Kanti Wohlen als Schaufenster
12.11.2019 WohlenDie Präsentationen und die Ausstellungen waren vielfältig. Und sie zeigten auf, dass die Kanti Wohlen viele gute Ideen entwickelt. Und diese auch umsetzt – zumindest am Tag der offenen Tür. Am Besuchtstag war die Kanti ein perfektes Schaufenster.
Vom ...
Die Präsentationen und die Ausstellungen waren vielfältig. Und sie zeigten auf, dass die Kanti Wohlen viele gute Ideen entwickelt. Und diese auch umsetzt – zumindest am Tag der offenen Tür. Am Besuchtstag war die Kanti ein perfektes Schaufenster.
Vom Soundwalk bis zum Brexit
Grossaufmarsch am Tag der offenen Tür an der Kanti Wohlen
Es war ein Besuchstag der Vielfalt. Und der Beweis, dass die Kanti Wohlen bei Bevölkerung, Schülerschaft und Lehrpersonen einen hohen Stellenwert geniesst.
Daniel Marti
Die Kanti Wohlen, sie ist beliebt, begehrt und wie der Tag der offenen Tür erneut zeigte, ist das Wohler Gymnasium nicht nur interessant, sondern enorm vielfältig. Ein Einblick ins Tätigkeitsfeld der Kanti Wohlen ist schier grenzenlos. Am Tag der offenen Tür strömten nicht nur angehende Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern ins bekannte Calatrava-Haus. Mit den unzähligen Ausstellungen und Präsentationen zeigten auch die aktuellen Schüler und die Lehrerschaft, was man in der Kanti so draufhat. Eine ganze Menge.
«Das ist fantastisch»
Ob der Aufritt des Kanti-Orchesters, die Vorstellung der UNESCO-assoziierten Schule oder Physik zum Staunen, das Wissenswerte bei einem Einbürgerungsquiz oder der Einblick ins Hebräische, eine Sprache, die Welten eröffnet – das Angebot war riesig. Der Aufmarsch des Publikums, der Interessierten ebenfalls. Nicht nur der Kanti-Rektor Matthias Angst war hell begeistert, aber dieser ganz besonders. «Von der Direktorin der Pädagogischen Hochschule bis zum Nachwuchs der Lehrpersonen durfte ich innert vier Stunden unzählige Menschen treffen, die sich alle aufrichtig für die Kanti interessieren. Das ist fantastisch», bilanziert Angst, der sich vor allem über das grosse Interesse der Gäste und die angeregten Gespräche freute. «Und die Freude über das Erlebte übertrifft den immensen Aufwand bei Weitem.»
Brexit-Diskussion mit Experten
Aus über 30 Ausstellungen, Veranstaltungen und Präsentationen konnten die Wissbegierigen auswählen. Das Angebot war auch international. Zum Thema «Brexit – a never ending story» äusserte sich Gerald Hosp, Wirtschaftskorrespondent der NZZ in London. Also ein wahrer Kenner der komplizierten Situation der Briten. Die Diskussionsrunde mit drei Experten und acht Kantischülern ging zurück bis zu Winston Churchills Zürcher Rede 1946. Englands Premierminister Churchill sagte damals, dass Grossbritannien nicht Teil des Vereinigten Europa sein werde, dem Projekt aber als Pate helfend zur Seite stehen werde. Angesichts des Brexit-Entscheids der britischen Bevölkerung erhält die Zürcher Rede Winston Churchills neue Aktualität.
Problematisch sei dagegen, so die Runde, dass in den Ländern Grossbritanniens unterschiedlich abgestimmt wurde. In Schottland Beispielsweise waren nur 38 Prozent für den Brexit. Die Umsetzung des demokratischen Entscheids sei kein einfacher Weg, bilanzierte Hosp. Die «Never ending story» dauert bekanntlich an.
Freizeit für das Projekt «HEI Wohlen» geopfert
Eine andere spezielle Story nennt sich «HEI Wohlen», sie wurde am Tag der offenen Tür vorgestellt. Schülerinnen und Schüler gestalteten interaktive Hörspaziergänge. Gleichzeitig wurde der Umgang mit digitalen Werkzeugen vermittelt. Ein ähnliches Projekt gibt es bereits in Basel. An der Kanti wurde «HEI Wohlen» zusammen mit der Hochschule für Musik mit der Hochschule für angewandte Psychologie realisiert. Das gesamte Kanti-Areal vom Calatrava-Eingang bis zum Skatepark wurde praktisch vertont. Es ist eine Verknüpfung von Tonarten, Klangerzeugnissen und Alltagslärm. «Das ergibt eine Verschmelzung mit Geräuschen der gesamten Umgebung», so Lehrer Mathieu Friz.
Die sieben am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler haben sämtliche Klänge selber aufgenommen, «und sind dabei an ihre Grenzen gestossen», betont Friz weiter. Vier Wochen lang vor den Sommerferien und rund 15 Stunden nach den grossen Ferien waren die jungen Leute mit «HEI Wohlen» beschäftigt. Und sie haben darüber hinaus noch viel Freizeit geopfert. Weiter wurden sie von Sybille Hauert, künstlerische Gestaltung, und Lehrerin Judith Flury unterstützt.
Öffentlich bis zum März
Nun kann man den Rundgang im Kanti-Areal speziell geniessen. Mit Kopfhörer und Sender ausgerüstet kann «HEI Wohlen» erkundet werden. Und kaum unterwegs, fragt man sich: Was ist real, was ist Klangwelt? Der digitale, interaktive Soundwalk ist übrigens öffentlich. Noch bis im nächsten März ist dieser in Betrieb, die Kopfhörer können in der Mediothek der Kanti abgeholt werden.
Mit dem Projekt «HEI Wohlen» wird auch die digitale Musik und Medienkunst im Schulunterricht thematisiert. Ein Gang über den Soundwalk lohnt sich – wie so vieles, das am Tag der offenen Tür an der Kanti geboten wurde.
Übrigens: auch Rektor Matthias Angst hatte sein Highlight – und das war ganz persönlicher Natur. Rein zufällig sah er seine Primarlehrerin nach einem Vierteljahrhundert wieder. Sie sass bei meinem Vortrag im Publikum und es kam zum Wiedersehen. «Es fasziniert mich stets aufs Neue, wie prägend die Schulzeit auf jeden von uns wirkt», so der Kanti-Rektor abschliessend.




