Zufall oder nicht, das ist die Frage
04.08.2020 WohlenSommerserie «Auf den Punkt»: Zu Besuch bei der spirituellen Heilerin Claudia Maria Steinmann in Anglikon
Der Dartpfeil führt die Redaktion diesmal zu Claudia Maria Steinmann. Sie ist spirituelle Heilerin. Die Anglikerin erzählt, wie sie dazu gekommen ist ...
Sommerserie «Auf den Punkt»: Zu Besuch bei der spirituellen Heilerin Claudia Maria Steinmann in Anglikon
Der Dartpfeil führt die Redaktion diesmal zu Claudia Maria Steinmann. Sie ist spirituelle Heilerin. Die Anglikerin erzählt, wie sie dazu gekommen ist und mit welchen Vorurteilen sie zu kämpfen hat. Und sie lässt den Redaktor an der Existenz von Zufällen zweifeln.
Josip Lasic
«Gibt es Zufälle?» Das war zugegebenermassen nicht die erste Frage, die sich der Redaktor dieser Zeitung gestellt hat, als der Dartpfeil den äussersten Rand von Anglikon getroffen hat. Im Verlauf der Suche nach einer Geschichte sollte diese Frage aber noch grosse Relevanz bekommen. Zu Beginn schien es zumindest ein glücklicher Zufall zu sein, dass der Pfeil bereits beim ersten Wurf im kleinen Dorfteil gelandet ist, das seit 1914 Teil der Gemeinde Wohlen ist. Wenn auch nur ganz knapp.
Doch wo findet man an einem verregneten Sonntagnachmittag eine Geschichte zwischen drei Strassen, vielen Bauernhäusern und noch viel mehr Natur und Feldern? Keine Menschenseele ist zu sehen. Bevor willkürlich an irgendwelchen Türen geklingelt wird, soll ein Blick ins Telefonbuch helfen. Ein Eintrag mit dem Titel «Bewusstseinszentrum & Lichttanzschule der neuen Zeit» sticht ins Auge. Das klingt spannend.
Der Dartpfeil und die E-Mail
Claudia Maria Steinmann führt das «Bewusstseinszentrum» in ihrer Wohnung in Anglikon. Sie ist sofort zu einem Gespräch bereit, sagt aber gleich zu Beginn: «Mein Gebiet ist absolut spirituell.» Vielleicht will sie nur allfälligen Missverständnissen vorbeugen. Vielleicht ist sie auch schon mit Vorurteilen konfrontiert worden.
Dann passiert etwas Spezielles. Steinmann zückt den Ausdruck einer E-Mail. Etwa zwei Stunden, nachdem der Dartpfeil das Wohnquartier in Anglikon getroffen hat, wo Claudia Maria Steinmann zu Hause ist, hat sie dieser Zeitung eine E-Mail geschrieben. Darin geht es um Lektionen im Zauberheiltanz, die Steinmann ab dem 7. August in Wohlen gibt. «Ich wollte darauf aufmerksam machen und jetzt ist die Zeitung da», sagt sie. Die Frage vom Anfang wird plötzlich wieder aktuell. «Gibt es Zufälle?» Wenn es nach der Anglikerin geht, ist die Antwort ein klares Nein. Für sie ist es nicht das erste Mal, dass ein vermeintlicher Zufall sie in ihrem Leben in eine bestimmte Richtung gelenkt hat.
Der 60-Jährigen sieht man ihr Alter kaum an. Auf ihrer Homepage stellt sie sich als spirituelle Heilerin vor. Doch was genau bedeutet das? Und was bedeutet überhaupt Spiritualität? Ein Begriff, der oft mit negativen Klischees behaftet ist. Umgangssprachlich wird vom Tageshoroskop in der Zeitung bis zu Wahrsagern im Fernsehen, die für enorm hohe Telefongebühren behaupten, die Zukunft vorhersagen zu können, alles unter «Spiritualität» zusammengefasst.
Schulmedizin wusste nicht weiter
Auf Claudia Maria Steinmann treffen diese Vorurteile so jedenfalls nicht zu. Obwohl sie als Heilerin arbeitet und dabei Menschen helfen will, fällt es ihr schwer, Geld dafür zu verlangen. «Eigentlich verlangt jeder Mensch für seine Arbeit eine gerechte Entlöhnung», erklärt sie. «Mir fällt das allerdings sehr schwer. Es passt für mich nicht zur Spiritualität und zum Bedürfnis helfen zu wollen.» Um zu verstehen, wie die Anglikerin den Menschen helfen will und wie sie überhaupt zur spirituellen Welt gefunden hat, hilft ein Blick in ihre Vergangenheit. Die Gründe dafür sind «weltlicher» Natur.
Steinmann erklärt auf ruhige, sympathische Art und mit logischen Begründungen, wie ihr Weg zur spirituellen Welt ausgesehen hat. Aufgewachsen ist sie in Anglikon. Zuerst hat sie eine Lehre als kaufmännische Angestellte absolviert, danach im Aussendienst diverser Unternehmen gearbeitet. Mit der Zeit litt sowohl ihre körperliche wie auch ihre psychische Gesundheit.
Die Anglikerin erleidet ein «Burnout». «Meiner Ansicht nach passiert das, wenn man seinem Lebensplan nicht folgt», erzählt sie. Ausserdem leidet sie unter starken Rückenschmerzen. Im Alter von 24 Jahren ist ihr Leidensdruck so gross, dass sie sich nach alternativen Methoden umsieht, die ihr bei den Rückenproblemen helfen können. Die Schulmedizin kann es zu diesem Zeitpunkt nicht. «Ich habe sehr gerne getanzt, wollte reiten, war daran interessiert, einen auszuüben. Aber nichts davon war möglich, da ich unter solchen Ischias-Schmerzen litt. Ich konnte kaum noch gehen.»
Zu diesem Zeitpunkt lernt sie einen Mann kennen, der sie in das geistige Heilen einführt. «Ich war begeistert von ihm und wie er sein Leben geführt hat. Er liess sich leiten und ist damit sehr gut gefahren», erzählt die Anglikerin. «Ich hatte enormes Vertrauen in ihn. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich den Zugang zur spirituellen Welt vermutlich nicht gefunden.» Mit seiner Hilfe überwindet sie ihre Rückenschmerzen. Und so auch ihre Skepsis gegenüber dem Geistlichen und dem Spirituellen. Mit 24 Jahren beginnt sie mit dem Studium des geistigen Heilens.
Die «Exotin» und ihre Zweifel
Steinmann erklärt, dass sie ohne einen Menschen, dem sie so vertraut hat, kaum in diese Richtung gegangen wäre. «So wie ich erzogen wurde, hatte ich nicht gerade die besten Voraussetzungen, so etwas gegenüber offen zu sein.» Sie erzählt, dass ihre Eltern streng katholisch waren. Als sie beginnt sich mit dem geistigen Heilen auseinanderzusetzen, kann niemand in der Familie etwas damit anfangen. «Meine Mutter hat immer das Thema gewechselt, wenn ich darüber sprechen wollte.» Die Anglikerin hat zwei Brüder und eine Schwester. Auch sie stehen der Spiritualität ihrer Schwester skeptisch gegenüber. «Das ist nicht immer leicht. Wir Menschen wollen in erster Linie akzeptiert werden. Ich war aber schon immer ein wenig ‹anders›», erzählt die spirituelle Heilerin. «Wenn man schon in der Familie die Exotin ist, dann kann das Zweifel hervorrufen. Ich zweifle auch heute manchmal an mir.»
In der Wohnung von Claudia Maria Steinmann läuft im Hintergrund ruhige, entspannende Musik. Ein Bild der Jungfrau Maria steht auf einer kleinen Kommode. Die Technik, mit der die Anglikerin ihre Rückenschmerzen in den Griff bekommen hat, entstammt einem Buch mit dem Titel: «Heilen nach Jesus Christus». Ihre Spiritualität und der katholische Glaube der Eltern scheinen sich nicht zu widersprechen oder besonders weit voneinander entfernt zu sein. «Nein. Ich trenne lediglich zwischen der Religion und dem Glauben auf der einen Seite und der Kirche als Institution auf der anderen», erzählt sie. Dennoch ist sie in ihrer Familie die Exotin.
Sich leiten lassen
Die Freiämterin bleibt dem Studium des geistigen Heilens treu. Beruflich orientiert sie sich um. 2001 macht sie sich als Berufsmasseurin selbstständig. Ihr Spezialgebiet ist die Wirbelsäule. Rund fünf Jahre lang versucht sie Menschen zu helfen, die ähnliche Leiden haben wie sie früher. «Irgendwann konnte ich das nicht mehr. Wenn ich jemandem das Becken einrenke und diese Person nach wenigen Schritten in alte Muster zurückfällt, sehe ich, dass ich so nicht helfen kann. Ebenso wenn ich den Leuten Übungen nach Hause mitgebe, die sie dann häufig nicht machen.»
Ihr ist klar, dass sie das Ganze fortsetzen will, aber mit energetischem Heilweisen. Seither führt sie geistige Wirbelsäulenbegradigungen durch, ähnlich, wie sie sie erlebt hat. «Ich habe damals meine Massage-Praxis aufgelöst und ein neues Unternehmen gegründet – auch unter neuem Namen. Ich wusste, dass der Grossteil meiner bisherigen Kunden sich nicht auf die energetischen Heilweisen einlassen würde.» Dabei verbindet Steinmann bei der geistigen Wirbelsäulenbegradigung ihr Wissen aus der medizinischen Massage mit Methoden aus der geistigen Heilung.
Mittlerweile hat die Anglikerin auch zwei Bücher geschrieben. Sie heissen: «Verbindung zu allem, was ist – dein Werdegang ins Licht» und «Raum der Befreiung – Loslassen einfach gemacht mit dem Vergebungsklick». In Letzterem beschreibt sie eine Selbstheilungsmethode, die sie selbst entwickelt hat. Sie hat ausserdem CDs mit Selbstheilungstechniken veröffentlicht.
In Gefühl bestärkt
Neben der Wirbelsäulenbegradigung und ihren Büchern wird die Anglikerin ab dem 7. August jetzt auch den «Zauberheiltanz» als Heilmethode anbieten. Die Idee dazu hat sie schon lange. Sie ist ihrem Gefühl gefolgt und liess sich leiten. Vor einigen Jahren war es zu früh. Jetzt sei die richtige Zeit.
Auf ihrer Homepage beschreibt sie den Zauberheiltanz folgendermassen: «Der Zauberheiltanz ist ein Urschamanismus, der auf die Erde zurückgebracht wird. Der Zauberheiltanz ist eine Heilweise jenseits jeglicher menschlicher Konzepte. Er ist ein bewusstseinserweiternder Tanz.» Sie erklärt: «Es gibt viele Tänze von Urvölkern, denen eine reinigende und bewusstseinserweiternde Wirkung nachgesagt wird.» Dabei vergleicht sie den Zauberheiltanz mit Yoga und rückt ihn damit näher an bekanntere geistige und körperliche Übungen.
Diese Tanzlektionen wird sie nicht mehr in ihrer Wohnung anbieten können. Vorerst hat sie sich im «Sangha Yoga Center» in Wohlen eingemietet. «Obwohl ich mich von der geistigen Welt habe leiten lassen, sind noch einige Zweifel dabei», sagt sie. «Dass jetzt die Zeitung zu mir kommt, bestärkt mich aber darin, dass ich auf dem richtigen Weg bin.»
Claudia Maria Steinmann ist zufrieden, mit dem, was sie macht. Ihr Weg zur Spiritualität war ihr Weg zur geistigen und körperlichen Gesundheit. Diese versucht sie anderen Menschen weiterzugeben. Ob man an die spirituelle Welt glaubt oder nicht, wird bei der positiven Ausstrahlung dieser Frau zweitrangig. Sie hat im geistigen Heilen ihren Weg und ihr Glück gefunden und durch sie auch andere Menschen. Mehr braucht es nicht. Inspirierende Gedanken, gefunden mit einem Dartpfeil, der neben einigen wenigen Häusern am Rand von Anglikon in der Ortskarte eingeschlagen hat. An einem Ort, wo Natur und Felder überwiegen. Die Frage taucht wieder auf: «Gibt es Zufälle?»
Mehr über die Tätigkeit von Claudia Maria Steinmann: www.rowenna.ch/">https://www.rowenna.ch/ und www.zauberheiltanz.com/.">https://www.zauberheiltanz.com/.



