Von der Idee zum Gesamtwerk
18.10.2019 WohlenSarah Chaksad: Heute Freitag erscheint ihr neues Album – im November gastiert sie im Sternensaal
«Tabriz» heisst das neue Album des Sarah Chaksad Orchestra. Die Komponistin und Bandleaderin macht mit diesem Gesamtwerk auch einen Schritt zurück zu ihren ...
Sarah Chaksad: Heute Freitag erscheint ihr neues Album – im November gastiert sie im Sternensaal
«Tabriz» heisst das neue Album des Sarah Chaksad Orchestra. Die Komponistin und Bandleaderin macht mit diesem Gesamtwerk auch einen Schritt zurück zu ihren Wurzeln.
Daniel Marti
Sie wird auf ihrer neuen Tour in Paris spielen, in Graz, in Basel und auch in Berlin. Sarah Chaksad ist mit ihrer Big Band zur internationalen Grösse geworden. Sarah Chaksad Orchestra ist zumindest in Jazz-Kreisen ein Begriff. Ein gut und interessant klingender Begriff. Denn Sarah Chaksad legt Wert auf ganz viel Qualität, und die ist ihr mit der Top-Besetzung der Band auch sicher.
Idee ist lange gereift
Nach ihrem ersten Album «Windmond» hat sie sich weiterentwickelt. Und sich nun einen kleinen Traum erfüllt. Die Idee, ein Werk für ihre Big Band zu kreieren, trägt die 35-Jährige schon seit Jahren mit sich herum. «Es ist faszinierend, für so grosse Klangkörper die Musik zu schreiben.» Nun ist die Umsetzung bestens gelungen.
Nur: Ist es noch zeitgemäss, eine CD zu erarbeiten und herauszugeben? Ein Album sei immer noch eine wichtige künstlerische Form, erklärt sie. «Tabriz», so der Name des Albums, sei ein Gesamtwerk, eines mit einer Dramaturgie. «Und ja doch, im Moment lässt sich eine CD noch verkaufen. Vor allem an Konzerten, aber die Zahlen sind sinkend.»
«Tabriz» ist auch eine Art Liebeserklärung an ihre Familie in Wohlen. Ihr Vater stammt aus der gleichnamigen Stadt in Persien. Selbstverständlich wird sie mit ihrem neuen Album am 16. November im Sternensaal in Wohlen ein Konzert geben. Sarah Chaksad mit «Tabriz» im Sternensaal – das klingt vielversprechend.
Sie macht Musik zum Erlebnis
Die Wohlerin Sarah Chaksad und ihr Orchester gastieren mit ihrem neuen Album Mitte November im Sternensaal
Ihre Big Band ist in der Musikszene ein Markenzeichen. Nun lanciert die Wohler Musikerin mit dem Sarah Chaksad Orchestra ihre zweite CD. Für sie ein wichtiger Schritt hin zu ihren Wurzeln. Der Name des Albums «Tabriz» ist eine Referenz an die Herkunft ihres Vaters. Tabriz liegt im Iran.
Daniel Marti
Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich, USA. Die Musikerinnen und Musiker ihrer Band stammen praktisch aus der ganzen Welt. Sarah Chaksad Orchestra ist international. Mit Top-Besetzung. Trotzdem zieht es Sarah Chaksad immer wieder zurück nach Wohlen. Hier ist sie aufgewachsen, hier wohnen ihre Eltern. In Wohlen startete sie ihre musikalische Karriere, seit der Kanti widmet sie sich voll und ganz dem Jazz.
Album ist ein Riesenakt und wichtiger Schritt
Und nach Wohlen kommt sie immer gerne zurück. Am Samstag, 16. November, präsentiert Sarah Chaksad im Sternensaal ihr neustes Werk. Ab heute Freitag ist das Album «Tabriz» auf dem Markt. Die neue CD von Sarah Chaksad Orchestra wird bei Neuklang Records veröffentlicht – wie bereits ihr Erstlingswerk «Windmond».
Aufgenommen wurde das neue Album im vergangenen Winter. Entstanden sind acht Werke für ihr Jazz-Orchester. Im Vergleich zu «Windmond» hat rund um Sarah Chaksad eine Entwicklung stattgefunden. Ihre Big Band ist grösser und internationaler geworden. «Das neue Album ist für mich ein weiterer wichtiger Schritt», sagt sie, «und es spiegelt meine Arbeit der letzten zwei Jahre wider. Ich möchte mich stets weiterentwickeln und nie stehen bleiben. Und so ein Album ist ein Riesenakt mit ganz viel Arbeit.»
Modern, vielschichtig, berührend
Kommt hinzu, dass die Besetzung von Sarah Chaksad Orchestra zum Erfolg beiträgt. «Die Band ist modern, europäisch, vielschichtig, melodiös. Und die Bandmitglieder gestalten die Musik mit.» In ihren Stücken lässt es Sarah Chaksad zu, dass die Musiker ihre Interpretationsfähigkeiten voll ausschöpfen.
Und dies alles scheint zu greifen. So verteilte beispielsweise Steff Rohrbach, bekannt als Kulturjournalist und Initiant zahlreicher Kulturprojekte, dem Sarah Chaksad Orchestra beste Noten. Die aktuelle Besetzung «besticht durch eine Farbigkeit», schreibt er. Weiter streicht er «die vielschichtigen Songs» der Komponistin, Bandleaderin und Saxofonistin Chaksad heraus sowie ihre clever vertrackten Rhythmen zwischen treibenden Beats und feinen Balladen. «Alles zusammen lässt Sarah Chaksads Musik zum berührenden Erlebnis werden», so Rohrbach. Eine wunderbare Kritik eines Fachmanns.
Elternhaus, Kanti, Musik-Akademie in Basel
Alles nahm seinen Anfang im musikalischen Elternhaus in Wohlen. Im zarten Alter von neun Jahren wagte sie sich ans Saxofon. Warum ausgerechnet das Saxofon? Bereits als Fünfjährige habe sie dieses Instrument am TV gesehen. Und von da an war klar: «Das wollte ich auch können.»
In der Kanti Wohlen spielte sie – ist ja logisch – im Jazzensemble. Und hier entdeckte sie auch ihre grosse Leidenschaft fürs Komponieren. Es folgte Unterricht an der Jazzschule in Bern. Von 2008 bis 2013 studierte sie an der Musikhochschule FHNW / Musik-Akademie Basel Saxofon und schloss 2011 erfolgreich den Bachelorstudiengang und im Sommer 2013 den Masterstudiengang Musikpädagogik ab.
Durch das Studium an der Musikhochschule in Basel bot sich die Möglichkeit, in diversen Ensembles zu spielen. Sie wirkte auch bei diversen internationalen musikalischen Projekten mit. Im November 2012 gründete die Freiämterin das Sarah Chaksad Orchestra. Und so nebenbei flatterten regelmässig interessante Aufträge ins Haus Chaksad. Nur ein Beispiel: Für das Jazzfestival Frauenfeld 2018 hatte sie die Chance, ein Werk mit der weltberühmten New Yorker Komponistin und Bandleaderin Maria Schneider abzuschliessen.
Tabriz, die Stadt ihres Vaters im Iran
Die Grenzen zwischen Arbeit, Musik und Orchester sind fliessend. Die 35-Jährige arbeitet als freischaffende Künstlerin, Saxofonistin, Bandleaderin, Komponistin und Arrangeurin. Und sie leitet seit 2016 am Jazzcampus in Basel, zusammen mit Wolfgang Muthspiel, das in Europa einzigartige Programm «Focusyear». Dieses Pensum pendelt zwischen 50 und 75 Prozent. Der Jazzcampus Basel bietet für vieles beste Voraussetzungen: Hier kreuzen sich grosse Talente, die Schule ist sehr international. «Unter anderem dadurch konnte ich ein gutes Beziehungsnetz aufbauen.» Ein Netzwerk, das sie auch für ihr Sarah Chaksad Orchestra nutzen konnte.
Apropos Internationalität: Das neue Album von Sarah Chaksad heisst «Tabriz». Dies ist der Name einer historisch bedeutenden Stadt im Nordwesten Irans. Und aus Tabriz stammt ihr Vater. Ihre Eltern, die Mutter kommt aus dem Entlebuch, haben nach dem Sturz des Schahs von Persien den Iran verlassen. Aus Respekt vor der Geschichte ihres Vaters habe sie dem neuen Album diesen Namen gegeben, erklärt die Komponistin und Bandleaderin.
Mit «Tabriz» verbindet sie auch ihre Suche nach anderen Musik-Stilrichtungen. Deutlich ist dies beim Stück «Mehamn» mit der norwegischen Trompeterin Hildegunn Øiseth und ihrem markanten Ziegenhorn zu hören. «Dieses Instrument erinnert mich an persische Volksmusik», so Sarah Chaksad. Somit ist ein weiterer Bezug zu ihrem Vater hergestellt. Sie macht somit auch einen Schritt «zurück zu meinen Wurzeln».
Inspirationsquelle
Höhepunkt des neuen Albums ist und bleibt das gleichnamige Stück «Tabriz». Das Titelstück mit dem weltberühmten Gitarristen Wolfgang Muthspiel als Gastsolist setzt laut Musikexperten dem Album die Krone auf.
Mit Muthspiel ist sie auch am Jazzcampus in Basel tätig. Die Stadt am Rheinknie ist zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden. Und zur Jazz-Hochburg. «In Basel habe ich studiert, dort bin ich hängen geblieben», blickt sie zurück. Zum Glück. Denn die Jazzschule in Basel sei einzigartig. Etliche Weltstars sind dort anzutreffen. «Basel und die Jazzschule sind für mich die grosse Inspirationsquelle.» Die auch die Basis ist für den steten Aufstieg der Musikerin aus Wohlen.
Bei aller Bescheidenheit: In der Schweiz gibt es nur eine Frau, die eine Big Band auf diesem hohen Niveau leitet: Erraten, Sarah Chaksad, die Wohlerin, die am 16. November in den Sternensaal kommen wird.
Sternensaal: Schöner und wichtiger Ort
Beim Namen dieser Lokalität leuchten ihre Augen: «Mit dem Sternensaal und den Menschen vom Sternensaal fühle ich mich sehr verbunden.» Das sei einfach eine spezielle Bindung, die unter anderem auch durch die Theaterproduktion mit dem Verein Begorra entstanden ist. Wichtige Freundschaften mit der Präsidentin Eva Keller, mit Hans Melliger, und natürlich mit Sänger Peter Meyer, mit dem sie auch eine musikalische Freundschaft verbindet. Seit sie von Wohlen weggegangen ist, nach der Kanti-Zeit, ist Chaksad immer wieder bei ihren Eltern zu Besuch. Und auch im Sternensaal. Deshalb wird dieser Auftritt für sie und ihr Sarah Chaksad Orchestra ganz speziell. «Der Sternensaal ist ein schöner Ort, er ist nicht zu klein, nicht zu gross.» Jeder Raum klingt anders, akustisch werde auch «dieser so wichtige Ort für Wohlen» funktionieren. Sie freut sich auf jeden Fall riesig: «Der Sternensaal ist magisch.»
Die aktuelle Tour wird das Sarah Chaksad Orchestra an zwölf Ortschaften in vier Ländern führen: Basel, Luzern, Bern, Graz, Paris, Freiburg und Berlin sind Stationen. Mittendrin spielt der Wohler Sternensaal mit. Ehrensache für Sarah Chaksad.



