Dieser Badi-Sommer ist anders
07.08.2020 WohlenBadi Wohlen hat weniger Eintritte als im Vorjahr – und geht das Littering-Problem an
Der Schüwo-Park bietet im besonderer Coronasommer 2020 den Daheimgebliebenen ein Badi-Vergnügen – allerdings mit Einschränkungen. Geschäftsführer ...
Badi Wohlen hat weniger Eintritte als im Vorjahr – und geht das Littering-Problem an
Der Schüwo-Park bietet im besonderer Coronasommer 2020 den Daheimgebliebenen ein Badi-Vergnügen – allerdings mit Einschränkungen. Geschäftsführer Christian Meier zieht eine Zwischenbilanz mit Hochs und Tiefs.
Stefan Sprenger
Dieser Sommer ist anders. Wegen dem Coronavirus verbringen viel mehr Menschen als sonst ihre Zeit zu Hause. Während der Verkauf von mobilen Swimmingpools in die Höhe schnellt, ist auch in der Badi in Wohlen bei schönem Wetter reger Betrieb. Viele Menschen nutzen die Badi als Ersatz für ihren Strandurlaub.
Viele halten sich nicht an die Regeln
Maximal 2085 Leute dürfen aufgrund der Corona-Einschränkungen in den Schüwo-Park. An Spitzentagen erreichte die Badi 3000 Besucher. Allerdings über den Tag verteilt und nicht auf einmal. Das Zählsystem der Richnerstutz AG aus Villmergen, funktioniere bestens, wie Schüwo-Park-Geschäftsführer Christian Meier erklärt. Es gilt die Vorgabe, dass sich pro 10 m? eine Person im Park und in den einzelnen Becken aufhalten dürfen. Im 50-Meter-Becken werde dies eingehalten. Anders sieht es im Sprungbecken und im Nichtschwimmerbecken aus. «Die Leute gehen auch rein, obwohl es Rot ist und man eigentlich nicht darf», so Meier. Die Badmeister versuchen, die Leute zu sensibilisieren. «Das ist natürlich nicht so einfach», erklärt Meier weiter.
Badmeister André Fricker, der in seiner zweiten Saison im Schüwo-Park arbeitet, bestätigt dies: «Wenn es Rot ist, sollte man draussen warten. Wenn man nicht Polizist spielt und am Eingang des Beckens steht, wird dies oftmals missachtet.» Wird dies erkannt, werden Leute rausgeschickt, damit die Regeln eingehalten werden. «Der Respekt vor den Massnahmen sinkt leider», meint Badmeister Fricker.
Die Badi in Wohlen hat wegen den Coronamassnahmen einiges an zusätzlichen Mehrkosten. «Der finanzielle Aufwand ist gross», sagt Geschäftsführer Meier. Tragisch, wenn sich die Badi-Gäste dann nicht an die Coronaregeln halten. Ebenfalls ein Dauerthema: das Littering, das hauptsächlich durch Jugendliche verursacht wird. Hier hat sich die Badi Wohlen ein Projekt mit dem Verein für Jugend und Freizeit ausgedacht, das ab 2021 eingesetzt werden soll.
«Können nicht Polizist spielen»
Die Badi Wohlen im Coronasommer 2020
In Zeiten des Coronavirus ist die Badi ein Zufluchtsort für die vielen Daheimgebliebenen. Die Betreiber des Schüwo-Parks möchten den Gästen an heissen Tagen ein abkühlendes Erlebnis bieten. Doch die Missachtung der Einlassregeln und Littering kosten nerven.
Stefan Sprenger
«Die Badi ist und bleibt ein Minusgeschäft», sagt Christian Meier, Geschäftsführer des Schüwo-Parks in Wohlen. Sonst würden längst private Firmen und nicht die Gemeinde den Badespass ermöglichen. Und im Jahr 2020 gibt es zusätzliche Kosten. Die Coronamassnahmen sind nicht gerade günstig. Eine Putzfirma desinnziert regelmässig Handläufe, Garderobe – und so weiter. Dazu kommen Kosten für Desinfektionsmittel oder das Zutrittssystem der Richnerstutz AG in Villmergen. «Es gibt einiges an Mehrkosten. Corona wird auch bei uns Spuren hinterlassen», sagt Meier. In Absprache mit der Gemeinde Wohlen hat man aber entschieden, die Badi trotz Corona zu betreiben.
«Viele Menschen sind in den Sommerferien zu Hause geblieben. Wir vom Schüwo-Park und die Gemeinde möchten den Leuten aus dem Freiamt die Badi in Wohlen trotz Mehrkosten ermöglichen», sagt Meier.
Respekt vor Coronaregeln ist gesunken
Also traf man alle Massnahmen, die es braucht, damit ein Betrieb trotz Corona möglich ist. 2085 Menschen dürfen total in der Badi sein. Bislang waren noch nie so viele Gäste gleichzeitig zugegen. Doch auch bei den einzelnen Schwimmbecken gibt es Einlassregeln. 20 Personen dürfen gleichzeitig ins Springbecken, 55 Personen ins Nichtschwimmerbecken und 111 Personen ins Schwimmerbecken. «Die Einlassmechanismen werden teilweise nicht eingehalten», berichtet Geschäftsführer Meier. Dies erzählt auch André Fricker. Der 60-Jährige aus Suhr ist in seiner zweiten Saison Badmeister in Wohlen. «Auch wenn die Ampel auf Rot steht und die maximale Anzahl Menschen sich im Becken befinden, laufen die Leute trotzdem rein.» Beim Nichtschwimmer- und beim Sprungbecken sei dies ein Problem. Im Schwimmerbecken wird es grösstenteils eingehalten. «An heissen Tagen, wenn es viele Gäste hat, ist dies kaum zu kontrollieren. Wir können ja nicht Polizist spielen und vor dem Beckeneingang stehen», so Fricker weiter. «Der Respekt vor den Coronaregeln ist leider gesunken.»
Littering, «ein trauriger Trend»
Viel mehr als die Missachtung der Einlassregeln macht dem Badmeister das Littering zu schaffen. Oft sei er nach Feierabend über eine Stunde lang in der Badi und räumt den Müll der Gäste weg. «Es gibt Menschen, die ihren Dreck einfach liegen lassen», so Fricker. Geschäftsführer Meier meint: «Das ist ein trauriger Trend und ein Gesellschaftsproblem.» Dieses Problem versucht man anzupacken. Man plant gemeinsam mit dem Verein für Jugend und Freizeit (VJF) ein Projekt, um die vorwiegend jüngere Generation für dieses Problem zu sensibilisieren. «Im Jahr 2021 werden wir dies umsetzen.»
Grösstenteils sind es ohnehin jüngere Menschen, die für Probleme sorgen in der Badi in Wohlen. «Der Umgang von Jugendlichen ist oft frech und wenig respektvoll», sagt Badmeister Fricker. Mit wohlwollender Kommunikation versucht man dem entgegenzuwirken. Mit mässigem Erfolg. «Jugendliche fühlen sich stark, wenn sie in Gruppen auftreten, und missachten die Regeln teilweise mit Absicht. Das zehrt an den Nerven», so Fricker.
Das Fazit bleibt positiv
Immerhin: Zu nennenswerten Vorfällen ist es nicht gekommen. Es bleibt bei Spielereien und Provokationen. «Als Badmeister legt man sich eine dicke Haut zu.» Denn so schlimm, wie es vielleicht klingt, ist es nicht. Fricker, der zuvor in anderen Badis im Kanton Aargau arbeitete, meint: «Es sind überall dieselben Probleme. In Wohlen etwas vermehrt, da es auch viel mehr Gäste hat.»
Das Fazit des besonderen Badi-Sommers fällt gemäss Geschäftsführer Christian Meier wie folgt aus: «Unter erschwerten Bedingungen haben wir das Beste rausgeholt und den Menschen, die zu Hause geblieben sind, ein Badi-Vergnügen ermöglicht.» In der Zeitspanne vom 6. Juni bis 29. Juli hat man 2500 Eintritte weniger verzeichnet als noch im Vorjahr. «Wir sind dennoch zufrieden», meint Meier.



