Allen Grund, stolz zu sein
12.11.2019 WohlenDas Festival Dreiraumkultur Plus bot dieses Jahr besonders viel Abwechslung
Dass an diesen zwei Abenden musikalisch viel geboten wird, das weiss man seit Jahren. Aber mit dem Duo Hoffnung+Kiwi präsentierten die Macher diesmal eine besondere Performance. Die beim ...
Das Festival Dreiraumkultur Plus bot dieses Jahr besonders viel Abwechslung
Dass an diesen zwei Abenden musikalisch viel geboten wird, das weiss man seit Jahren. Aber mit dem Duo Hoffnung+Kiwi präsentierten die Macher diesmal eine besondere Performance. Die beim Publikum gut ankam.
Chregi Hansen
«Das Publikum ist heute viel älter als gestern», stellte Moderator Christian «Döbs» Döbeli fest, als er den zweiten Abend des Dreiraumkultur Plus im Sternensaal eröffnete. Waren es am Freitag mehrheitlich jugendliche Musikfans, welche die Konzerte in der Kulturbeiz, im Piccadilly Pub und in der Plattform besuchten, kamen zum Auftritt von Hoffnung+Kiwi auch viele Stammgäste des Sternensaals.
Alle waren gespannt, was hier in den nächsten 60 Minuten auf der Bühne geboten wird. Denn viele Wohler hatten diesen Sommer die beiden Zuger Künstler Severin Hofer und Michel Kiwic kennengelernt, als sie eine Woche lang Ferien in Wohlen machten. Und dabei merkten, dass es offenbar komplett ungewöhnlich ist, an diesem Ort Urlaub zu machen. Im Rahmen des Dreiraumkultur Plus sollen sie nun über ihre Erlebnisse und ihre Erkenntnisse berichten. Doch wie sie das tun, blieb bis zuletzt ihr Geheimnis. «Wir wissen es selber nicht», sagten sie im Sommer noch.
Sie entschieden sich für einen Mix aus Lesung, szenischen Einlagen, Diashow und der Versteigerung von selbst gefertigten Wohler Souvenirs. Dabei wurde schnell klar: Den beiden Künstlern hat es gefallen in Wohlen. «Wir haben viele tolle Leute kennengelernt und spannende Geschichten gehört», zieht Kiwic am Schluss Bilanz. Und er fordert die Wohler zu mehr Selbstbewusstsein auf. Man habe durchaus etwas zu bieten und könne stolz sein auf das Dorf. «Es lohnt sich durchaus, hier Ferien zu machen», sind die beiden Zuger überzeugt.
Stolz sein können die Wohler aber auch auf die Macher des Festivals. Wo sonst ist es heute möglich, dass ein solch buntes Programm über zwei Abende und in vier Lokalen ausschliesslich von ehrenamtlichen Helfern aus dem Boden gestampft wird? Auch bei der elften Ausgabe hatte das Dreiraumkultur Plus wieder viel zu bieten – und funktioniert das Konzept noch immer. Und das, wie der Samstag bewies, nicht nur musikalisch.
An beiden Abenden beste Stimmung
11. Ausgabe des Dreiraumkultur plus zog wieder viel Publikum an
Zwar besuchten nicht ganz so viele Leute den Anlass wie bei der Jubiläumsausgabe im letzten Herbst, doch die Organisatoren sind trotzdem sehr zufrieden. «Wir haben viel positives Echo erhalten», sagt Remo Hofmann.
Chregi Hansen
Am Schluss war es gar nicht mehr so einfach, noch den Saal zu betreten. Beim letzten Konzert von «The Raw Soul» in der Plattform drängte sich das Publikum vor der Bühne zusammen und tanzte zu den sphärischen Klängen der Band. Und während in der Kulturbeiz und im Piccadilly Pub das grosse Aufräumen begann, feierten Macher und Besucher nach dem letzten Konzert einfach weiter.
«Für das Dreiraumkultur nimmt sich das Publikum Zeit», freut sich OK-Chef Remo Hofmann, der am Festival gleich noch Geburtstag feierte. Heisst: Die mehrheitlich jüngeren Besucher wollen nicht einfach Musik konsumieren und dann sofort wieder nach Hause, sondern sie freuen sich, auf viele bekannte Gesichter zu treffen und gemeinsam Spass zu haben. Und sie erhalten die Möglichkeit, ganz neuen Sound zu entdecken. Auch dieses Jahr wurde ein wunderbar bunter Teppich geknüpft, der für jeden Geschmack etwas bereithielt. Auch wenn der eine oder andere Faden vielleicht nicht ganz optimal verarbeitet war.
Das Sternensaal-Publikum zog nicht weiter mit
So wäre es vermutlich besser gewesen, nach dem theatralischen Auftritt von Kiwi+Hoffnung im Sternensaal als erstes den Müllmaa auftreten zu lassen. Der Luzerner Liedermacher hätte mit seinen handgestrickten «Liedli», seiner sparsamen Begleitung auf Ukulele und Schlagzeug sowie seinen teilweise tiefsinnigen und mehrdeutigen Texten vielleicht auch dem eher älteren Sternensaal-Publikum gefallen. Weil es aber zuerst in die Kulturbeiz ging, wo die «Music Monkeys» mit ihrem Mix aus Latino-Klängen und Ska tüchtig einheizten, machten die älteren Besucher den Weg nicht mehr mit – und diskutierten lieber noch etwas über die Performance der Zuger Künstler.
Diese hatten zum Auftakt des zweiten Abends in einer Art Tagebuch über ihren Ferienaufenthalt in Wohlen berichtet. Und ermöglichten damit dem Publikum die Aussensicht auf Wohlen. Das war unterhaltsam, stimmte aber auch teilweise nachdenklich – wenn Severin Hofer und Michel Kiwic berichten, wie sie sich an einem Abend auf die Suche nach den jungen Wohlern gemacht haben, aber nur auf ein paar Kiffer trafen.
Kiwi+Hoffnung haben sich auf sehr lustvolle und lustige Art mit Wohlen beschäftigt. So haben sie etwa das Andy-Hug-Denkmal mit Photoshop an weitaus prominentere Orte verpflanzt. Sie machten sich über den Strom in der Badi lustig und gingen der Sage um den Erdmannlistein auf den Grund. Mit ihrer offenen und neugierigen Art haben sie bei ihrem Aufenthalt schnell Kontakt geknüpft und viel Interessantes erfahren. Und bedankten sich am Schluss der Vorstellung artig für die Möglichkeit, hier Ferien zu machen.
Die Programmierung im nächsten Jahr überdenken
Es tut dem Dreiraumkultur plus gut, dass es sich nicht nur auf die Musik konzentriert. Trotzdem will sich das OK für die nächste Ausgabe gewisse Gedanken machen. Zum einen zeigte sich einmal mehr, dass das Pub – bei all seinem Charme – nur bedingt als Konzertlokal geeignet ist. Vorne ist es zu laut, hinten hört und sieht mannichts. Und in der Kulti waren gleich an beiden Abenden Bands mit reichlich Bläsern am Start – was entsprechend laut wurde. «Wir werden das Ganze genau analysieren», sagt Hofmann. Positiv ist zu vermerken, dass das Festival inzwischen viel Stammpublikum anzieht und beide Partys am Schluss der Konzerte viel Publikum anlockten. Auch war die Unterstützung durch 34 freiwillige Helfer wieder enorm. «Und die Stimmung war an beiden Abenden bestens, so macht es Spass», meint Hofmann.







