Projekt soll bald abheben
28.01.2020 WohlenMit der Aufwertung der Zentralstrasse geht es endlich vorwärts
Das Betriebs- und Gestaltungskonzept gibt es schon lange. Nun wird es endlich angepackt. Die gestrigen Vermessungen per Drohne markieren den Start.
Chregi ...
Mit der Aufwertung der Zentralstrasse geht es endlich vorwärts
Das Betriebs- und Gestaltungskonzept gibt es schon lange. Nun wird es endlich angepackt. Die gestrigen Vermessungen per Drohne markieren den Start.
Chregi Hansen
Die Zentralstrasse, sie beschäftigt die Wohler schon sehr lange. Zum einen ist sie eine Einkaufsmeile mit vielen Geschäften links und rechts. Zum anderen dient sie als wichtige Verkehrsachse mit dementsprechend vielen Autos auf der Strasse. Stau statt Einkaufserlebnis also. Für viele ein Ärgernis. Und Widerspruch.
Vorstellungen, wie die Verbindung attraktiver gestaltet und damit aufgewertet werden kann, gibt es schon lange. Das entsprechende Betriebsund Gestaltungskonzept BGK ist schon rund 10 Jahre alt. Nun aber soll es endlich vorwärtsgehen. «Aktuell sind wir mitten in den Projektierungsarbeiten zum Bauprojekt», sagt Thomas Meile, Projektleiter bei der Abteilung Tiefbau des Kantons. Dabei werden die Erkenntnisse aus dem BGK unter Berücksichtigung aller Bedürfnisse in das konkrete Projekt eingearbeitet. Parallel dazu fanden gestern Vermessungen mit einer Drohne statt. Die so erhobenen Plangrundlagen werden die weitere Planung vereinfachen. Der Einsatz der Drohne liefert genauere Daten und benötigt weniger Zeit vor Ort.
Baustart frühestens 2024
Ziel ist es, dass bis Frühling 2021 ein Bauprojekt vorliegt. Nach Vorliegen dieses Projekts muss der Wohler Einwohnerrat den entsprechenden Kredit sprechen. Im Anschluss kann das Projekt aufgelegt werden. Als möglichen Baustart nennt Meile den Frühling 2024. Bis dahin gilt es noch einige Probleme zu beseitigen. «Die Herausforderung wird sein, all den verschiedenen Bedürfnissen auf diesem begrenzten Raum gerecht zu werden», weiss der Projektleiter. Insofern war die gestrige Vermessung mittels Drohne nur ein kleiner Schritt bis zu einem konkreten Projekt.
Dank Sicht von oben genauere Daten
Aufwertung Zentralstrasse: Drohneneinsatz zur Erhebung der Plangrundlagen
Viele Menschen finden Drohnen lästig. Aber es gibt durchaus auch sinnvolle Einsatzgebiete. Bei der Vermessung kommen die fliegenden Kameras immer häufiger zum Einsatz. So auch gestern Montag im Wohler Zentrum, wo Daten für die Sanierung der Zentralstrasse gesammelt wurden.
Chregi Hansen
Das Warndreieck mit der Aufschrift «Vermessungen» steht wie immer am Strassenrand. Aber keine Spur von dem sonst üblichen Duo, welches mit Vermessungsgerät und Messstab die Daten erhebt. Auf dem Trottoir steht nur Fabian Huber von der Firma Koch + Partner. In der Hand eine Drohne und eine Fernbedienung.
«Der Einsatz von Drohnen ist ideal für Grundlagenaufnahmen», erklärt er, während er den optimalen Startplatz sucht. Das ist gar nicht so einfach, wegen der vielen hohen Gebäude wird das Fluggerät vom GPS nicht erkannt. «Offenbar fliegen gerade zu wenig Satelliten umher», lacht der Geometer. Schliesslich weicht er auf das ibw-Plätzli aus – und lässt die Drohne in die Höhe schweben. 30 Meter über dem Boden fliegt diese nun einen zuvor programmierten Kurs – und sendet regelmässig Bilder. «Diese Aufnahmen werden dann übereinandergelegt und ergeben dann so ein Gesamtbild», erklärt Huber.
Bewährte Methode
Dass Drohnen zum Vermessen eingesetzt werden, ist nicht neu. «Wir vom haben vor zirka 5 bis 6 Jahren bei vereinzelten Projekten damit begonnen und diese Einsätze Jahr für Jahr gesteigert», berichtet Thomas Meile, Projektleiter bei der Abteilung Tiefbau. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Planer erhalten in kürzester Zeit eine vollständige und zentimetergenaue 3D-Aufnahme aller aus der Luft sichtbaren Objekte. Mit normalen Methoden (also mit einem Tachymeter) würde man für die Zentralstrasse drei bis vier Tage brauchen, der Aufwand mit der Drohne beträgt vier bis sechs Stunden.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Sicherheit. «Es stehen keine Vermesser auf der Strasse, die Unfallgefahr wird minimiert und Verkehrsstörungen sind auf ein Minimum reduziert», so Meile weiter. Das Fliegen über befahrene Strassen sei nicht gefährlich, ergänzt Huber. «Der Kurs ist programmiert, im Notfall kann ich mit der Fernbedienung eingreifen. Der Verkehr selber ist sicher gefährlicher»», sagt er. Trotzdem geht der Kanton keine Risiken ein, Aufträge vom Kanton erhalten nur erfahrene Anbieter, welche sehr gut geschultes Personal für das Fliegen von Drohnen einsetzen und diese Drohnen immer auf dem neusten technischen Stand halten.
Bilder in hoher Auflösung
Weitere Vorteile dieser Vermessungsmethoden: Es sind keine zusätzlichen Aufnahmen vor Ort notwendig, falls nachträglich Detailinformationen gebraucht werden für die Projektierung. Denn anhand der Drohnenaufnahmen können Details jederzeit im Büro nachvermessen werden. Nicht zuletzt erhalten die Planer durch diese Methode sehr detaillierte Grundlagedaten in Form eines massstäblichen Luftbildes in hoher Auflösung, diese können zum Beispiel als Hintergrundinformation in den Plänen integriert oder für Visualisierungen verwendet werden.
Datenschutz gewährleistet
Dabei wird dem Datenschutz aber grosser Wert beigemessen, versichert Patrick Hochstrasser, Leiter der Zweigniederlassung Muri des Büros Scheidegger + Partner AG. «Wir geben die Aufnahmen nicht weiter. Auch nicht an die Gemeinden. Es kann also nicht sein, dass damit auf unbewilligte Bauten kontrolliert wird», sagt er. Das Programm ist so intelligent, dass sich bewegende Objekte wie Autos und Passanten auf dem Bild entfernt werden. Bei starren Objekten, etwa bei parkierten Autos, werden die Nummern entfernt. «In unserem Büro setzen wir die Methode seit gut zwei Jahren ein und sind sehr zufrieden», berichtet Hochstrasser.
Inzwischen hat das kleine Fluggerät die erste programmierte Route beendet und ist gelandet. Zeit für die nächste Etappe, dafür verschiebt sich die Gruppe Richtung Bären. «Obwohl die Drohne automatisch fliegt, brauchen wir immer Sichtkontakt», betont Huber, während er die übermittelten Aufnahmen kontrolliert – allein vom Abschnitt Kirche bis Bären sind es rund 300 Bilder. Damit kleinere Vordächer oder Sonnenschirme nicht alles abdecken, wird leicht schräg fotografiert und in mehreren Bahnen geflogen. «Das genaue Überlappen der Bilder übernimmt dann zum Glück der Computer», lacht Huber. Falls alles klappt, schliesst er diesen Vormittag die Aufnahmen an der Zentralstrasse ab und kann sich am Nachmittag ans Farnbühl machen – das wäre bei der konventionellen Methode unmöglich.
Manchmal kommt man um ein Nachmessen nicht herum
Für den Einsatz gibt es aber auch Grenzen. «Nicht alles ist aus der Luft sichtbar», erklärt Meile. An Orten mit vielen Bäumen und einer dichten Vegetation können Ergänzungsaufnahmen mit Tachymeter notwendig sein. Darum ist es ein Vorteil, im Winter zu fliegen. Zudem ist der Aufwand im Büro für die Auswertung eines Geländemodells höher als bei herkömmlichen Methoden. Nicht zuletzt müssen natürlich diverse gesetzliche Vorgaben und Flugeinschränkungen beachtet und eingehalten werden. Alles in allem aber überwiegen die Vorteile klar. Dank der so gewonnenen Daten kann die Planung für die betriebliche und gestalterische Zentrumsaufwertung vorwärtsgetrieben werden. Und darauf wartet Wohlen schliesslich schon lange.




