Aller Anfang ist schwer
29.10.2019 WohlenAm 1. Herbstbummel des Wohler Gewerbes beteiligten sich 25 Geschäfte
In Zeiten des Internets tut sich der Fachhandel schwer. Das spüren auch etliche Geschäfte in Wohlen. Mit einem gemeinsamen Auftritt machen sie Werbung für sich und den Standort Wohlen. ...
Am 1. Herbstbummel des Wohler Gewerbes beteiligten sich 25 Geschäfte
In Zeiten des Internets tut sich der Fachhandel schwer. Das spüren auch etliche Geschäfte in Wohlen. Mit einem gemeinsamen Auftritt machen sie Werbung für sich und den Standort Wohlen. Das kommt bei den Kunden an. Falls sie es überhaupt merken.
Chregi Hansen
Samstagnachmittag in Wohlen. Wie immer drängen sich die Autos durch die Zentralstrasse. In den Schaufenstern locken Plakate mit Halloween-Aktionen und Mid Season Sales. Aus der Zanzibar erschallt laute Musik und vermischt sich mit dem Autolärm. Und fast etwas versteckt macht in diversen Läden ein Aushang auf den ersten Wohler Herbstbummel aufmerksam.
«Sieh mal, das ist ja heute», sagt ein Passant zu seiner Frau. Sie bleiben kurz stehen, studieren den Zettel, gehen dann aber weiter. Noch ist der Herbstbummel kein Event, den jeder kennt und der die Massen anlockt. Kommt dazu, dass sich nur vereinzelte Geschäfte beteiligen und für den Kunden nicht immer erkennbar ist, wer mitmacht und wer nicht. Nur wenige machen auf der Strasse prominent Werbung für den Anlass – bei vielen hängt einfach ein Plakat im Schaufenster.
Durch Kundenfreundlichkeit punkten
Eine, die auffällt an diesem Tag, ist Gisela Maranta vom gleichnamigen Kleidergeschäft. Eine Freundin steht kostümiert vor dem Laden und verteilt Flugblätter. Maranta findet den Herbstbummel eine gute Sache. «Das Projekt steckt zwar noch in den Babyschuhen, aber es ist toll, dass in Wohlen etwas geht», sagt sie. Im Laden stehen Kaffee und Kuchen für die Kunden bereit. «Als Kleidergeschäft haben wir es schwer gegen die billige Online-Konkurrenz», sagt Maranta. «Wir müssen uns abheben durch unsere Kundenfreundlichkeit und unsere Service- und Zusatzleistungen.»
Kommt erschwerend dazu, dass die Strukturen in Wohlen für die Gewerbler nicht optimal sind. Vor ihrem Laden stauen sich einmal mehr die Autos. «Was soll man machen, wir können die Zentralstrasse ja nicht sperren», sagt sie. Sie hofft, dass die Aktion «Ech poschte z Wohle» eine Fortsetzung erlebt. «Es braucht Durchhaltewillen, damit so etwas zu einem Erfolg wird», sagt Maranta. Aber sie ist überzeugt, dass das nächste Mal noch mehr Geschäfte dabei sind.
Aufwand lohnt sich
Zu den Initianten des Events gehört Nicole Wey von Grottinodellascarpa. Im Sommer haben sich die Geschäfte erstmals zu einem solchen Einkaufs-Erlebnis-Tag zusammengetan. «Damals war es fast zu heiss. Diesmal läuft es super», berichtet sie, während sie ihren Kunden Weisswürste und Bretzeln serviert. Sie ist überzeugt, dass sich der ganze Aufwand lohnt. «Nicht jeder, der vorbeikommt, kauft auch etwas. Aber vielleicht tun sie es beim nächsten Mal», erklärt sie.
Sie freut sich, dass diesmal bereits 25 Geschäfte mitmachen. «Unser Ziel ist, dass wir zwei- bis dreimal pro Jahr eine gemeinsame Aktion auf die Beine stellen», so Wey. Aber es brauche eben Zeit, bis sich der Event etabliere. Aufgeben kommt für sie aber nicht infrage. Es sei wichtig, sich bei den Kunden immer wieder in Erinnerung zu rufen. Für den eigenen Kleiderladen hat es genützt. «Am Freitagabend hatte ich bis 21 Uhr Kunden im Laden», berichtet sie. Und auch an diesem Samstag ist die Stimmung bestens. In ihrem Laden lassen es sich die Kunden jedenfalls gut gehen.
Gemeinsam geht es besser
«Es ist schön, dass in Wohlen etwas läuft», sagt auch Brigitte Kunz, Vorstandsmitglied des Hagewo. Zusammen mit ihrem Mann Urspeter ist sie an diesem Tag im Zentrum unterwegs und macht in verschiedenen Läden halt. «Wohlen bietet für den Einkauf viel», ist sie überzeugt. Dass die Unternehmen sich zusammentun, findet sie daher gut. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark.
Wohlen attraktiver machen
Während die Aktion rund um den Manor recht gut ankommt, ist es an der Bahnhofstrasse viel ruhiger. Hier beteiligt sich nur gerade ein Geschäft am Herbstbummel: Maranta & Renckly Optik. «Wir leben weniger von der Laufkundschaft als andere. Aber wir finden es wichtig, bei dieser Aktion dabei zu sein», sagt Nadine Stöckli. Dazu wurde mitten im Laden eine feine Kürbissuppe gekocht und vor dem Laden den Passanten angeboten. Der grosse Run blieb zwar aus. Aber Stöckli ist überzeugt: Es braucht Anstrengungen durch die Läden, damit das Wohler Zentrum attraktiver wird. «Es geht nicht darum, dass wir heute etwas verkaufen. Aber durch das Mitmachen wissen die Passanten, dass es uns gibt. Und dann kommen sie das nächste Mal vielleicht zu uns, wenn sie eine Brille benötigen», sagt Stöckli. Und darum hofft sie auf eine Wiederholung. «So etwas braucht einfach Zeit, damit es wachsen kann und irgendwann eine Tradition wird.»



