Der Sommer kann kommen
18.02.2020 WohlenBau- und Siedlungsgenossenschaft Bünz investierte in eine Erweiterung der Balkone
Vor rund 60 Jahren fiel in Wohlen der Startschuss zu einem wegweisenden Bauprojekt. Seit 1966 wird an der Turmstrasse günstiger Wohnraum angeboten. Nun hat die ...
Bau- und Siedlungsgenossenschaft Bünz investierte in eine Erweiterung der Balkone
Vor rund 60 Jahren fiel in Wohlen der Startschuss zu einem wegweisenden Bauprojekt. Seit 1966 wird an der Turmstrasse günstiger Wohnraum angeboten. Nun hat die Genossenschaft kräftig investiert und den Mietern zu mehr Lebensqualität verholfen.
Chregi Hansen
«Ganz ehrlich: Wenn ich mir die neue Fassade anschaue, habe ich das Gefühl, das war schon immer so», sagt Urs Schalch. Und dabei weiss er doch ganz genau, dass es früher anders war. Denn der Vizepräsident der Bauund Siedlungsgenossenschaft Bünz wohnt seit 28 Jahren hier.
Die Aussage freut Marco Wicki vom Wohler Büro Archineo GmbH. «Es war unser Ziel, dass sich die Erweiterung der Balkone in die bestehenden Gebäude integriert und nicht als Fremdkörper wirkt», sagt der Architekt und Bauleiter. Und das ist ihm offenbar gelungen. «Wir erhalten sehr viele Komplimente für diese Sanierung. Nicht nur von den Bewohnern, auch von Leuten aus dem Dorf, die hier vorbeispazieren», erzählt Schalch. Und dies ist der Genossenschaft wichtig. «Es war von Anfang an das Ziel, dass die Überbauung einen guten Eindruck macht. Darum legen wir viel Wert auf den Aussenraum», so der Vizepräsident.
Der Gemeinschaft Sorge tragen
Die Mehrfamilienhäuser an der Turmstrasse, sie sind etwas ganz Spezielles. Denn sie bieten günstige und familienfreundliche Wohnungen. Der Grundstein wurde 1962 mit der Gründung der Genossenschaft gelegt, 1966 konnten die ersten Wohnungen bezogen werden. Und diese sind gefragt – gerade heute, wo die Preise immer mehr steigen. «Wir haben Mieter, die schon seit den Anfängen hier leben», kann Schalch berichten. Und inzwischen kommt es durchaus vor, dass die Kinder von einst als Erwachsene an die Turmstrasse zurückkehren.
Dies sicher auch darum, weil hier dem Gemeinschaftsgedanken nachgelebt wird. «Wir schauen aufeinander, helfen uns gegenseitig. Und wir haben etliche Bewohner, die sich engagieren bei den Arbeiten, die anfallen.» Damit dies so bleibt, hat die Genossenschaft bei der Auswahl der Mieter stets das letzte Wort und kann darauf achten, dass der Mietermix stimmt. «Leider haben wir immer mehr Alleinstehende und Geschiedene. Wir hoffen, dass in Zukunft mehr Familien mit Kindern einziehen. Schliesslich ist die Lage hier für sie ideal», sagt Schalch. Insgesamt verfügt die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Bünz über 108 Wohnungen, die Warteliste der Interessenten ist lang.
Kurze Bauzeit
Mit der jetzt getätigten Investition könnte der Wunsch nach mehr Familien schon bald in Erfüllung gehen. Denn mit den neuen Balkonen erhalten die Mieter noch mehr Wohnqualität und mehr Platz. «Vorher hatte man zu viert kaum Platz. Jetzt kann man die wärmeren Tage richtig geniessen», freut sich Schalch. Ende August wurde mit den Bauarbeiten gestartet. «Wir haben alle zwei Wochen mit einem neuen Turm begonnen», berichtet Wicki. Durch die Verwendung von Betonelementen konnte die Bauzeit kurz gehalten werden. Anfang Oktober waren die neuen, grossen Balkone am ersten Gebäude fertig. «Es gab einige Mieter, die auch im Winter draussen sassen, wenn die Sonne schien», weiss Schalch. «Und jetzt freuen sich alle auf den nächsten Sommer.»
Die Sanierung der Balkone ist für die Genossenschaft eine grosse Investition. Nicht alle Mieter waren begeistert von der Idee. «Einige hatten Angst, sie hätten nachher weniger Licht in der Wohnung. Andere fürchteten, dass die Mieten stark steigen würden», berichtet der Vizepräsident. Bei beiden gab es schliesslich keinen Grund zur Sorge. Zwar müssen die Mieten etwas angehoben werden, trotzdem bleiben sie im Vergleich zu anderen Angeboten in Wohlen extrem tief. Und auch auf den Lichteinfall hat die Verbreiterung der Balkone kaum Einfluss. «Bisher habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten», freut sich Schalch.
Architekt Marco Wicki attestiert der Überbauung hohe Wohnqualität. «Die Genossenschaft hat in den vergangenen 55 Jahren immer wieder in den Unterhalt investiert, davon kann sie heute profitieren», sagt er. So erwähnt er die moderne Eternit-Fassade, die Dachsanierung, die Erneuerung der sanitären Anlagen und der Küchen. «Hier wurde und wird solide gebaut», kann er feststellen. Das gilt auch für die neuen Balkone. Um keine statischen Risiken einzugehen, wurden sie nicht angebaut, sondern stehen auf einem eigenen Fundament. Trotzdem passen sie sich bestens ins Gesamtbild ein.
In zwei Jahren ein grosses Fest
Auf grössere Balkone verzichten müssen jedoch die Mieter in den Wohnungen an der Turmstrasse 35, 37 und 39. Da bei diesen Gebäuden die Balkone über die gesamte Länge verlaufen, wäre ein Ausbau viel zu aufwendig geworden und hätte zudem das Bild der Siedlung optisch getrübt. «Dafür werden die alten Balkone dort jetzt alle saniert», sagt Wicki.
Derzeit sind die letzten Arbeiten im Gang, Ende Februar sollen sie abgeschlossen sein. «Dann kümmern wir uns um den Aussenbereich», erklärt der Architekt. Auf den Abschluss werden die beteiligten Unternehmen bei einem Aufrichtfest anstossen. Die Mieter selber dürfen dann in zwei Jahren beim 60-Jahr-Jubiläum wieder feiern. «Wir führen alle fünf Jahre ein grosses Fest durch. Auch das gehört zu unserer Philosophie», erklärt Schalch. Und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.



