Brief von Kanzler sorgt für Unruhe
28.01.2020 DottikonSeit bald vier Monaten hat Dottikon keinen Gemeindeschreiber mehr. Der bisherige Kanzler Michael Schaeren hatte im September seine Kündigung eingereicht und ist Anfang Oktober freigestellt worden. Acht Jahre lang war Michael Schaeren in Dottikon als Gemeindeschreiber tätig. Vor Kurzem ...
Seit bald vier Monaten hat Dottikon keinen Gemeindeschreiber mehr. Der bisherige Kanzler Michael Schaeren hatte im September seine Kündigung eingereicht und ist Anfang Oktober freigestellt worden. Acht Jahre lang war Michael Schaeren in Dottikon als Gemeindeschreiber tätig. Vor Kurzem hat Schaeren einen Brief an die Kanzlei und den Gemeinderat geschrieben – mit happigen Vorwürfen gegen einzelne Mitarbeiter und Mitglieder des Gemeinderates. Seine Kündigung und sein sang- und klangloses Verschwinden erklärt Schaeren mit «mobbinghaftem Verhalten» an seinem Arbeitsplatz. Er wirft dem Gemeinderat vor, dass dieser früher hätte einschreiten und die Sachlage von beiden Seiten abklären müssen.
Gemeindeammann Roland Polentarutti wehrt sich nun gegen die Vorwürfe. Er betont, dass die Personalführung seit Jahren die Aufgabe des Gemeindeschreibers ist. Aber er macht sich auch Gedanken darüber, wie die ganze Sache anders hätte enden können. --chg
Happige Vorwürfe
Der ehemalige Gemeindeschreiber Michael Schaeren erhebt schwere Vorwürfe
Die Gemeinde Dottikon sucht nach einem neuen Gemeindeschreiber. Jetzt taucht ein Brief des ehemaligen Gemeindeschreibers auf – mit happigen Vorwürfen an den Gemeinderat.
Chantal Gisler
«Natürlich habe ich meine Ecken und Kanten», sagt Michael Schaeren, «aber wenn ich früher konstruktive Feedbacks erhalten hätte, ob nun seitens der Mitglieder des Gemeinderates oder von Mitarbeitenden, dann sähe die Situation heute wohl anders aus. Als selbstkritische Person bin ich lernfähig.» Fast vier Monate ist es her, dass der Gemeindeschreiber von Dottikon weg ist. Sang- und klanglos verschwunden. Eine offizielle Verabschiedung gab es nicht.
Jetzt meldet sich Michael Schaeren zurück. Zum einen bedankt und verabschiedet er sich bei den Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung, zum anderen erhebt er happige Vorwürfe an die Adresse des Gemeinderates Dottikon. Von kolossaler Führungsschwäche ist die Rede. Und dass der Gemeinderat seinem Kanzler den Rücken nicht gestärkt hat. «Ich hatte nicht genügend Rückendeckung durch den Gemeinderat», sagt Schaeren. «Die Vertrauensbasis war sehr fragil.»
Hilfe von aussen
Besonders zu dem Zeitpunkt, als es in der Kanzlei zu Spannungen zwischen einer Mitarbeiterin und Michael Schaeren kam. «Der Gemeinderat hat zwar reagiert, indem er eine externe Fachperson hat kommen lassen», erzählt der ehemalige Gemeindeschreiber. «Aber ich wurde nicht darüber informiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt.» Nach den Abklärungen der Mediatorin entschied sich Michael Schaeren, die Verwaltung zu verlassen. «Nach persönlichen Abwägungen und einer sachlichen Lagebeurteilung habe ich die Kündigung eingereicht», sagt er. «Die mangelnde Akzeptanz und die nicht spürbare Rückendeckung waren keine Basis, um das Arbeitsverhältnis konstruktiv fortsetzen zu können.» Mitte September reichte Michael Schaeren seine Kündigung ein. Aufgrund seiner vielen Überstunden und um Ferien abzubauen, verliess er die Kanzlei per 1. Oktober. Offiziell war er bis Ende Dezember auf der Gemeinde angestellt.
Aber hätte die Situation auch anders enden können? Vielleicht. Michael Schaeren hätte sich gewünscht, dass der für das Personal zuständige Ressortvorsteher Roland Polentarutti seine Verantwortung wahrgenommen hätte, um kritischer und tiefgründiger den Spannungen und Unzufriedenheiten auf den Grund zu gehen. Dazu ist es aber nicht gekommen.
Vertrauen sei da gewesen
Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Gemeindeammann Roland Polentarutti. Der Gemeinderat habe seinem Kanzler immer genügend vertraut. «Die Geschäftsabwicklung war intakt, daher bestand keine Veranlassung, Michael Schaeren das Vertrauen zu entziehen», sagt Roland Polentarutti. «Wir haben im schriftlichen Einverständnis mit Michael Schaeren, dass die damalige Situation zu untersuchen sei, eine externe Fachperson beigezogen.» Auf diese Weise wurde ein Analysebericht erstellt. Dieser wurde Mitte September fertigge - stellt. Zum Vorwurf der kolossalen Führungsschwäche nimmt der Gemeindeammann wie folgt Stellung: «Es steht mir nicht an, in dieser Situation ein eigenes Urteil über meine Führungsqualitäten abzugeben», sagt Polentarutti. «Ich möchte vielmehr darauf hinweisen, dass es in Dottikon seit über zehn Jahren aufgrund des Stellenbeschriebes und auch des Geschäfts- und Kompetenzreglementes eine der primären Aufgaben und Funktionen des Gemeindeschreibers ist, als Leiter der Verwaltung für die operative Geschäftsführung inklusive Personalführung verantwortlich zu zeichnen.»
Aber hätte die Situation auch anders enden können? «Im Nachhinein gesehen hätte ich beziehungsweise der Gemeinderat wohl früher aktiv werden müssen. Ob das Ergebnis dann ein anderes gewesen wäre, bleibe dahingestellt. Nachdem Michael Schaeren selber der Gemeindeverwaltung Dottikon auch nach seiner Abwesenheit ein gutes Funktionieren attestiert, kann es um die Führungsqualitäten des Gemeinderates Dottikon und wohl auch von mir persönlich zumindest in der aktuellen Situation doch nicht so schlecht stehen, haben wir doch zusammen mit den Mitarbeitenden das Notwendige vorgekehrt.»



