Wo aus Stein Kunst wird
17.09.2019 Region UnterfreiamtNationaler Steinbruchtag – auch in Dottikon
Am ersten Steinbruchtag nahm auch die Firma Emil Fischer AG Dottikon teil und lud in den Steinbruch nach Hendschiken.
Er ist ein Urmaterial. Und dennoch gehört er zu den wichtigsten Materialien ...
Nationaler Steinbruchtag – auch in Dottikon
Am ersten Steinbruchtag nahm auch die Firma Emil Fischer AG Dottikon teil und lud in den Steinbruch nach Hendschiken.
Er ist ein Urmaterial. Und dennoch gehört er zu den wichtigsten Materialien überhaupt: der Stein. Am nationalen Steinbruchtag öffneten 17 Firmen in der Schweiz ihre Tore. Auch die Firma, die schon Gestein für das Bundesgericht in Lausanne sowie für Bauten an der Zürcher Bahnhofstrasse und am Paradeplatz lieferte, liess neugierige Besucher hinter ihre Kulissen schauen. Ein Einblick in die Emil Fischer AG Dottikon. --red
Kunst, die Generationen überdauert
Erster nationaler Steinbruchtag: Dottiker Firma öffnet ihre Tore
Erstmals in der Schweiz wurde am Samstag ein nationaler Steinbruchtag durchgeführt. Einer von 17 landesweiten Schauplätzen dieser Aktion war der Steinbruch der Firma Emil Fischer AG, Dottikon, in Hendschiken. Hier konnten sich Interessierte ein Bild über die Kunst des Steinmetzes machen.
Ziel dieser Aktion war es, das Interesse der Schweizer Bevölkerung für das vielfältige Produkt Naturstein zu wecken. Die zahlreich erschienenen Interessierten hatten den Gang zum Hendschiker Steinhof nicht zu bereuen, konnten sie doch vieles über dieses Urmaterial, dessen Gewinnung und Verarbeitung erfahren. Stein war immer ein beliebter Baustoff und wird es zweifellos auch bleiben. Die Vielfältigkeit der Steinprodukte ist gross und erfreut sich zeitloser Beliebtheit.
Der Aargau unter Wasser
Mit Rundgängen und Besichtigungen der Abbaustellen und verschiedener Arbeitsplätze konnte man sich ein richtiges Bild von der Arbeit des Steinmetzes, dem weltweit wohl ältesten Handwerk, machen. Der weitherum bekannte Steinbruch der Emil Fischer AG ist einer der grössten dieser Art in der deutschsprachigen Schweiz. Er wird heute von Roger Leuenberger, Tillmann Egger und Rolf Wirz geleitet. Roger Leuenberger bemühte sich als mitbeteiligter Geschäftsinhaber und Geschäftsführer, den Gästen auskunftsfreudig das Unternehmen und dessen Arbeit zur Gewinnung und Verarbeitung des Mägenwiler Muschelkalksteins näherzubringen: «Vor Millionen von Jahren war hier ein Meer, in dem Haifische gelebt haben. Man hat gar Haifischzähne gefunden. Das Meer hinterliess grössere Mengen von Sand und Reste von Muschelschalen, woraus der Sandstein und der Muschelkalk entstanden sind, die heute abgebaut werden», berichtet Leuenberger.
Zur Gewinnung von Steinplatten oder Steinblöcken wird Loch für Loch mit Eisenstangen in das Gestein gebohrt, vorauf die Masse abgelöst werden kann. Je nach Gewicht wird diese per Kran oder Lastfahrzeug zur Verarbeitung, vorerst zur Steinsäge, gebracht. Der Stein wird anschliessend vom Steinmetz bearbeitet. Der Arbeitsplatz ist während des ganzen Jahres draussen. Als Bohrmaschine dient ein Modell aus dem Jahre 1984, das in sechs Minuten ein Loch zu bohren vermag. Diese Bohrmaschine ist täglich im Einsatz. Eine vor kurzer Zeit angeschaffte zweite Bohrmaschine, die im Gegensatz zur Vorgängerin als mittelschweres Gerät bezeichnet wird, erbringt nicht dieselbe Leistung, trotz langjähriger Forschung. «Die Bohrmaschine von 1984 ist das beste Abbaugerät, das wir haben», so Roger Leuenberger.
Seit mehr als 100 Jahren
Die ersten Abbrüche fanden in Mägenwil statt, daher die Bezeichnung Mägenwiler Muschelkalk. Der weitherum bekannte Emil Fischer aus Dottikon, dessen Name die Firma noch heute zeichnet, übernahm 1906 die Steinbrüche in Mägenwil von Verwandten. Er baute den Betrieb zu einem konkurrenzfähigen Unternehmen aus. Es entstand ein neues Zeitalter. Die Betriebserweiterung auf den heutigen Umfang fand 1945 statt. Das Unternehmen lieferte Gestein für imposante Gebäude wie das Bundesgericht in Lausanne sowie für Bauten an der Zürcher Bahnhofstrasse und am Paradeplatz.
Die Vielfalt der Steinbearbeitung ist breit. Seien es Brunnen, Waschtröge, Fenstersimse, Fassadenabdeckungen wie auch jegliche Arbeiten für Zierwerk, für Innenausstattungen, an privaten oder öffentlichen Bauten. Die 28 Mitarbeiter des Unternehmens, davon 15 Steinmetze, unter ihnen eine Frau, erfüllen mit ihren künstlerischen Talenten verschiedene Kundenwünsche. Was den erfahrenen Spezialhandwerkern auch am Herzen liegt, sind Restaurierungen und die Erhaltung von oft jahrhundertealter Handwerkskunst an Monumenten und Gebäuden. Für Nachwuchs in der Steinhauerkunst wird gesorgt durch die Ausbildung von Lehrlingen. Derzeit werden drei junge Leute in vierjährigen Lehren mit dem anspruchsvollen Rüstzeug des angehenden Steinmetz ausgestattet. Max Kohli wurde dieses Jahr als junger Steinmetz gar Schweizer Meister und nahm an den Berufsweltmeisterschaften im russischen Kazan teil, wo er eine Auszeichnung erhielt. --tre



