Verlust von Zeit und Ort
22.10.2019 WohlenVernissage zur Ausstellung von Nicolas Witschi in der Bleichi
Das Interesse war gross. Sowohl an den Werken des Künstlers wie auch an den ehemaligen Räumen des Bauamtes in der Bleichi. Diese eignen sich bestens als Ort der Kultur. Und bieten dem vielfältigen ...
Vernissage zur Ausstellung von Nicolas Witschi in der Bleichi
Das Interesse war gross. Sowohl an den Werken des Künstlers wie auch an den ehemaligen Räumen des Bauamtes in der Bleichi. Diese eignen sich bestens als Ort der Kultur. Und bieten dem vielfältigen Schaffen von Nicolas Witschi den idealen Rahmen.
Chregi Hansen
Luigi Montanarini, Werner Sommer und Heidi Isler: Gleich drei der letzten fünf Ausstellungen der Wohler Kunstkommission waren bereits verstorbenen Künstlern gewidmet. «Die alten Meister soll man ehren. Aber als Hauptaufgabe sehen wir die Förderung von jungen Künstlern aus der Region. Ihnen wollen wir eine Plattform bieten», erklärte Hans Furter, der Präsident der Kommission, an der neusten Vernissage.
Wenn Steine auf Reisen gehen
Da passt Nicolas Witschi bestens ins Schema. Der 30-Jährige ist zwar im Wallis aufgewachsen und hat in Luzern studiert, er arbeitet aber als Lehrer an der Bez Wohlen und hat inzwischen auch seine Wohnung und sein Atelier hier. Und er hat sich trotz seines jungen Alters bereits einen Namen gemacht in der Kunstszene. So hat Witschi diesen Sommer ein internationales Stipendium am Künstlerhaus Speyer erhalten. Reinhard Ader, der Vorsitzende des Künstlerbundes Speyer, nahm jetzt gar den Weg nach Wohlen auf sich, um an Witschis neuer Ausstellung teilzunehmen. «Es ist eindrücklich zu sehen, wie Steine, die Millionen Jahre in Speyer lagen, jetzt hier in ganz neuer Form präsentiert werden», sagt er.
Aus Schwerem wird Leichtes
Ader zeigt sich begeistert von der Arbeit Witschis. Indem dieser Steine sammelt und sie bis in ihre ursprünglichen Pigmente zerstört, spielt der Künstler eigentlich mit Zeit und Ort. Denn Steine sind Boten aus der Vergangenheit und enthalten Spuren des Ortes, von dem sie stammen. In Witschis Werken wird dieser Verlust von Zeit und Ort aber wieder wettgemacht, indem durch die so gewonnenen Pigmente spannende Kunstwerke entstehen. Furter spricht in diesem Zusammenhang von einem schon fast archaischen Vorgehen des Künstlers.
Eng vertraut mit der Arbeit von Nicolas Witschi ist Silvia Henke, die als Professorin für Kulturtheorie an der Hochschule Luzern die Masterarbeit des Künstler betreut hat. Sie sieht bei Witschis Jagd nach Steinen zwei Antriebe. Zum einen verbindet er sich durch das Sammeln von Steinen mit Orten. Zum anderen gehe es ihm darum, aus den grossen, schweren und kraftvollen Gesteinen etwas Leichtes und Heiteres zu erschaffen. Zuvor steht die sehr schweisstreibende Arbeit, die Steine in Farbpigmente zu verwandeln. «Beim Betrachten der Bilder, Reliefs und Installationen sollte man immer daran denken, welche Arbeit dahintersteckt», so Henke.
Beweis erbracht
Die Professorin wies auch darauf hin, dass Steine immer auch eine Geschichte erzählen. «Seine Arbeiten haben stets einen Bezug zu den Bergen und Landschaften, von wo das Ursprungsmaterial stammt», erklärte sie. Als zweites wichtiges Mittel setzt der Künstler Kunstharz ein, um die Pigmente zu binden. «Dieser Lack ist aber mehr als Bindemittel. Er sorgt für den Glanz, den viele Steine je nach Lichteinfall in sich tragen. Witschi gibt ihnen sozusagen ihren Glanz zurück.»
Diesen besonderen Glanz hat der junge Wohler Künstler noch verstärkt, indem er seine Werke auf ganz unterschiedliche Art beleuchtet. «Er hängt nicht nur seine Bilder auf, er hat die vielen Räume hier ganz unterschiedlich eingerichtet», freut sich Furter. Witschi hat damit bereits deutlich gemacht, wie gut sich dieser Teil der alten Bleichi als Kulturzentrum nutzen lässt.
Den zweiten Beweis lieferte Markus Kühne, der die Vernissage musikalisch umrahmte und dessen Saxofonklänge durch die grossen Räume hallten. «Unser Wunsch nach einem Ort der Kultur ist deponiert, der zuständige Gemeinderat ist heute hier, gerne führen wir die Diskussion weiter, was mit diesen Räumen passiert», so Furter zum Schluss.




