Leben inmitten von Kunst
07.04.2020 KallernBarbara und Albrik Kuhn sind leidenschaftliche Sammler von Antiquitäten
Die Liebe für alte Gegenstände – Albrik Kuhn hegt sie schon lange. Schon als Teenager erfreute er sich an Petrollampen und Kerzenlicht. Die Sammelleidenschaft beim ...
Barbara und Albrik Kuhn sind leidenschaftliche Sammler von Antiquitäten
Die Liebe für alte Gegenstände – Albrik Kuhn hegt sie schon lange. Schon als Teenager erfreute er sich an Petrollampen und Kerzenlicht. Die Sammelleidenschaft beim Konditor-Confiseur ist geblieben. Und er konnte auch seine Frau mit dem Antiquitätenvirus anstecken. Ihr gemeinsames Haus in Kallern ist voller Schätze.
Annemarie Keusch
Es ist eine Wucht. Schon auf dem Weg zur Haustüre fällt es den Besucherinnen und Besuchern auf. Ein alter Schlitten steht vor der Tür. Ganz viele Tonfiguren, antike Gegenstände. Barbara und Albrik Kuhn sind Sammler, das ist auf den ersten Blick ersichtlich. Und die letzten Zweifel sind verschwunden, sobald die Haustüre aufgeht. Erfassen, was überall aufgetürmt, mit Liebe aufgestellt und zur Dekoration installiert ist, ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Eine ziemlich grosse Hunde-Figur fällt auf, aus Porzellan wohl. Und der Blick streift ein wenig weiter oben ganz viele Mini-Ausführungen von alten Herden. «Unsere Herdli», sagen Barbara und Albrik Kuhn.
1979 war es, als Barbara Kuhn ihr ganzes Geld zusammennahm und ihrem Albrik ein Herdli kaufte. Es war ihr Geschenk für ihn zur gemeinsamen Hochzeit. Und es war der Anfang eines speziellen Teiles ihrer Sammelleidenschaft. Über die Jahre sind viele Herdli dazugekommen. Dass sie sich gegenseitig Exemplare zu Weihnachten schenken, hat fast Tradition. «Jedes Herdli hat seine eigene Geschichte», sagt Albrik Kuhn. Sie zu kennen und sie zu erzählen, das ist den beiden wichtig. Sie schauen zu den Sammlerstücken wie zu Schätzen. «Ja nicht mit Wasser putzen, sonst rosten sie», sagt Barbara Kuhn.
Ein 16-Jähriger mit ganz anderen Interessen
Barbara und Albrik Kuhn sind im Freiamt keine Unbekannten. Jahrelang führten sie die Bäckerei Kuhn in Wohlen. Seit dem 1. Dezember 1983 leben die beiden in Kallern. «Zufall», sagen sie auf die Frage, warum es sie in die kleine Gemeinde zog. «Wir waren jung. Den Traum vom eigenen Haus, mit Kindern und Hund, den hegten auch wir.»
Und die Kuhns erfüllten sich ihn. «Dass es nicht zu weit weg ist von Wohlen, war ein wichtiges Kriterium», sagt Barbara Kuhn. Schliesslich soll der Arbeitsweg, der sie oft mitten in der Nacht in die Backstube führte, nicht zu lang sein. Ein vernünftiger Landpreis und die ländliche Idylle liessen die beiden ihr Heim in Kallern bauen.
Angefangen hat aber alles in Wohlen, wo Albrik Kuhn aufwuchs. «Die Kupferpfanne, die alte Zwiebackmaschine, die Petrollampe, Kerzenlicht.» Albrik Kuhn gerät ins Schwärmen. Wenn andere 16-Jährige sich für total andere Themen interessierten, lag seine Begeisterung bei Altem, Ausgeflipptem. «Das Mittelalter, das wäre meine Zeit gewesen.» Requisiten, Utensilien, Alltagsgegenstände – für eine Reise in der Zeitmaschine wären Barbara und Albrik Kuhn bereit.
Gugelhopf-Form des Grossvaters
Es war eine Weihnachtsausstellung in der damaligen Bäckerei in Wohlen, die die Kuhns nicht nur zu Sammlern, sondern auch zu einer Art Antiquitätenhändlern werden liess. «Man kennt sich mittlerweile unter den Sammlern. Wir wissen, wer was sammelt, und so vermitteln wir uns eine Art gegenseitig.» Was die Kuhns sammeln? Ein Blick nur schon in die Küche verrät: ganz vieles.
Ihr Haus in Kallern ist einmalig. «Am liebsten hätte ich noch Perlhühner in der Küche», sagt Albrik Kuhn. An den Wänden, an der Decke, auf kleinen Tischchen, überall stehen Kochutensilien. Alt ist fast alles. «Aber immer noch in Gebrauch.» Die Zimtsterne sticht er mit den gleichen Formen aus, wie es sein Grossvater tat. Den Gugelhopf backt er in der gleichen Form. Aber nicht nur in der Küche setzen die Kuhns auf Antiquitäten. Sämtliche Räume ihres Hauses sind dekoriert damit. «Wir haben uns hier unsere kuschelige Welt eingerichtet.» So habe sie sich ihren Traummann vorgestellt. «Und er ist es geblieben», sagt Barbara Kuhn. Längst ist sie auch mit dem Antiquitätenvirus angesteckt. «Mich hat es mittlerweile fast mehr gepackt als ihn.»
Zu allen Raritäten Sorge tragen
Sie müssten sich zurückhalten. Barbara und Albrik Kuhn blicken einander an. «Der Platz wird langsam knapp.» Und das Abstauben braucht immer mehr Zeit. «Mit Putzfimmel wäre es wohl schwierig. Steril braucht bei uns nichts zu sein.» Die Kuhns, sie haben sich mit dem Haus in Kallern und der speziellen Dekoration und Einrichtung ihr Paradies aufgebaut. Im Garten lassen sie das gefallene Laub auf dem Boden liegen. Auf dem Dach wächst Moos und es stört niemanden. Die Tauben gurren. Verstaubt ist das Ehepaar ob der vielen alten Utensilien aber gar nicht. Regelmässig Spiele des FC Wohlen zu besuchen, gehört genauso zu ihren Hobbys, wie Antiquitäten zu sammeln. Und von diesen Antiquitäten haben sie Tausende, alle mit ihrer eigenen Geschichte. Das Gummifröschli etwa, das sie am Strand in Costa Rica fanden – dem Land, wo Albrik Kuhns Bruder lebt. Der Stein, den ihr Hund immer im Mund mittrug. Das Verlobungsgeschenk einer alten Frau. Der Schubladenknopf, den die Mutter immer zog. «Wir tragen zu allem Sorge und schätzen es ungemein, inmitten solcher Kunstwerke wohnen zu dürfen.»
Alphütte oder eine alte Mühle – Hauptsache etwas Altes
Die Kinder sind längst ausgezogen und kommen regelmässig mit den Enkelkindern vorbei. Barbara und Albrik Kuhn machen sich Gedanken über die Zukunft. «Wir müssten längst eine Inventur machen, damit wir wissen, was wir alles haben – für uns, für unsere Kinder, aber auch für die Versicherung.» Nur, dieser Teil des Sammlerlebens sagt den beiden weniger zu.
«Manchmal überlege ich mir nachts, wie viele Lämpchen und Kerzen wir überall stehen haben. Es sind Hunderte», sagt Albrik Kuhn.
Loslassen, das liegt den beiden nicht besonders. Bei beiden ist das 70. Lebensjahr bald erreicht. Daran, ihr Haus gegen eine kleine Wohnung zu tauschen, wollen sie nicht denken. «Wenn, dann müsste es eine Alphütte sein oder eine alte Mühle, irgendetwas Altes und nicht Steriles.» Priorität hat aber, in ihrem gemeinsam erbauten Paradies im idyllischen Kallern, inmitten ihrer Hunderten gesammelten Antiquitäten und Raritäten, gemeinsam ihr Leben in vollen Zügen noch möglichst viele Jahre zu geniessen.
Mode und Wohnen
Herbst- oder Frühlingsapéros beispielsweise. Albrik und Barbara Kuhn öffnen ihre Türen ab und zu für interessierte Gruppen. Sie zeigen ihnen ihre Einrichtung, ihr Leben, ihre Leidenschaft. Und Barbara Kuhn präsentiert ihre Mode. Im Haus hat sie eine kleine Boutique eingerichtet und verkauft hochwertige Kleider. --ake
Mehr Infos unter www.mode-kuhn.ch



