«Dieser Abend gehört nur uns»
21.02.2020 VillmergenStimmungsvolles Ahösle des Jahrgangs 1970
Die Jahrgänger präsentieren ihren Güüggibueb und ihren Wagen, mit dem sie an der Fasnacht unterwegs sein werden. Das Motto lautet in diesem Jahr «Güüggis-Nächte». ...
Stimmungsvolles Ahösle des Jahrgangs 1970
Die Jahrgänger präsentieren ihren Güüggibueb und ihren Wagen, mit dem sie an der Fasnacht unterwegs sein werden. Das Motto lautet in diesem Jahr «Güüggis-Nächte».
Plötzlich bildet sich Nebel auf dem Platz beim Restaurant Güggibueb. Rund 300 Villmergerinnen und Villmerger blicken gespannt um sich. Leuchtende Punkte tauchen auf, die nach und nach zu Gestalten werden. Mystischen Gestalten. Mit langen Gewändern, grossen Hüten und Augen, nicht von dieser Welt. Sie sammeln sich im Dampf der Nebelmaschine – und beginnen zu tanzen.
Das Ahösle der 1970er hat begonnen. Mit einem Schattentheater, in dem die Jahrgänger einem Wohler mit langen Ohren erklären, was das Ahösle und das Güüggen ist, stimmen sie sich Villmerger auf die bevorstehende Fasnacht ein. Anschliessend kommt so richtig Stimmung auf: Die Jahrgänger haben den Fussball-Hit «Chum bring en hei» von Mundartsänger Baschi umgeschrieben. «Mer flüged los», hallt durch die Strassen, eigens für den Abend komponiert. Dazu eine Choreografle, die so einige Zuschauer mitwippen lässt.
Der grosse Moment ist endlich da
«Da haben sich etwa 300 Personen versammelt, nur um uns zu sehen», sagt Reto Koepfli. Der Präsident der 1970er blickt von seinem Technikpult in die Menge. Alle sind gut gelaunt, es wird angestossen, getanzt und gelacht. Koepfli wirkt gerührt. «Das ist der Moment, auf den wir uns so lange gefreut haben.» Der Wagen leuchtet in der Dunkelheit. Darauf zu sehen ist ein Hexenhaus. Vorne drauf prangt das Logo der Jahrgänger. Traditionell haben sie auch den Güüggibueb in Schale geworfen. Dieser prä- sentiert sich jetzt als Güüggihexe in einem langen Gewand, einem spitzen Hut und der traditionellen Pfeife.
Gruslige Gestalten und schöne Wesen
«Güüggis-Nacht» heisst das diesjährige Motto. Doch was steckt dahinter? Einmal im Jahr, kurz vor Neumond, im Sternzeichen vom Steinbock, abnehmend im vierten Quartal, Element Erde, im Jupiter und wenn innert kurzer Zeit vier Stürme über das Dorf gezogen sind, dann beginnen die Güüggis-Nächte. Dann treffen sich Gestalten.
Gruselige Gestalten, alle genau 50 Jahre alt, von der Galgematt, der Bättlertann und der Wägspinne. Sie tragen Felle und machen «gfürchige» Fratzen. Aber es hat auch schöne Wesen darunter. Solche mit langen seidigen Röcken und lieblichen Gesichtern. Sie sind vom Chriesiloch, vom Steimüriweiher und vom Bergmättli. Sie handeln mit Heilkräutern und sind freundlich zu allen. Auch zu den fremden Fötzeln. Sie ziehen vom Heinibeckhölzli übers Asp, den Chüehweg entlang, an der Weihermatt vorbei, über den Chilehof hinunter zum Güüggibueb. Einige kommen auch aus dem Chatzetal und von den Masuren her.
«Ab jetzt geht es für uns pausenlos weiter», sagt Koepfli. Die Jahrgänger werden an der Villmerger Fasnacht richtig einheizen. Gemeinsam mit den anderen fasnächtlichen Vereinen. «Aber dieser Abend hier gehört nur uns.» 51 Jahrgänger sind an dieser Fasnacht dabei. «Wie es sich gehört, haben auch wir uns mit 35 Jahren erstmals zusammengefunden, um uns auf diesen Anlass vorzubereiten», sagt Koepfli und wendet sich an die Menge. «Wir 70er kommen aus einer grossartigen Zeit. Seit dem Wettlauf der 69er veränderte sich die Gesellschaft.» Kriege wie jener in Vietnam, Katastrophen und Gefahren dominierten gleichzeitig die Medien. «Aber wir durften auch in einer Zeit aufwachsen, in der der technologische Fortschritt uns viel mehr erlaubte.» Das Leben wurde einfacher. «Dafür sind wir dankbar. Wir wollen es geniessen.»
Gleichzeitig haben einige Mitglieder der 1970er mit Schicksalsschlägen zu kämpfen, die die ganze Gruppe beschäftigen. «Wir denken immer daran, dass gute Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Aber umso mehr wollen wir geniessen, was wir hier auf die Beine gestellt haben.»
Am Morgen des Schmutzigen Donnerstags, punkt vier Uhr, zogen die Jahrgänger dann mit ihren selbst gemachten Güüggis durch die Nacht und weckten das Dorf. Danach trafen sich die mystischen Figuren am grössten Feuer, das man je gesehen hat, oberhalb der Weihermatt. Am Nachmittag folgte die Verteilung der Nussgipfel auf dem Dorf ball und abends der Jahrgängerball. Weitere Höhepunkte sind heute Freitag die Turnerparty, am Samstag der Nachtumzug in Mellingen und der Musikball, am Sonntag die Strassenfasnacht auf dem Dorfplatz, am Montag der Seniorenball im Altersheim und die 70er-Party in der «Kajüte», am Dienstag der Kinderumzug, dann das «Abhösle» des Güüggibuebs und danach die Uuslumpete. --chg/zg



