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15.10.2019 WohlenGleich drei Personen kandidieren für den frei werdenden Sitz als Friedensrichter im Kreis VI
Im Moment dominieren die eidgenössischen und kantonalen Wahlen die Schlagzeilen. In gut einem Monat findet im Bezirk Bremgarten ein weiterer Wahlgang statt. Im Kreis VI ...
Gleich drei Personen kandidieren für den frei werdenden Sitz als Friedensrichter im Kreis VI
Im Moment dominieren die eidgenössischen und kantonalen Wahlen die Schlagzeilen. In gut einem Monat findet im Bezirk Bremgarten ein weiterer Wahlgang statt. Im Kreis VI (Wohlen und Umgebung) wird ein neuer Friedensrichter gesucht. Der Sitz scheint durchaus begehrt zu sein. Allerdings nur bei den «Auswärtigen».
Chregi Hansen
Mit 70 Jahren ist Schluss. Das Amt des Friedensrichters darf man nur bis zur Vollendung des 70. Altersjahres ausüben. Darum tritt Yves Polin aus Dottikon zurück. Er ist einer von drei Friedensrichtern im Kreis VI, der die Gemeinden Büttikon, Dottikon, Fischbach-Göslikon, Hägglingen, Niederwil, Sarmenstorf, Tägerig, Uezwil, Villmergen und Wohlen umfasst.
Nächstes Jahr wieder Wahlen
Erstaunlicherweise wurden für diese Wahl gleich drei Kandidaten gemeldet. Das war so nicht unbedingt zu erwarten. Da Yves Polin von der FDP nominiert war, hat die Bezirkspartei den Lead bei der Suche nach einem Nachfolger übernommen. Vorerst aber ohne Erfolg, wie Präsident Edwin Riesen berichtet. «Viele der Angefragten haben zwar durchaus Interesse, können den Aufwand aber nicht leisten. Kommt dazu, dass nächstes Jahr die ordentlichen Wahlen stattfinden», erklärt er.
Ehemalige Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf steigt ins Rennen
Im eigenen Kreis wurde Riesen nicht fündig. Dafür interessiert man sich offenbar ausserhalb der Region Wohlen für dieses Amt. Gleich drei Anmeldungen gingen für die Ersatzwahl ein. Zwei der Bewerber wohnen im anderen Kreis des Bezirks Bremgarten, die dritte Person stammt aus dem Bezirk Muri. «Das ist schon speziell. Aber durchaus legitim», betont Riesen. Interessant wird die Wahl auch darum, weil die FDP mit Isabelle Wipf aus Hermetschwil-Staffeln eine Bezirksgerichtspräsidentin ins Rennen schickt. «Wir haben abgeklärt, ob das möglich ist. Und es spricht nichts dagegen», erklärt der Präsident der Bezirkspartei.
Sie ist denn auch die bekannteste der drei Kandidaten. «Ich habe das Amt als Bezirksgerichtspräsidentin während 26 Jahren mit Freude ausgeübt. Und ich habe immer gesagt, dass ich nach meiner vorzeitigen Pensionierung gerne weiter in einem kleineren Pensum tätig sein möchte», sagt sie zu ihrer Motivation. Dass sie zuvor Richterin war, empfindet sie als Vorteil. «Auch der Richter versucht in Zivilsachen, die Parteien gütlich zu einigen. Nur wenn dies nicht gelingt, fällt er ein Urteil», sagt sie. Und: «Ich bin mit der Materie und dem Verfahren bestens vertraut.»
Dass sie nicht im gleichen Kreis wohnt, in dem sie nachher tätig wäre, empfindet sie sogar eher als Vordenn als Nachteil. «Ich müsste sicher weniger in den Ausstand treten, weil ich eine Verfahrenspartei persönlich kenne und eventuell befangen wäre», so Wipf. Zudem wohne sie immerhin im gleichen Bezirk und kenne die Gemeinden des Kreises VI und die Gepflogenheiten bestens.
Parteiloser Ingenieur und Berater vom Mutschellen
Auch Andreas Hofmann aus Oberwil-Lieli sieht keinen Nachteil darin, nicht in der Region Wohlen zu leben. «Die Verkehrswege im Bezirk Bremgarten sind kurz. Auch habe ich keine beruflichen und verwandtschaftlichen Beziehungen im Wahlkreis», sagt der 61-Jährige. Er hat sich gemeldet, weil er mitbekommen hat, dass die Suche nach Kandidaten schwierig war. «Da meine selbstständige Ingenieur- und Beratertätigkeit es zeitlich zulässt, stelle ich mich für dieses wichtige Nebenamt zur Verfügung. Ich habe Freude am Umgang mit Menschen und bin interessiert, auftauchende Probleme zu lösen.»
Hofmann tritt ohne Partei im Rücken an. «Ich bin parteipolitisch unabhängig, mir ist der Mensch als Mitmensch und Bürger wichtig», sagt er dazu. Sich selbst würde er als eher konservativ einschätzen. «Auch bin ich überzeugt vom Subsidiaritätsprinzip, das heisst, Probleme sollen auf möglichst tiefer Ebene gelöst werden», fügt er an.
Unternehmerin aus dem Nachbarbezirk
Als dritte Kandidatin bewirbt sich Margrit Hard aus Muri um das Amt als Friedensrichterin im Kreis VI. Auch wenn sie überzeugt ist, dass die Parteizugehörigkeit für diese Aufgabe nur eine untergeordnete Rolle spielt, so bekennt sie sich eindeutig zur SVP, «weil es die einzige Partei ist, welche sich für eine freie Schweiz und den Erhalt der direkten Demokratie einsetzt».
Die 55-Jährige hat durch ihre jahrelange Tätigkeit als Wohnungsabnehmerin und Mängelberaterin viel Erfahrung im Schlichten und Verhandeln. Erfahrung, die sie nun gern in das neue Amt einbringen will. Dass sie aus einem anderen Bezirk stammt, sieht die selbstständige Unternehmerin nicht als Hindernis an, im Gegenteil. «Für Personen in diesen Gemeinden sehe ich es auch als Vorteil, wenn der Schlichter nicht ortsansässig ist, denn man möchte diesem vielleicht nicht zwingend täglich begegnen. Ausserdem ist es für die beteiligten Parteien oft leichter, jemand aussenstehendem persönliche Dinge anzuvertrauen», ist sie überzeugt. Zudem habe sie in ihren jetzigen Tätigkeiten tagtäglich mit den Gemeinden dieses Kreises zu tun.
Derzeit sind im Kreis VI mit Yves Polin aus Dottikon, Beatrice Suter aus Villmergen und Bernhard Taesch ler aus Sarmenstorf drei Friedensrichter tätig, die alle auch in diesem Kreis leben. Dies also wird sich definitiv ändern. Welcher der drei Kandidierenden den Vorzug erhält, entscheiden die Stimmbürger am 24. November.



