Die Qual der Wahl
15.11.2019 WohlenDie drei Kandidierenden für das Amt des Friedensrichters stellen sich vor
Am 24. November wird im Kreis Wohlen und Umgebung ein neuer Friedensrichter gewählt. Gesucht wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin für Yves Polin. Der Dottiker muss das ...
Die drei Kandidierenden für das Amt des Friedensrichters stellen sich vor
Am 24. November wird im Kreis Wohlen und Umgebung ein neuer Friedensrichter gewählt. Gesucht wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin für Yves Polin. Der Dottiker muss das Amt aus Altersgründen abgeben. Zur Wahl stellen sich gleich drei Kandidaten und Kandidatinnen
Chregi Hansen
Schon lange nicht mehr war eine Wahl zum Friedensrichter so spannend wie diesmal. Für das frei werdende Amt interessieren sich gleich drei Personen. Interessant auch: Keine der drei Personen stammt aus dem Gebiet, um das es geht. Der Friedenrichterkreis umfasst die Gemeinden Büttikon, Dottikon, Fischbach-Göslikon, Hägglingen, Niederwil, Sarmenstorf, Tägerig, Uezwil, Villmergen und Wohlen.
Ehemalige Richterin
Die bekannteste der drei Kandidaten ist sicherlich Isabelle Wipf, die bis vor Kurzem als Gerichtspräsidentin am Bezirksgericht Bremgarten gearbeitet hat. Sie wurde von der FDP nominiert und erhält die Unterstützung von den Grünen, der GLP und der CVP. Wipf ist in Baden aufgewachsen, hat Jura studiert und das Anwaltspatent erworben. Danach hat sie in der Verwaltung, Advokatur und zehn Jahre im Rechtsdienst einer Bank gearbeitet, bevor sie 1993 ans Bezirksgericht Bremgarten gewählt wurde. «Dieses spannende Amt habe ich 26 Jahre lang mit Freude ausgeübt», sagt sie heute.
Isabelle Wipf ist verheiratet, sie und ihr Mann wohnen seit 30 Jahren in Hermetschwil-Staffeln und haben zwei erwachsene Töchter. Wipf ist in verschiedenen Vereinen engagiert, so bei den Landfrauen, beim Juristenverein, der Elektra und der FDP. Als Hobbys pflegt sie Kochen, Reisen, Wandern und Yoga.
Doch warum will sie nach dem Ende ihre Richterzeit nun wieder ein Amt übernehmen? «Ich habe mich zwar vorzeitig pensionieren lassen, habe jedoch stets gesagt, dass ich gerne in einem kleinen Pensum weiter tätig sein möchte, was in meinem angestammten Amt nicht möglich war», erklärt sie. Nach einer Anfrage durch ihre Partei und nach Rücksprache bei den derzeitigen Amtsinhabern Yves Polin und Rolf Küng hat sie aus Überzeugung zugesagt.
«Ich wäre für dieses Amt geeignet, weil ich mit der Materie und dem Verfahren bestens vertraut bin und aufgrund meiner Berufs- und Lebenserfahrung über grosses Verhandlungs- und Vermittlungsgeschick verfüge», ist sie überzeugt. Falls sie gewählt wird, ist es ihr Ziel, mit den Beteiligten eine für alle akzeptable gütliche Lösung zu finden, womit ihnen der Weg ans Gericht erspart bleibt und sie so Zeit und Geld sparen. «Denn sehr schnell übersteigen die Gerichts- und Anwaltskosten den Streitwert», weiss sie aus Erfahrung.
Selbstständige Unternehmerin
Als zweite Frau kandidiert Margrit Hard aus Muri für das Amt. Sie ist Vertreterin der SVP. Die 55-Jährige ist geschieden und arbeitet seit mehr als 25 Jahren als selbstständige Unternehmerin in unterschiedlichen Branchen tagtäglich mit sehr vielen Menschen zusammen. «Besonders zum Thema Mietrecht bzw. Mietwesen kann ich ein umfangreiches Wissen nachweisen, das in meiner Tätigkeit als Wohnungsabnehmerin und Mängelberaterin, insbesondere auch bei Terminen an der Schlichtungsstelle durch praktische Erfahrungen ergänzt wird», sagt sie von sich selber.
Hard hat bereits in den unterschiedlichsten Branchen und Unternehmen gearbeitet und bei all ihren Tätigkeiten wertvolle Kenntnisse und Erfahrungen sammeln können, «die mir als Friedensrichterin mit Sicherheit zugutekommen». Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit sportlichen Aktivitäten, «die mich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit halten». Als Wohnungsabnehmerin und Mängelberaterin ist sie stets bemüht, unparteiisch zu beraten und bei gegensätzlichen Interessen den Ausgleich zu finden. Als Fitnesstrainerin motiviert sie Menschen mit Geduld und Einfühlungsvermögen zu Höchstleistungen.
«Als wissbegieriger Mensch lerne ich gerne dazu und bilde mich laufend zu den unterschiedlichsten Themen weiter. So gehören zum Beispiel Seminare für Verhandlungstaktik beim Polizei-Psychologen dazu, weil ich dieses Wissen auch direkt in meinem Tätigkeitsfeld anwenden kann», erklärt sie. Es ist ihr ein Anliegen, als Friedensrichterin unparteiisch zwischen uneinigen Parteien eine Versöhnung zu finden, mit welcher sich beide Seiten arrangieren können. «Dabei möchte ich eine Ansprechpartnerin auf Augenhöhe sein und menschliche Lösungen ohne juristische Hintergedanken finden, die aber natürlich trotzdem im Rahmen geltenden Rechts durchsetzbar sind», erklärt sie.
Kulturingenieur und Dozent
Als dritter im Bunde tritt Andreas Hofmann zur Wahl an. Er ist parteilos, erhält aber die Unterstützung durch die CVP Bezirk Bremgarten. Hofmann lebt mit seiner Frau seit 18 Jahren in Oberwil-Lieli und arbeitet als selbstständiger Ingenieur. Er ist im Suhrental aufgewachsen. Der diplomierte Ingenieur-Geometer arbeitete 15 Jahre im Bereich Hydrogeologie, Baugrund und Altlasten, dann während 14 Jahren im Limmattal in einem Planungs-, Tiefbau- und Vermessungsbüro als Abteilungsleiter und später als Geschäftsleitungsmitglied und hat sich stetig weitergebildet.
In seiner Hauptfunktion als Stadtingenieur von Dietikon und als technischer Berater des Stadtrates und Mitglied der Baukommission übte er eine Koordinations- und Führungstätigkeit aus und konnte in intensivem Kontakt mit Verwaltung und Politik sein Fachwissen insbesondere im rechtlichen Bereich erweitern und vertiefen. Parallel zur Tätigkeit in der Privatwirtschaft war er auch als Lehrbeauftragter für Grundbau und Fundationen und später Dozent für Umweltmediation tätig. Als ehemaliger Orientierungsläufer sind seine heutigen Hobbys Lesen, Wandern, Sport, Reisen. Aktiv ist er im lokalen Natur- und Vogelschutzverein sowie im Verein Kulturgeschichte.
«Ich habe Freude am Umgang mit Menschen und bin interessiert, auftauchende Probleme zu lösen. Aufgrund meiner Lebens- und Berufserfahrung habe ich mit 61 Jahren gute Voraussetzungen für das Friedensrichteramt», sagt er von sich selber. Für erfolgreiche Streitschlichtungen brauche es gründliches und verständnisvolles Anhören beider Seiten, damit auf sachlicher und rechtlich korrekter Basis möglichst einfache oder pragmatische Lösungsvorschläge auf den Tisch kommen, die akzeptiert werden können oder müssen. «Ich würde stets eine allfällige Versöhnung der Parteien anstreben», sagt Hofmann.



