Debattieren unter Zeitdruck
19.11.2019 Wohlen14. Wohler Jugendsession
Nach zwei intensiven Tagen übergaben die Jugendlichen dem Gemeinderat vier Anliegen.
Achtung – fertig – los: Nur gerade zehn Minuten pro Runde standen den Gruppen zur Verfügung, um über ein aktuelles ...
14. Wohler Jugendsession
Nach zwei intensiven Tagen übergaben die Jugendlichen dem Gemeinderat vier Anliegen.
Achtung – fertig – los: Nur gerade zehn Minuten pro Runde standen den Gruppen zur Verfügung, um über ein aktuelles Problem zu diskutieren. Danach hiess es: Tisch wechseln, neues Thema, neue Gruppe, neue Diskussion. Das «Speed Debating» stand als tolles Trainingsfeld im Mittelpunkt der Jugendsession. Höhepunkt war aber natürlich die Übergabe der Anliegen an die Gemeinde. --chh
Allen Grund, stolz zu sein
14, Wohler Jugendsession: Fast 60 Jugendliche und über 20 Erwachsene im regen Austausch
Vier konkrete Anliegen übergab der Jugendrat der Gemeinde. Paul Huwiler versprach, dass man diese Inputs ernst nehmen werde. Das dürfte aber gar nicht so einfach werden. Auch wenn es sich um durchaus realistische Wünsche handelt.
Chregi Hansen
«Back to the roots», also «zurück zu den Wurzeln» wollte der Jugendrat mit der diesjährigen Session. Man wollte den Anlass möglichst offen gestalten, kein Oberthema vorgeben und auch die Inputs der Teilnehmer berücksichtigen. Darum war die Spannbreite der diskutierten Themen und der vorgebrachten Anliegen riesig. Sie reichten vom Bau eines eigenen Escape-Rooms über buntere und farbigere Schulhäuser bis hin zu einem Tag der Freiwilligenarbeit in jedem Schuljahr.
Am Freitag wurden die Themen und Vorlagen in verschiedenen Gruppen intensiv diskutiert. Vier Anliegen wurden dem Gemeinderat dann am Samstag übergeben. Verbunden mit dem Wunsch um Umsetzung. So möchten die Jugendlichen mehr überdachte Plätze bei den Schulhäusern, speziell auch bei den Veloständern, ein offenes Gartenprojekt analog zur Region Baden, ein besseres Plastikrecycling in der Gemeinde sowie tiefere Preise in der Eishalle. Allerdings fordern die Jugendlichen nicht nur, sie haben sich zu jedem Anliegen auch Gedanken gemacht, was sie selber beitragen können zur Umsetzung.
Jährliche Durchführung bewährt sich
Paul Huwiler nahm am Schluss der Session die Anliegen entgegen. Er sprach von einem guten Timing. Gestern Montag wurde dem Gemeinderat das Schulhausprojekt Halde vorgestellt. «Da werden wir dem Aspekt der Überdachung und der Veloständer besondere Beachtung schenken», versprach er. Aber auch die übrigen Anliegen werde man ernst nehmen, fuhr er fort, auch wenn diese nicht ganz so einfach umzusetzen sind. Das betrifft besonders die Preise für den Eintritt und die Miete der Schlittschuhe im Schüwo-Park. Denn diese liegen nicht in der Kompetenz des Gemeinderates.
Huwiler zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Jugendlichen. «Die Qualität der Anliegen wird Jahr für Jahr besser», so seine Erfahrung. Der Jugendrat übernehme in Wohlen eine wichtige Funktion und sorge dafür, dass die Stimme der Jungen Gehör findet. «Sie schauen auch darauf, dass eure Anliegen nicht einfach in der Schublade verschwinden.» Der Entscheid, die Jugendsession jährlich durchzuführen, erweise sich als richtig, denn so ergebe sich eine grössere Kontinuität – viele Teilnehmer sind jedes Jahr wieder dabei. «Wir können stolz darauf sein, was wir hier entwickelt haben. Ich kenne keine andere Gemeinde, die das auch so macht», sagt Paul Huwiler.
Auch der Wohler Jugendarbeiter Gian Wiegner, der zum zweiten Mal die Jugendsession mitorganisiert hat, zeigt sich beeindruckt. «Wir hatten 59 Anmeldungen, das ist eine hohe Zahl. Und die Teilnehmer haben am Freitag intensiv, aber fair debattiert», sagte er. Er findet es wichtig, dass die Jungen schon früh positive Erfahrungen mit der Politik machen. Dass sie merken, wie man etwas bewirken kann. Aber auch, dass sie trainieren, wie man debattiert. «Jugendliche sind ein Teil unserer Gesellschaft, sie haben ein Anrecht darauf, ernst genommen und von uns Erwachsenen angehört zu werden», so Wiegner.
Debattieren lernen
Die Jugendsession selber ist dabei ein wichtiges Trainingsfeld. Beim so genannten Speed Debating diskutierten Jugendliche mit erwachsenen Politikern in sieben Runden à 10 Minuten über aktuelle Themen. Unter anderem über Vandalismus, Sexismus, Tierhaltung oder auch das Klima. Dabei entstanden viele spannende Gespräche zwischen Jung und Alt. Anwesend waren vier Gemeinderäte, mehrere Einwohnerräte, eine Schulpflegerin und auch anderweitig Interessierte. Und mit Ausnahme der SVP waren alle Parteien vor Ort.
Zuvor informierte Flavio Uhlig über das Urban-Gardening-Projekt im Raum Baden, welches den Wohler Jugendlichen als Vorbild dienen kann. Das Projekt startete vor fünf Jahren in Wettingen, wobei verschiedenen Paten Pflanzkisten und Setzlinge zur Verfügung gestellt werden. Die Kisten werden so platziert, dass sich jeder davon bedienen kann, wobei zu den Gemüsen auch noch gleich Rezepte mitgeliefert werden. Die Teilnehmer der Jugendsession würden gerne ein ähnliches Projekt in Wohlen starten, wobei der Auftakt in den verschiedenen Schulhäusern erfolgen könnte. Damit könnte das Gärtnern auch zum Bestandteil des Fachs Hauswirtschaft werden.
Wechsel im Jugendrat
Während die Jugendsession einmal jährlich stattfindet, trifft sich der Jugendrat viel öfters. Er ist sozusagen die Schnittstelle zwischen Gemeinde und den Jugendlichen. In diesem Jahr verlassen gleich drei langjährige Mitglieder den Rat: Präsident Lionel Zingg, Vizepräsidentin Aline Maggi und Anaïs Gärtner. Alle drei waren viele Jahre dabei, stehen aber jetzt vor beruflichen Veränderungen. Neu erhält der Jugendrat ein Co-Präsidium: Mentor Morina und Moritz Berger wurden einstimmig gewählt. Und interessierte Jugendliche haben nun die Möglichkeit, an einer Schnuppersitzung des Jugendrates teilzunehmen, damit die entstandenen Lücken möglichst schnell wieder gefüllt werden. Und der Rat auch in Zukunft der Gemeinde auf die Finger schaut.





