Tendenz sinkend
23.06.2020 WohlenOrtsbürgergemeinde Wohlen
Die Wohler Ortsbürgergemeinde kämpft mit Mitgliederschwund. Nun warnte Einwohnerrat Sepp Muff vor dieser Tendenz.
«Es kommen einfach zu wenige Menschen dazu. Das können wir so nicht weiterlaufen lassen.» ...
Ortsbürgergemeinde Wohlen
Die Wohler Ortsbürgergemeinde kämpft mit Mitgliederschwund. Nun warnte Einwohnerrat Sepp Muff vor dieser Tendenz.
«Es kommen einfach zu wenige Menschen dazu. Das können wir so nicht weiterlaufen lassen.» Das sagte Sepp Muff an der Versammlung der Ortsbürgergemeinde Wohlen. Es sei dringend Handlungsbedarf angezeigt. Tatsächlich: Die Ortsbürgergemeinde zählt noch 720 Stimmberechtigte. Vor zehn Jahren waren es noch 883. Und im Jahr 2000 konnte mit 1017 Stimmberechtigten die Tausender-Marke gehalten werden. Der letzte Höchststand stammt aus dem Jahr 1995, da waren es 1059.
Geht die Tendenz so weiter, wird die Zahl der Ortsbürger rasch unter 500 sinken. Die Ortsbürger selber müssen tätig werden, glaubt Muff.
Es braucht Ideen für Zuwachs
Versammlung der Ortsbürgergemeinde: Alle Geschäfte grossmehrheitlich genehmigt
Die offziellen Geschäfte der «Gmeind» waren Pfichtstoff. Die Verabschiedung von Wagenrain-Betriebsmeister Anton Bürgi, die Festrede von Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer und die mahnenden Worte von Einwohnerrat Sepp Muff standen im Mittelpunkt. Muff befürchtet, dass die Ortsbürgergemeinde durch den Mitgliederschwund an Bedeutung verliert.
Daniel Marti
Den Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern geht es gut. Sie sind aktiv, nehmen ihre Aufgaben wahr, vor allem betreffend Ortsbild. Und sie verfügen über leichte fnanzielle Reserven, die dank den jährlichen Baurechtszinsen von rund einer halben Million Franken bestehen. «Aber wir werden immer weniger», mahnte SP-Einwohnerrat Sepp Muff an der «Gmeind». Die Anzahl der stimmberechtigten Personen nimmt laufend ab.
Unbedingt etwas unternehmen
«Wir sind eine aussterbende Gesellschaft. Und das tut weh», drückte er sein Bedauern aus. Man müsse jetzt Ideen entwickeln und einbringen, forderte Muff. In 20 Jahren störe ihn das nicht mehr, sagte der Lokalpolitiker noch. «Aber jetzt müssen wir etwas unternehmen.» Nur was? Mehr Einbürgerungen lautet das Ziel. An der Versammlung im Waldhaus Chüe stellihau wurde mit Meinrad Meyer nur eine Person eingebürgert. Immerhin ist es mit dem Einwohnerratspräsident der höchste Wohler.
Aktuell zählt die Ortsbürgergemeinde 720 Stimmberechtigte, davon waren nur 59 anwesend. Dafür gingen die offziellen Geschäfte zügig durch. Rechnungen und Geschäftsbericht gaben kaum zu Diskussionen Anlass. Die «Gmeind» war eher Treffpunkt. Eigentlich auch ein Grund, um dabei zu sein.
«Sternen» wie gewünscht
Im Jahresbericht konnte sich Gemeindeammann Arsène Perroud, Vorsteher der Ortsbürger, auf wenige Höhepunkte des Jahres 2019 konzentrieren. Das Restaurant Sternen sei ein grosses Thema gewesen, blickte er zurück. Umnutzungsgesuch und die Parkplatzsituation sind nun «umgesetzt wie gewünscht», betonte er.
Zwei Rechnungen, ein Kritikpunkt
Weiter laufen im Oktober 2020 die Pachtverträge aus. Das Reglement wurde überarbeitet und genehmigt. «Sämtliche bisherigen Pachtverhältnisse wurden beibehalten und im gleichen Umfang umgesetzt», konnte Perroud verkünden. Und beim ehemaligen Forsthaus werden inzwischen alle Vorgaben erfüllt. Laut Gemeindeammann laufen Gespräche mit möglichen Miet-Interessenten.
Die Jahresrechnung erzielte einen Gewinn von rund 80 500 Franken, das sind 4000 Franken über dem Budget. Finanzministerin Ariane Gregor sprach von einer Punktlandung. Sie erklärte auch, dass eine Rechnung halt Geschichtsschreibung sei. «Das Geld ist schon ausgegeben.» Zu viel bei einem Posten, fand Walter Dubler, ehemaliger Gemeindeammann. Für Honorare für Gutachten und Fachexperten waren 5000 Franken budgetiert, aber über 14 000 Franken wurden ausgegeben. Für das Umnutzungsgesuch «Sternen» wurde an Ingenieure 4200 Franken bezahlt.
«Für ein einfaches Baugesuch» sei das viel zu viel, «zudem hätte das Baugesuch von der Verwaltung selber gemacht werden können», so Dubler weiter. «Im Privatbereich würde niemand für einen solchen geringen Aufwand eine solche Rechnung bezahlen.» Auch bei Revisor Dieter Stäger sorgte dieser Posten für Stirnrunzeln.
Auch die Jahresrechnung für den Forstbetrieb Wagenrain weist mit knapp 25 000 Franken einen kleinen Überschuss aus, dieser fiesst in die Forstreserve. Beide Rechnungen wurden grossmehrheitlich genehmigt.
Wertschätzung (nicht) vorhanden
Mit den Finanzen haderte Sepp Muff ein wenig. Er erinnerte daran, dass die Ortsbürgergemeinde jährlich 130 000 Franken ausgibt für den Betrieb des Strohmuseums in der Villa Isler. Das sei ein grosser Betrag, dagegen habe er das Gefühl, «dass die Wertschätzung nicht so gross ist». Selten werde erwähnt, dass die Ortsbürger das Strohmuseum erhalten haben und eine grosse Unterstützung leisten. «Das ist nicht in Ordnung», sagte Muff und wünscht sich künftig «mehr Fingerspitzengefühl und Wertschätzung uns gegenüber».
Vonseiten der Stiftung Freiämter Strohmuseum ist «diese Wertschätzung absolut vorhanden. Die Ortsbürgergemeinde ist die grösste Zahlerin ans Strohmuseum», hielt Walter Dubler als Vizepräsident des Stiftungsrates fest. Das Strohmuseum habe zudem eine bedeutungsvolle Ausstrahlungskraft nach aussen. Das Strohmuseum beheimatet viel Tradition.
Dazu gehört auch der Strohhut. Anton Bürgi erhielt wie auch Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer einen Wohler Strohhut. Bürgi für seine wertvollen Leistungen (siehe Artikel links), Meyer für seine Festrede. Der aktuell höchste Wohler wurde offziell in den Kreis der Ortsbürgergemeinde aufgenommen.
Meyer: Ehemaliger Villmerger ist überzeugter Wohler
Meinrad Meyer erklärte in seiner Festrede den Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern seinen Weg vom Villmerger zum Wohler Einwohnerratspräsidenten. Wahrlich ein spezieller Werdegang. Aufgewachsen in Villmergen, Lehre in Dottikon, Schule in Aarau, oft mit dem Töffi unterwegs. «Das war die grosse Freiheit», blickte Meyer zurück. An eine politische Karriere habe er nicht gedacht. Als er seine heutige Stelle in Bergdietikon antrat, suchte er zusammen mit seiner Frau Anita den idealen Wohnort. Und fand Wohlen, «das einfach zentral gelegen ist».
Der ehemalige Gemeinderat Ruedi Donat war dann mit seiner Anfrage verantwortlich, dass Meinrad Meyer den Einstieg in die Politik wagte. Bei den Einwohnerratswahlen 2010 ist er nicht auf Anhieb gewählt worden. «Ist ja klar als ehemaliger Villmerger.» Ein Jahr später, 2011, rutschte er nach. «Mittlerweile bin ich ein überzeugter Wohler», sagte Meyer. Und es sei eine glückliche Fügung, dass er als gebürtiger Villmerger in Wohlen sesshaft geworden sei. «Wohlen ist einfach besser, als viele Leute wahrhaben wollen.»
Mit viel Leidenschaft für den Wald
Verabschiedung von Anton Bürgi
Einer der Höhepunkte der «Gmeind» war die Verabschiedung von Anton Bürgi, Betriebsleiter des Forstbetriebs Wagenrain, infolge Pensionierung. Gemeindeammann Arsène Perroud ehrte Bürgi für seine grossen Leistungen. Man sehe Bürgi nicht sofort an, über welches riesige Wissen er verfügt. «Sein Studium und seine Tätigkeit in der Forschung im Waldbau sind dem Forstbetrieb Wagenrain zugute gekommen», sagte Perroud. Mit grosser Leidenschaft habe sich Bürgi mit dem Wald auseinandergesetzt. «Der Betrieb hat seine Handschrift. Der Forstbetrieb Wagenrain durfte von seiner Leidenschaft, seinem Engagement, seinem politischen Gespür und von seiner Persönlichkeit proftieren», so Perroud weiter, «ohne ihn würde unser Forstbetrieb anders aussehen.» Anton Bürgi war sichtlich berührt und lobte die vorbildliche Zusammenarbeit im Forstbetrieb Wagenrain, aber auch mit den verschiedenen Behörden. Die grosse Beständigkeit sei dabei ein Erfolgsgarant. «Es gab wenig Wechsel im Betrieb und bei den Behörden.» Dies habe stets zu erfreulichen Resultaten geführt, erklärt Bürgi. «Ich war sehr gerne dabei.» --dm



