan wurde. «Weil das Ufer nur schwer zugänglich ist, macht man das eben nicht jedes Jahr. Umso mehr kommt dann weg, wenn wir loslegen», sagt er. Man habe lange überlegt, wie man den Unterhalt machen kann. Auch eine Variante per Helikopter stand im Raum. Die jetzt gewählte Lösung durchs Bachbett sei aber die beste. Zuvor hat man die Gelegenheit genutzt und noch gleich alle Neophyten entfernt. «Für kurze Zeit mag das Ufer etwas kahl wirken», ist sich Nussbaum bewusst, «aber die Natur wird schnell für Abhilfe sorgen.» Bewusste Neupflanzungen hingegen sind nicht geplant.
Hans-Peter Nussbaum ist für rund einen Drittel der Gemeinden im Kanton zuständig. «In Wohlen wird viel Wert auf die Natur gelegt», freut er sich. Er betont die gute Zusammenarbeit mit Roger Isler von der Abteilung Umwelt, dem Bauamt, dem Werkhof des Kantons und dem Forstbetrieb. «Wohlen ist in vielen Bereichen vorbildlich», lobt der Vertreter des Kantons. Bei der gestrigen Aktion an der Bünz sind neben Ivan Enzler und seinem Schlepper auch zwei Mitarbeiter des Forstbetriebs Wagenrain im Einsatz. Abtransportiert wird das Holz von Stefan Wietlispach aus Dottikon, der es für seinen Wärmeverbund nutzen kann. Die Kosten teilen sich Gemeinde und Kanton.
Rücksicht nehmen auf die Fische
Die Arbeiten kommen gut voran, auch wenn Enzler ab und zu eine Pause einlegen muss. Denn wenn sich der schwere Schlepper durch das Wasser pflügt, wirbelt er viel Dreck auf. «Ich muss regelmässig wieder warten, bis sich die dadurch entstandene Trübung aufgelöst hat», erklärt Enzler. «Denn sonst hat es im unteren Bereich der Bünz zu viel Dreck im Wasser, das gefährdet die Fische, denn dann kriegen sie zu wenig Sauerstoff.» Auch auf sie nimmt man an diesem Tag Rücksicht, genauso wie auf die Anwohner, die weiterhin viel Grün vor ihren Fenstern haben. Und froh sind darüber.



