Eigene Regeln gebrochen
20.12.2019 WohlenDer Wohler Soul-Star Seven im Interview
Früher wollte er nicht, nun hat er es doch getan: Seven singt jetzt auf Deutsch.
«Ich lasse die Hosen runter und singe auf Deutsch», sagt Jan Dettwyler alias Seven. Der Wohler bricht damit seine eigenen ...
Der Wohler Soul-Star Seven im Interview
Früher wollte er nicht, nun hat er es doch getan: Seven singt jetzt auf Deutsch.
«Ich lasse die Hosen runter und singe auf Deutsch», sagt Jan Dettwyler alias Seven. Der Wohler bricht damit seine eigenen Regeln, denn früher wehrte er sich dagegen, in seiner Muttersprache zu singen. Im Interview erklärt Seven, warum er das auf seinem neuen Album «Brandneu» trotzdem tut, warum man die neue «Sing mein Song»-Staffel unbedingt anschauen sollte (wo er der Gastgeber ist) und wie er Weihnachten verbringt. --spr
«Aufpassen vor der Schlagerfalle»
Interview: Der Wohler Jan Dettwyler alias Seven singt jetzt auf Deutsch
Seven auf Deutsch. In seinem neuen Album «Brandneu», das Ende Februar auf den Markt kommt, erfindet sich der 41-Jährige neu. Und so bleibt er sich treu.
Stefan Sprenger
Sie haben vor wenigen Tagen ein Bild aus Arosa in den sozialen Medien gepostet. Waren Sie im Urlaub?
Seven: Jedes Jahr kriege ich eine Einladung von Frank Baumann, dem Direktor des Arosa Humorfestivals. Und ich gehe fast jedes Jahr auf Besuch. Es war wie immer prima.
Was für eine Vorstellung haben Sie sich angesehen?
Oropax. Die waren wirklich herrlich. Ich bin ein Fan.
Das Humorfestival in Arosa ist ja ziemlich wohlerisch angehaucht. Ich nehme an, das wissen Sie?
Ja. Markus Markwalder ist der Projektleiter und Pascal Jenny ist der Tourismusdirektor. Ich kenne beide und wir haben uns auch kurz gesehen in Arosa. Starke Typen.
Bleiben wir beim Thema Wohlen. In diesem Sommer spielten Sie ein Konzert im Park der Isler-Villa in Ihrer Heimat. Was sind Ihre Erinnerungen daran?
Es war eines der letzten Male, dass wir mit dem damaligen Programm aufgetreten sind. Und ich war wieder mal nach vielen Jahren in Wohlen. Es war rückblickend ein überwältigender Abend.
Wieso?
Normalerweise spiele ich vor fremden Menschen meine Konzerte. In Wohlen war es so, dass ich sicherlich 80 Prozent der Menschen im Publikum mit Namen gekannt habe. Ich war nervöser als sonst auf der Bühne. Irgendwie war ich auch ein wenig verlegen, während des Auftritts habe ich mich mal gefragt: «Was mache ich eigentlich hier oben?» (Lacht). Es war sehr emotional, das habe ich so nicht erwartet. Viele Bekannte aus alten Zeiten, viele Freunde und Familienmitglieder waren da. Es war ein langer und spannender Abend mit guten Gesprächen und Begegnungen. Kurz gesagt: Es war einzigartig.
Ist im nächsten Jahr ein Konzert in Wohlen geplant?
Nein. Meine Auftritte in der Heimat sollen etwas Besonderes bleiben. Aber am 7. November 2020 spielen wir im Nordportal in Baden. Ich freue mich, da ein paar Wohler Gesichter zu sehen.
Sie hatten im Jahr 2019 einiges los.
Es war eines der aufregendsten Jahre meiner Karriere. Ich tanzte auf drei grossen Hochzeiten.
Erzählen Sie.
Da war die «Soulmate»-Tour, wo ich 26 Konzerte gab und an jedem Abend ein anderer Künstler als Gast mit mir auf der Bühne war. Das war für mich, für die Band und auch das Publikum etwas ganz Neues. Ich habe mir damit einen Traum erfüllt. Eine geniale Sache.
Die zweite Hochzeit?
Wir haben im Herbst die erste «Sing mein Song»-Staffel der Schweiz gedreht. Für mich war es eine grosse Ehre und eine riesige Verantwortung, der Gastgeber zu sein. Mit dabei waren Stefanie Heinzmann, Steff la Cheffe, Ritschi, Marc Storace, Francine Jordi und Loco Escrito. Wir waren mit dem Fernseh-Team, rund 100 Leuten, in Gran Canaria und hatten eine sehr spannende Zeit. Das war eine Riesenkiste.
Im Februar beginnt die Ausstrahlung auf «TV24». Was darf man erwarten?
So etwas hat es noch nie gegeben in der Schweiz. Wir zeigen die ganze Bandbreite der Musik auf und wir beweisen, dass die Schweizer Musik viel Qualität hat. Das war mein oberstes Gebot: Die Qualität musste stimmen. Und ich glaube, das haben wir geschafft. Die Künstler, die dabei waren, gehen volles Risiko. Loco Escrito singt beispielsweise einen Song von Francine Jordi. Und Francine Jordi singt einen Song von Krokus.
Wie war die Zusammenarbeit mit diesen Musikern?
Grossartig, emotional und freundschaftlich. Es hat uns zusammengeschweisst. Wir haben heute noch gemeinsam eine WhatsApp-Gruppe und werden versuchen, die TV-Sendungen miteinander anzuschauen.
Da war ja noch eine dritte grosse Hochzeit, auf der Sie tanzten, oder?
Die ist aber relativ unspektakulär für die Aussenwelt. Das Label, das Booking und die Vertriebsstruktur wurden überarbeitet und es gab ein neues Team. Im Hintergrund ist einiges optimiert worden.
So quasi nebenbei haben Sie noch erstmals Songs auf Deutsch kreiert.
Ja, das war ja auch noch (lacht).
Warum singen Sie jetzt auch auf Deutsch? Früher sagten Sie, das möchten Sie nicht.
Es fühlte sich komisch an, auf Deutsch zu singen. Ich wollte Englisch und Deutsch nicht vermischen. Aber als ich bei «Sing mein Song» in Deutschland mitmachte, habe ich es ausprobiert. Dabei habe ich beispielsweise Nenas Song «99 Luftballons» neu interpretiert. Dieses Lied habe ich dann an meinen Konzerten gespielt und gemerkt, dass es mir und auch dem Publikum gefällt. Ich habe also gegen meine eigenen Regeln verstossen (lacht). Es fiel mir dann wie Schuppen von den Augen und ich habe die Hosen runtergelassen. Jetzt ist es so, dass ich riesige Lust habe, auf Deutsch zu singen.
Und auf Ihrem neuen Album «Brandneu», das am 28. Februar 2020 erscheinen wird, werden dann einige Tracks auf Deutsch sein.
Genau. Die deutsche Sprache sorgte dafür, dass ich meine Kreativität neu ausleben kann. Die Kraft der Muttersprache darf man nicht unterschätzen. Auch die Verbindung zum Publikum ist viel grösser, da man jedes Wort versteht. Man bietet aber auch mehr Angriffsfläche an, da man verletzlicher ist, wenn man in der Muttersprache singt. Aber das möchte ich. Ich möchte den Schutz «Englisch» ablegen und meine Seele noch mehr raushauen. Ich möchte verletzlich sein.
Auf Ihrer Tour in diesem Jahr haben Sie schon oftmals deutsche Songs gespielt. Wieso?
Ich wollte spüren, wie es bei den Menschen ankommt. Und die Reaktionen waren sehr gut. Ich selbst habe mich beim Singen auf Deutsch ebenfalls brutal wohlgefühlt.
Wer schreibt Ihre Songs auf Deutsch?
Ich.
Auf was haben Sie beim Schreiben der Texte geachtet?
Der Text und der Gesang nehmen mehr Platz ein. Die deutsche Sprache braucht Platz, die Musik ist nicht mehr so üppig wie vorher, sie trägt jetzt ein etwas kargeres Kleid.
Und Sie werden jetzt ein Schlagerstar?
Nein (lacht laut). Das wäre nichts für mich. Aber ich muss aufpassen, dass ich nicht in die Schlagerfalle tappe.
Erklären Sie.
«I miss you» klingt auf Englisch schön. «Ich vermisse dich» biedert auf Deutsch irgendwie an. Da muss man bei den Song-Texten aufpassen. Die deutsche Sprache ist einiges komplexer als die englische. Man muss mehr Bilder kreieren, mehr um- und beschreiben.
Sing mein Song», die «Soulmate»-Tour, die Veränderung bei Ihrem Label – und noch ein neues Album kreiert. Das sind doch vier Hochzeiten, nicht nur drei, oder nicht?
Ja, stimmt. Ich frage mich gerade, wie ich das alles im Jahr 2019 geschafft habe. Es war auf jeden Fall aufregend, aber auch anstrengend. Aber ich liebe nach wie vor, was ich tue und bin dankbar, dass ich von der Musik leben kann.
Wie geht es 2020 weiter?
«Brandneu» kommt raus. Das Album mit fünf neuen Songs plus vier Bonustracks – alle auf Deutsch. Ich bin sehr gespannt, wie es ankommt. Dazu freue ich mich auf die Ausstrahlung von «Sing mein Song». Auch da bin ich neugierig, wie es beim Publikum ankommt. Dazu folgen viele Auftritte in Deutschland und der Schweiz.
Nun folgt die besinnliche Weihnachtszeit. Fährt auch Seven ein wenig runter während den Feiertagen?
Weihnachten ist langweilig bei mir. Vom 22. Dezember bis 6. Januar habe ich frei, ich mache nichts. Wir bleiben in der Schweiz und feiern mit Freunden und Familie Weihnachten. Zu Silvester gibt es eine kleine Party bei uns zu Hause. In diesen beiden heiligen Wochen komme ich immer ein bisschen zur Ruhe.
Dann wünsche ich frohe Weihnachten.
Danke. Gleichfalls. Und wir können dann im nächsten Jahr im Dezember wieder ein Interview machen und schauen, wie alles so gelaufen ist (lacht). Das nächste Jahr 2020 wird allerdings wohl nicht weniger spannend als 2019. Ich freue mich riesig darauf.



