Spannendes Rennen zu erwarten
04.10.2019 WohlenAm 20. Oktober findet im Aargau auch eine Ersatzwahl in den Regierungsrat statt mit fünf Kandidaten
Nach dem abrupten Rücktritt von Franziska Roth braucht der Kanton einen neuen Vorsteher oder eine neue Vorsteherin des Gesundheitsdepartements. Neben dem Wohler ...
Am 20. Oktober findet im Aargau auch eine Ersatzwahl in den Regierungsrat statt mit fünf Kandidaten
Nach dem abrupten Rücktritt von Franziska Roth braucht der Kanton einen neuen Vorsteher oder eine neue Vorsteherin des Gesundheitsdepartements. Neben dem Wohler Jean-Pierre Gallati gibt es vier weitere valable Kandidaten.
Chregi Hansen
Die Parteien sind gefordert. Dass die Ersatzwahl in den Regierungsrat auf den gleichen Termin gelegt wurde wie die nationalen Wahlen, das passt nicht allen. Aber anderseits steht das Department für Gesundheit jetzt schon länger ohne eigenen Vorsteher oder Vorsteherin da, nachdem Franziska Roth (SVP) im Sommer ihren Rücktritt erklärt hat und so auf die anhaltende Kritik an ihr und ihrer Arbeit reagiert hat.
Zweiter Wahlgang zu erwarten
Und so bestimmen die Aargauer und Aargauerinnen am 20. Oktober nicht nur, wen sie nach Bern schicken, sondern sie wählen auch ein weiteres Mitglied der Regierung. Wobei: Dass einer der fünf Kandidaten und Kandidatinnen bereits im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreicht, daran glaubt niemand. Schliesslich haben fünf Parteien je einen Kandidaten oder eine Kandidatin nominiert. GLP, Grüne, FDP, SP und SVP treten zu dieser Ersatzwahl an, die CVP, die BDP und die EVP haben hingegen auf eine Nomination verzichtet. Aber auch so kündigt sich ein spannendes Rennen an.
Als einziger Freiämter tritt Jean-Pierre Gallati, der Fraktionschef der SVP, zur Wahl an. Aus diesem Grund erhält er einen Heimvorteil – mit einem grösseren Interview in dieser Zeitung. Doch wer sind seine Konkurrenten um den Sitz in der Regierung?
Doris Aebi: «Die Frau in der Mitte»
Für die GLP tritt die bisher eher wenig bekannte Doris Aebi an. Sie ist verheiratet, zweite Mutter von vier erwachsenen Kindern und lebt in Schöftland. Sie hat Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Politische Wissenschaften studiert und ist Gründerin und Geschäftsführerin eines eigenen Unternehmens, welches sich auf die Suche und Evaluation von Führungskräften und Verwaltungsräte spezialisiert hat.
Aebi war vor ihrem Umzug in den Aargau während zweier Legislaturperioden Mitglied des Solothurner Kantonsrats sowie des Solothurner Wirtschaftsrats. Sie sieht sich selber als Kandidatin der politischen Mitte, die jenseits von Links-Rechts-Positionen mehrheitsfähige Lösungen herbeiführen kann. Ihr klares Ziel ist es, die Kosten zu senken und nicht umzuverteilen. Als ihre Stärken bezeichnet sie ihre Unabhängigkeit und ihre Erfahrung, mit Fachleuten aus unterschiedlichsten Gebieten sowie mit Interessengruppen und Politikerinnen und Politikern auf Augenhöhe zu verhandeln.
Yvonne Feri: «Fair und klar»
Besser bekannt im Aargau ist sicherlich die Kandidatin der SP. Yvonne Feri politisiert seit fast acht Jahren als Nationalrätin in Bern. Nach einer kaufmännischen Lehre war sie in verschiedenen Bereichen tätig, etwa bei der Unia, beim Hilfswerk Terre des Femmes und beim Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ZLV. Heute konzentriert sie sich auf ihr eigenes Unternehmen, welches im Personalund Organisationsbereich tätig ist.
Feri hat bereits 2016 für den Regierungsrat kandidiert. Ihre Motivation für dieses Amt sei heute noch höher als vor drei Jahren. Sie habe grosse Lust und bringe viel Energie mit, um die misslichen Umstände im Departement für Gesundheit und Soziales aufzuräumen. Der Aargau brauche ein bezahlbares, funktionierendes Gesundheitssystem für alle. Ihr Rezept: Spielräume orten, innovative (Pilot-)Projekte starten, Überangebote reduzieren, das Richtige am richtigen Ort anbieten.
Jeanine Glarner: «Ja, ich will!»
Die dritte Frau im Rennen und jüngste Kandidatin ist Grossrätin und Gemeinderätin Jeanine Glarner von der FDP. Sie hat allgemeine Geschichte, Wirtschaftsw issenschaften und Schweizer Geschichte an der Universität Zürich studiert und ist heute in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Schweizerischen Ärzteverbands in Bern zuständig. Sie lebt in Möriken-Wildegg, wo sie auch aufgewachsen ist.
Aufgrund ihres beruflichen und politischen Werdegangs sind ihr verschiedene politische Themen vertraut. Als Stiftungsrätin der Klinik für Suchttherapie und durch das berufliche Engagement bei der FMH kennt sie das Gesundheitswesen und seine Komplexität. Für die wettbewerblichen Elemente der neuen Spitalfinanzierung steht sie ein. Den zunehmenden Regulierungsdrang von Bund und Kanton lehnt sie hingegen ab. Konkret fordert Glarner kostendeckende Tarife für die ambulanten medizinischen Leistungen, damit die ambulante Versorgung weiter gestärkt werden kann.
Severin Lüscher: «Am Puls der Aargauer Menschen»
Anspruch auf den Sitz erheben auch die Grünen. Und haben mit Severin Lüscher einen studierten Mediziner nominiert. Lüscher ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, er arbeitet als Hausarzt, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und ist Partner am HausÄrzteHaus in Schöftland. Seit 2015 ist er zudem Mitglied des Grossen Rates des Kantons Aargau in der Fraktion der Grünen und befasst sich schwergewichtig mit Gesundheits- und Sozialpolitik. Zudem ist er wie auch Jean-Pierre Gallati Mitglied der Gesundheitskommission.
Sein Ziel ist, alles, was im Gesundheitsdepartement unerledigt auf dem Tisch liegt, zu einem guten Ende zu führen. Zusammen mit allen politischen Kräften. Mit seinem Vorwissen und der Vorbildung als Kommissionsmitglied, Gesundheitspolitiker und als politisch aktiver Arzt könne er als Regierungsrat wesentlich dazu beitragen, dass innert nützlicher Frist gute Lösungen vorliegen, ist Lüscher überzeugt.
Doris Aebi, Yvonne Feri, Jean-Pierre Gallati, Jeanine Glarner und Severin Lüscher. Drei Frauen und zwei Männer. Fünf Parteien aus dem gesamten politischen Spektrum. Aber nur ein Sitz. Für Spannung ist also gesorgt. Eine Entscheidung bereits am 20. Oktober ist aber nicht zu erwarten.




