Dudeneintrag als Fernziel
03.03.2020 SarmenstorfRund um das Theaterprojekt Grabenstorf sind viele Aktionen geplant
Jedes grosse Projekt beginnt mit einer Bautafel: Nach diesem Motto wurde mitten im Dorf das «Grabenstorf»-Jahr eingeläutet.
Chregi Hansen
Dass es ...
Rund um das Theaterprojekt Grabenstorf sind viele Aktionen geplant
Jedes grosse Projekt beginnt mit einer Bautafel: Nach diesem Motto wurde mitten im Dorf das «Grabenstorf»-Jahr eingeläutet.
Chregi Hansen
Dass es in Sarmenstorf in diesem Jahr ein Freilichttheater gibt, diese Nachricht ist nicht neu. Das neue Stück wird am 21. August Premiere feiern. Aber: Das Projekt «Grabenstorf» des Vereins Theater ad hoc will viel mehr sein als bloss ein Schauspiel. Rund 20 Anlässe sollen sich im Laufe des Jahres mit dem Thema des Grabens beschäftigen.
Grabologische Aktionen nennen die beiden Initianten Hans Melliger und Stefan Hegi diese Events. Grabologie ist ein selbst kreierter Begriff, den sie als Abgrenzung zur Archäologie sehen. «Grabologinnen und Grabologen beschäftigen sich eben nicht nur mit freigebuddelten Gegenständen und der Altersbestimmung, sondern mit dem Feinstofflichen, den Geschichten, den Mythen und Geheimnissen des Heimatbodens», erklärt Hegi. Und sie sind überzeugt: Noch dieses Jahr wird Grabologie als Wort Eingang in den Duden finden.
Gegraben werden soll das ganze Jahr auf der Festwiese hinter der Mehrzweckhalle. Dort wird schon bald ein kleines Grabologie-Labor eingerichtet, eine Bautafel kündigt das Ereignis bereits an. «Im vergangenen Jahr wurden fleissig Ideen gesammelt, nun fängt die eigentliche Arbeit an», schaut Melliger voraus.
Ab sofort geht es in den Boden
Der Verein Theater ad hoc hat dieses Jahr Grosses vor
Führungen, ein Museum, eine Philosophiestunde oder ein Bagger-Kurs: Rund um das Theater «Grabenstorf» sind dieses Jahr viele Aktionen geplant. «Wir wissen selber noch nicht, was sich alles realisieren lässt und was nicht», lachen die beiden Initianten Stefan Hegi und Hans Melliger.
Chregi Hansen
Eine grosse gelbe Bautafel, darauf nichts ausser einigen chinesischen Schriftzeichen. Wer sich diese aber von seinem Handy übersetzen lässt, der entdeckt dahinter den Slogan Grabenstorf. «Das ist nur der Anfang», lacht Hans Melliger, «ab sofort werden wir das Dorf mit Werbung überfluten.» Das Ziel ist klar: «Grabenstorf» soll das grosse Thema des Jahres werden. Grösser noch als die Fasnacht oder das Jugendfest. Welche selbstverständlich auch in das Projekt integriert werden.
Trilogie abschliessen
Nach «Chlostermetzger» und «Sachsenmatt» plant der Verein Theater ad hoc diesen Sommer ein weiteres Stück und vervollständigt so die Sarmenstorfer Theatertrilogie. «Wir beide hatten Lust, wieder etwas zu machen. Und viele andere teilen diese Lust», erklärt Melliger. Seit bald zwei Jahren laufen die Vorbereitungen, und dabei kamen so viele Ideen zusammen, dass der Verein diesmal zweigleisig fährt. Neben dem eigentlichen Theater gibt es im Laufe des Jahres viele weitere Aktionen rund um das Thema. «Wir haben derzeit rund 20 Ideen, die in kleinen Gruppen weiter verfolgt werden. Vermutlich werden nicht alle realisiert, dafür kommen vielleicht neue dazu», erklärt Hegi.
Grabologische Aktionen nennt Hegi die geplanten Projekte. Wie das Theaterstück selber drehen auch sie sich um das Thema Graben und darum, was im Boden verborgen ist. Und zwar nicht einfach im archäologischen Sinne. Obwohl durchaus eine Zusammenarbeit mit der Archäologie besteht. Die Wiese hinter der Mehrzweckhalle, auf der ab August Theater gespielt wird, ist nämlich auf der Karte der möglichen Fundstätten eingezeichnet. Und weil das Stück in einer Baugrube aufgeführt wird, waren im Vorfeld Sondierungen nötig. «Dabei wurde nichts gefunden. Pech für die Archäologen, Glück für uns», meint Stefan Hegi. Damit ist klar: Das geplante Freilichtspiel kann stattfinden, Premiere ist am 21. August, bis zum 25. September sind 14 Vorführungen geplant.
Theater in der Grube
Dafür wird extra eine grosse Baugrube mitten im Dorf ausgehoben, in der die Bühne und die Tribüne Platz finden und die mit einem Notdach versehen wird. «Es wird also tatsächlich gegraben in unserem Stück», verrät Melliger. Die Arbeiten für das Theater seien auf Kurs, das Stück stammt von Jörg Meier, die Regie hat Eva Mann, die Probearbeiten haben bereits begonnen. Und: Die Mehrheit der Schauspieler und Musiker stammen aus Sarmenstorf selber. «Wir möchten etwas aus dem Dorf und für das Dorf machen», erklärt Melliger. Damit wolle man andere nicht ausschliessen, aber die Gemeinschaft stärken.
Doch das Theater selber ist eben nur ein Teil von «Grabenstorf». Daneben sind viele weitere Anlässe geplant. Der erste hat bereits stattgefunden – während der Fasnacht wurde nach alten Geschichten gegraben. «Es geht uns nicht nur um das Materielle. sondern auch um das Feinstoffliche», erklärt Hegi. Nach einem Aufruf in der Fasnachtszeitung besuchten rund 30 Teilnehmer den «Ochsen» und tauschten sich aus. Viele weitere Aktionen sollen folgen. «Das Thema Graben und Grabologie lässt einen grossen Spielraum zu», freut sich Melliger.
An Ideen mangelt es nicht
Beispiele gefällig? Vorgesehen ist ein Grabwettbewerb, an dem sich jeder und jede beteiligen kann und bei dem mit einer Schaufel ein möglichst grosses Loch ausgehoben werden muss. Wem das zu mühselig ist, der kann an einem Bagger-Training teilnehmen. Eine Führung soll zu den bekannten, aber auch unbekannten archäologischen Fundstätten in Sarmenstorf führen. Vermutlich wird auch der umstrittene deutsche Historiker Hans Reinerth thematisiert, der die Funde im Sarmenstorfer Zigi manipuliert und für seine Zwecke missbraucht hat. Auch der Eremit Jakob Heigele ist Teil von Grabenstorf, er hat einst auf illegalen Wegen Reliquien beschafft, um die Wendelinskapelle zu einem Pilgerort zu machen. «Und wer Knochen sucht, der muss graben», so Melliger.
Die Ideen sprudeln nur so. Ein Museum mit Fundstücken aus Sarmenstorf, echten wie falschen. Eine philosophische Diskussion rund um das Graben. Eine Übersichtskarte mit allen Leitungen, die im Boden versteckt sind. Eine Zeitkapsel vergraben. Sarmenstorf soll auch an der Agroscope-Aktion mitmachen, bei der Unterhosen im Boden vergraben werden, um auf die riesige Artenvielfalt im Boden aufmerksam zu machen. Oder man geht zur ehemaligen Deponie im Dorf und macht sich mit einem Metalldetektor auf die Suche. «Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen des Grabens», machen Melliger und Hegi deutlich. Und: Nicht immer wird klar ersichtlich sein, was Sein und was Schein ist. Gut möglich, dass sich die eine oder andere Aktion als Fälschung erweist. So wie das fiktive Totenhaus im Zigi.
Ein Bauwagen als Treffpunkt
Derart viele verschiedene Projekte unter ein Dach zu bringen, das ist gar nicht so einfach. «Bei einem Theater geht das. Da wird geprobt, und danach geht man gemeinsam etwas trinken», sagt Melliger. Um auch diesmal ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, wird auf der Festwiese ein Bau- respektive Barwagen aufgestellt, in dem sich alle Involvierten, aber auch interessierte Bewohner regelmässig treffen können. Und natürlich wird «Grabenstorf» auch am kommenden Jugendfest ein Thema. Schliesslich liegen das Baulabor, das in Kürze eröffnet und aus dem dann regelmässig berichtet wird, und auch der Barwagen mitten im Festgelände. Man kann also ziemlich sicher sein, dass auch am Jugendfest gegraben wird.
«Mit der Bautafel auf der Wiese ist der Startschuss erfolgt, jetzt geht es richtig los», versprechen die beiden Initianten. Auf seiner Homepage wie auch in den sozialen Medien wird der Verein regelmässig informieren. Und wer noch beim einen oder anderen Projekt mitmachen will, der darf sich gerne noch melden. Auszugraben gibt es genug. Die Sarmenstorfer packen es jetzt an.
Infos: www.grabenstorf.ch.



