Goldiger Empfang
19.11.2019 Region OberfreiamtPartystimmung an der Schule in Waltenschwil. 280 Schüler feiern die Weltmeister-Lehrerin Catherine Debrunner. --red
Die schnellste Lehrerin der Welt
Catherine Debrunner wird feierlich an der Schule in Waltenschwil ...
Partystimmung an der Schule in Waltenschwil. 280 Schüler feiern die Weltmeister-Lehrerin Catherine Debrunner. --red
Die schnellste Lehrerin der Welt
Catherine Debrunner wird feierlich an der Schule in Waltenschwil empfangen
Grosser Empfang für Catherine Debrunner an der Schule in Waltenschwil. Dass die WM-Goldmedaillen-Gewinnerin im Freiamt unterrichtet, ist auf Patricia Eachus-Keller zurückzuführen. Die Waltenschwilerin, mit der Debrunner das Zimmer an der WM in Dubai teilte.
Stefan Sprenger
«Schaut», sagt Catherine Debrunner. Die 24-Jährige zeigt ihren 14 Schülerinnen und Schülern die beiden Medaillen. Gold über 400 Meter, Silber über 800 Meter, dazu ein 5. Rang über 1500 Meter. Die Para-Leichtathletik-WM war enorm erfolgreich für die Ostschweizerin, die in der Nähe von Sursee wohnt. Die Kinder bestaunen die runden Metalldinger. Ganz leise hört man immer wieder: «Wow.» Und ganz leise und stolz lächelt Debrunner.
Debrunner: «Neuland für mich»
Sie musste den Kindern erklären, was in den vergangenen Tagen passierte. Was ist eine Weltmeisterschaft? Wo liegt Dubai? Und wieso feiern alle ihre Lehrerin? Catherine Debrunner beantwortete ganz geduldig alle Fragen der Erstklässler. Dass gleich drei Fotografen im Klassenzimmer sind, ist Ausnahmezustand. Mit Michael Winsauer hat die Schule Waltenschwil zwar einen weiteren prominenten Sportler, jedoch holte Fussballer Winsauer nie eine Goldmedaille. Debrunner schon.
Und seit dies passiert ist, herrscht eine andere Zeitrechnung bei ihr. «Ich bin schon etwas überrumpelt worden», meint sie. Diverse Medien möchten etwas von ihr. Ein Interview mit «Blick»-Sportchef Felix Bingesser, ein Gespräch mit dieser Zeitung – und am Mittwoch kommt zudem das «Schweizer Fernsehen» für einen Beitrag im «Sport aktuell» vorbei. Realisiert sie, was gerade passiert? «Noch nicht ganz», meint Debrunner. «Es ist Neuland für mich.»
«Sie ist ein riesiges Vorbild» Doch sie geniesst diese aufregende Zeit. Gestern Montagmorgen wird sie von der Schule Waltenschwil überrascht. Alle 280 Schüler und Kindergärtler stehen Spalier, winken mit ihren Schweizerfähnchen und rufen «Super, Frau Debrunner.» Als sie durch die Kindermasse fährt, «hatte ich heftig Hühnerhaut. Alle Klassen und alle Lehrer waren da, das ist sehr schön und zeigt, dass die Schule in Waltenschwil etwas ganz Besonderes ist. Der Zusammenhalt ist riesig. Ich mag es mega hier.» Abends gab es dann noch einen Apéro, ohne Schüler, dafür mit Gemeindevertretern.
Nach der Überraschung draussen wurde sie im Schulhaus noch offiziell geehrt. Schulleiterin Edith Frey zeigt eine Weltkugel: «Unsere Lehrerin ist die Schnellste der Welt über 400 Meter. Wir sind mächtig stolz auf sie.» Auch Christian Aeberli, Vorsteher der Volksschule vom Departement Bildung, Kultur und Sport vom Kanton Aargau, richtet sich mit ein paar Worten und einem Präsent an die erfolgreiche Para-Leichtathletin: «Ein Stern ging auf über dem Wüstenhimmel von Dubai. Ein grosser Erfolg, ein riesiges Vorbild, wir verneigen uns vor Catherine Debrunner.»
Am Jubeltag für die Thurgauerin muss man die Geschichte hervorholen, wieso sie überhaupt in Waltenschwil unterrichtet. Lange Zeit suchte sie im Kanton Luzern nach einer passenden Stelle. Fündig wurde sie nicht. In einem Teilpensum an einer rollstuhlgängigen Schule, das ist selten.
Dank Keller im Freiamt
Hilfe kam von Patricia Eachus-Keller (siehe Kasten). Die Waltenschwilerin ist in der Nationalmannschaft Teamkollegin von Debrunner, in Dubai teilten sie das Zimmer. Und die beiden kennen sich seit Jahren. Und Eachus’ Vater Ewald Keller ist als Schulleiter tätig, zwar auf dem Mutschellen und nicht in Waltenschwil, aber dennoch wusste er um das freie Pensum. Sie meldet sich per Mail, war am anderen Tag zum Gespräch eingeladen und hatte einen Tag später die Anstellung auf sicher. Und nun ist sie «mega happy» in Waltenschwil. Sie wird mindestens noch bis im Sommer 2021 an der Schule bleiben.
Es braucht einen Kurzurlaub
Und wer weiss, vielleicht gibt es nächstes Jahr wieder etwas zu feiern für die Schule Waltenschwil. Dann finden die Paralympics in Tokyo statt. «Mal schauen», sagt Debrunner. Sie wirkte beim Gespräch überrumpelt von den Ereignissen der letzten Tage, aber sie war überglücklich. «Damit ich das alles etwas besser einordnen kann, werde ich am Wochenende einen Kurzurlaub machen», meint sie lächelnd.
Eachus-Keller an WM
Ebenfalls an der Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Dubai mit dabei war die Waltenschwilerin Patricia Eachus (ehemals Keller). Über 1500 Meter war es ihr Ziel, in den Final zu kommen. Dies schaffte die Rollstuhl-Leichtathletin Eachus.
«Erwartungen übertroffen»
Über 5000 Meter wollte Eachus «bis zum Schluss an der Spitze dranbleiben». Auch das gelang ihr und sie fuhr auf den starken 6. Rang. «Die Erwartungen wurden übertroffen», sagt die Waltenschwilerin, die heute in Büron lebt. Sie sei absolut zufrieden mit der Weltmeisterschaft. Es lief ihr so gut, weil sie Dubai mittlerweile sehr gut kennt aus diversen Wettkämpfen in der Vergangenheit. Sie kennt übrigens Catherine Debrunner schon seit über 10 Jahren. Patricia Eachus-Keller gönnt sich nun eine Pause, bevor es ins Wintertraining geht. Nächste Saison will sie es an die Paralympics schaffen. An der WM verpasste sie die Qualifikation. Dafür hätte sie auf den 4. Rang fahren müssen. --spr







