Hollywood macht Pause
24.04.2020 WohlenDer Sohn von Andy Hug auf dem Weg zum Schauspieler – doch momentan steht alles still
Auch Hollywood beugt sich dem Coronavirus. Und damit pausiert auch der Traum von Seya Hug, als Schauspieler gross rauszukommen. Der Sohn der Kampfsportlegende aus Wohlen nutzt seine ...
Der Sohn von Andy Hug auf dem Weg zum Schauspieler – doch momentan steht alles still
Auch Hollywood beugt sich dem Coronavirus. Und damit pausiert auch der Traum von Seya Hug, als Schauspieler gross rauszukommen. Der Sohn der Kampfsportlegende aus Wohlen nutzt seine Zeit aber geschickt mit anderen Dingen.
Stefan Sprenger
24 Stunden im Flugzeug für drei Tage Aufenthalt. Das macht Seya Hug für sein geliebtes Grosi Ruth. Anfang März reist Hug von Los Angeles nach Horw. «Übers Wochenende», wie er lächelnd sagt. Am Freitag 12 Stunden Hinflug, am Montag 12 Stunden Rückflug. Dazwischen wurde der 80. Geburtstag seiner Grossmutter (mutterseits) gefeiert. «Ich habe es für das Grosi gemacht. Sie hatte dann auch riesig Freude», sagt der 25-Jährige. Als er zurück ist in Amerika, geht es so richtig los mit den Coronavirus-Massnahmen. Die USA machen die Grenzen dicht.
Mutter darf momentan nicht mehr in die USA
Nichts kommt mehr ins Land. Auch nicht seine Mutter Ilona Hug. Die beiden pflegen ein sehr inniges Verhältnis zueinander. «Neben meiner Frau Taylor ist meine Mutter die mit Abstand wichtigste Person in meinem Leben», sagt Seya Hug. Mitte März wollte Ilona Hug in Los Angeles landen und – wie so oft – ihr einziges Kind besuchen. Doch der Flug wurde storniert. Eine Einreise war nicht mehr möglich. «Wir telefonieren viel und schreiben einander. Es wäre aber wesentlich schöner, wenn sie da wäre», sagt er.
Der Sohn der Wohler Kampfsportlegende liegt in dieser besonderen Zeit keinesfalls auf der faulen Haut. Im Gegenteil. Er schreibt ein Drehbuch, kreiert mit seiner Frau Keramikfiguren und hält sich fit für seine weiteren Schauspielaufgaben. Er will in Hollywood gross rauskommen und hatte in den vergangenen Jahren schon Nebenrollen in durchaus namhaften Produktionen. Die ganz grosse Rolle blieb bislang aus. «Ich kämpfe weiter für meinen Traum», sagt er und erinnert an seinen berühmten Papa aus Wohlen, der vor seinem Tod im Jahr 2000 ebenfalls Schauspieler werden wollte. Sein Sohn trägt dies nun weiter. «Er ist in Gedanken immer bei mir», sagt Seya Hug.
Geduld in der Traumfabrik
Seya Hug wartet in Los Angeles auf die Schauspielrolle, die alles verändern kann
Seya Hug, der Sohn der Kampfsportlegende Andy Hug, lebt seit Jahren in Los Angeles. Sein berühmter Vater aus Wohlen verfolgte bis zu seinem Tod vor 20 Jahren den Traum, Schauspieler zu werden. Dies möchte Seya Hug auch. Doch Hollywood ruht. Der 25-Jährige wird in diesen Zeiten kreativ: Er töpfert und schreibt ein Drehbuch.
Stefan Sprenger
Seya Hug ist seit Wochen in seinem Zuhause in Los Angeles. Es lässt sich aushalten in seiner Wohnung. Der Bruder seiner Frau ist der Manager des Gebäudekomplexes. Dementsprechend schön und geräumig ist das Apartment. Raus geht er nur noch zum Einkaufen, zum Joggen und in sein Keramikstudio. Denn der schweiz-amerikanische Doppelbürger wird in dieser Zeit der Isolation kreativ. Mit seiner Frau Taylor entwirft und kreiert er Keramikfiguren. Diese Designerstücke versuchen sie zu verkaufen. Das junge Projekt läuft erst an. «Nachfrage ist da», meint er.
Seya Hug ist zudem Mitbesitzer einer Bar in Los Angeles, wo er jeweils an zwei bis drei Abenden arbeitete. Doch seit drei Wochen sind alle Restaurationsbetriebe wegen des Coronavirus geschlossen.
Ebenfalls auf Eis gelegt ist die Schauspielerei. «Alles abgesagt, alles tot, Hollywood ruht, unglaublich.» Keine Vorsprechen, keine Dreharbeiten, kein Showbusiness. Die Traumfabrik steht still. Auch hier weiss sich Hug zu helfen und nützt die Zeit. Er schreibt momentan an einem Drehbuch. Jeden Tag mehrere Stunden verbringt er mit dem Manuskript. Neuland ist dies nicht ganz, denn schon beim Kurzfilm «The Beard», der 2019 erschien, war er Co-Drehbuchautor und Co-Produzent.
Von «Shiner» bis «American Horror Story»
Er kämpft für seinen Traum. Er kämpft für seinen Platz in Hollywood. Und er kämpft für die grosse Karriere. Nach kleinen Rollen in den Filmen «Lucky Girl» (2015) und «Walk of Fame» (2017) hatte er 2018 im Film «Shiner» erstmals eine Hauptrolle. Es folgten Auftritte in den Filmen «Bit», «The Gesture and the World» und eine Nebenrolle in der TV-Serie «American Horror Story». Zuletzt hatte er ein Vorsprechen für die berühmte US-Fernsehserie «S.W.A.T». Trotz guten Kritiken hat es Seya Hug, der die zweijährige Ausbildung an der Lee-Strasberg-Schauspielschule in Hollywood besucht hat, nicht in die Serie geschafft.
Um in Hollywood den Durchbruch zu schaffen, braucht es drei Dinge: Talent, Glück und Geduld. «Das wird kommen, ich gebe den Traum nicht auf. Ich bin topmotiviert und weiss, dass es Zeit braucht.» Mit seinen 25 Jahren hat er noch Zeit. Er ist sich jedenfalls sicher: «Irgendwann klappt es. Irgendwann kommt das Engagement in einer starken Serie, in einer grösseren Filmproduktion, irgendwann kommt die Rolle, die alles ändert.» Der Schlüssel zum Ziel: An möglichst vielen Vorsprechen teilnehmen. «Und immer Vollgas geben.»
Er will den Traum seinen Vaters weiterleben. Denn Andy Hug wollte nach dem Kampfsport eine Karriere in Hollywood lancieren. Er nahm bereits Schauspielunterricht, war oft in Los Angeles. Ohne davon zu wissen, äusserte Seya Hug als kleiner Junge den Wunsch, Schauspieler zu werden.
«Wir müssen aufpassen»
Sein Vater war damals schon mehrere Jahre tot. Ein Fakt, der heute noch für Gänsehaut sorgt. Angesprochen auf seinen Vater Andy Hug, erklärt er ruhig: «Papi ist bei mir immer sehr präsent. In der Wohnung hat es überall Fotos von ihm. Es ist gar nicht möglich, dass ich ihn vergesse. Ich denke jeden Tag intensiv an ihn.»
Im Gespräch wirkt Seya Hug enorm reif. Zuvorkommend, interessiert, höflich, charmant. Einiges hat er von seinem Vater geerbt, vieles hat er von seiner Mutter gelernt. Seya Hug will wissen, wie die Coronasituation in der Schweiz gerade ist, bevor er selber erklärt, dass es in Los Angeles über 16 000 Coronavirus-Fälle und über 700 Tote gibt. «Wir müssen jetzt alle besonnen sein und aufpassen. Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben.» Die momentane Zeit der Ruhe stoppt ihn bei seinem Vorhaben, ein Schauspieler zu werden, nicht. Sein Ziel ist lediglich auf Pause. Er wird weiterhin alles dafür tun, um die grosse Rolle zu ergattern.




