Wie Helden gefeiert
03.09.2019 SarmenstorfEmpfang der Eidgenossen
Die Gemeinden Aristau und Sarmenstorf empfangen «ihre» Eidgenossen mit einem grossen Fest.
Es dauerte nicht lange, bis sich die Gemeinden Sarmenstorf und Aristau beim Schwingclub Freiamt meldeten. «Beide wollten einen ...
Empfang der Eidgenossen
Die Gemeinden Aristau und Sarmenstorf empfangen «ihre» Eidgenossen mit einem grossen Fest.
Es dauerte nicht lange, bis sich die Gemeinden Sarmenstorf und Aristau beim Schwingclub Freiamt meldeten. «Beide wollten einen Empfang für unsere Eidgenossen durchführen», sagt Präsident Andreas Ender. Er lacht. «Ich weiss gar nicht mehr, wer zuerst war.» Aus Termingründen entschied man sich, einen gemeinsamen Empfang in Sarmenstorf zu machen. Dabei wurden die beiden Eidgenossen Joel Strebel und Andreas Döbeli gefeiert wie Helden: Mit einem geschmückten Traktor wurden sie in die Mehrzweckhalle kutschiert. An der Strasse hatten sich Hunderte Fans aus Aristau, Sarmenstorf und der Umgebung versammelt, um «ihre» Eidgenossen zu feiern.
«Hoi zäme», begrüsst Andreas Döbeli seine Freunde und Nachbarn. Mit seiner charmanten und unkomplizierten Art schafft er es sofort, alle für sich zu gewinnen. «Ich habe lange darauf hingearbeitet. Und das feiere ich jetzt.» --chg
Dörfer feiern ihre Eidgenossen
Schwinger Joel Strebel und Andreas Döbeli in Sarmenstorf mit einem grossen Fest empfangen
Um die grossartige Leistung am Eidgenössischen zu würdigen, haben die Gemeinden Aristau und Sarmenstorf gemeinsam einen Empfang organisiert. Und diesen werden Joel Strebel und Andreas Döbeli so schnell wohl nicht vergessen.
Chantal Gisler
Es ist 19 Uhr. Die Marktstrasse in Sarmenstorf ist gesperrt. Hunderte Fans, Vereine aus Aristau und Sarmenstorf und Anwohner haben sich auf den Trottoirs versammelt. Sie können es kaum erwarten, «ihre» Eidgenossen begrüssen zu dürfen. Ob der FC Sarmenstorf, der Turnverein oder der Schützenverein Aristau – jeder möchte den Schwingern zu ihrem Erfolg gratulieren. Eine Familie trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift «Wälts-Chaibe Döbelis – Mer send stolz of eui!». Nebenan steht eine Gruppe mit grauen «Strebel»-Mützen.
Als die Kuhglocken erklingen, wird es kurz ruhig. Bis der grüne Traktor mit dem Anhänger in die Strasse einfährt. Plötzlich hat jeder zweite eine kleine Glocke, mit der er die Schwinger begrüsst. Andreas Döbeli und Joel Strebel sitzen auf Heuballen auf dem Anhänger. Sie strahlen über das ganze Gesicht und winken ihren Fans zu. Diese stürmen, nachdem der Traktor vorbeigefahren ist, regelrecht zur Mehrzweckhalle. Dort applaudieren sie den Schwingern, als diese den Gang hinunterkommen.
Strebel kommt unter einer Bedingung
Die Mehrzweckhalle platzt aus allen Nähten. Hunderte Fans haben sich hier versammelt. Die Helden des Abends, Joel Strebel und Andreas Döbeli, werden von allen Seiten angesprochen. Jeder will ihnen auf die Schulter klopfen, ihnen die Hand geben und zu ihrem Erfolg gratulieren. Immer wieder werden sie auch nach Autogrammen gefragt. Fotos werden geschossen. Die beiden scheint der Rummel nicht zu stören. Döbeli und Strebel nehmen sich für jeden Zeit, wechseln einige Worte und danken für die Gratulationen.
«Es ist ein unglaubliches Gefühl, so empfangen zu werden», sagt Joel Strebel. «Ich habe am Eidgenössischen alles gegeben und bin stolz auf das, was ich erreicht habe.» Er freut sich darüber, dass so viele Aristauer den Weg nach Sarmenstorf gefunden haben. Ihnen möchte er auch etwas zurückgeben: «Ich habe den Sarmenstorfern gesagt, dass wir nur kommen, wenn eine Bar aufgebaut ist», erklärt er und lacht.
Eine der prägendsten Wochen im Leben
Eine Bar für die Eidgenossen aufbauen? Eine denkbar einfache Aufgabe für die Sarmenstorfer. Schliesslich ist die Gemeinde die selbst ernannte Fasnachtshochburg am Lindenberg. Ob das wirklich stimmt, lassen wir mal dahingestellt. Tatsache ist, dass sich der Sarmenstorfer Gemeindeammann persönlich darum gekümmert hat. So steht auf der Bühne der Mehrzweckhalle also eine Bar. Das freut auch den Eidgenossen Andreas Döbeli. «Ich habe lange und hart auf diesen Erfolg hingearbeitet», sagt er und schaut sich um: «Wenn ich mit 80 Jahren auf mein Leben zurückschaue, wird das bestimmt eine der prägendsten Wochen sein.» Und mit einem Lachen ergänzt er: «Aber jetzt tueni fäschte.» Mittlerweile hat sich der Schwingclub Freiamt auf der Bühne versammelt. Gemeinsam wird auf Döbeli und Strebel angestossen.
Einander helfen
Auch die verschiedenen Vereine gesellen sich zu den Schwingern. Ob Ringer, Fussballer oder Turner – jeder nimmt «eis oder zwei» auf die Schwinger. «Einen solchen Zusammenhalt zwischen den Vereinen gab es früher nicht», weiss Daniel Köchli vom Turnverein Sarmenstorf. Seit Jahren ist er im Verein dabei. «Bis vor etwa 25 Jahren wäre eine solche Fete mit allen Vereinen undenkbar gewesen», sagt er. Viel zu stark sei das Konkurrenzdenken gewesen. Jeder Verein wollte der Beste sein. Erst später hat man angefangen, einander zu helfen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Mittlerweile gehört es zur Tradition, dass an jedes Fest im Dorf eine Delegation jedes Vereins hingeht. «Ich denke, das macht unsere Gemeinde auch aus.»
KOMMENTAR
Chantal Gisler, Redaktorin.
Ein unglaublicher Zusammenhalt
Es war ein riesiges Fest – und das sogar für Sarmenstorfer Verhältnisse. Hunderte Fans kamen in die Mehrzweckhalle, um ihre Schwing-Helden zu bejubeln. Unzählige verschiedene Vereine aus Aristau und Sarmenstorf pilgerten an den Empfang. Mit Fan-Shirts, Glocken und jeder Menge guter Laune standen sie an der Marktstrasse und applaudierten Andreas Döbeli und Joel Strebel. Es ist unglaublich, was die beiden Gemeinden da auf die Beine gestellt haben. Und wie gut der Zusammenhalt unter den Vereinen und Gemeinden funktioniert.
Eine erste Idee war es, dass jede Gemeinde einen eigenen Empfang organisiert. Doch aus terminlichen Gründen wurde diese Idee verworfen. Eine gute Entscheidung. Denn obwohl Sarmenstorf an jeder Fasnacht beweist, dass grosse Feste kein Problem für das Dorf darstellen: Bei einem solchen Empfang ist klar, dass auch Aristau mit anpacken musste, damit das Fest ein Erfolg wird. Für die Schwinger, aber auch für die Zuschauer und Fans. Und diese hatten sich zusammengetan: Binnen weniger Stunden hatten die Organisatoren genügend Helfer zusammen, um den Anlass organisieren zu können. Vorbildlich. Eindrücklich. Freiämterisch.
Ob Fussball-Club, Turnverein, Fasnacht oder Schützengesellschaft – jeder packte mit an, um «unseren» Eidgenossen einen würdigen Empfang zu bereiten. Und auch wenn sich einige der Besucher nicht fürs Schwingen interessieren und nur wegen der Feier kamen, zeigte sich hier ein enormer Zusammenhalt und eine super Stimmung. Ein Teamgeist, der seinesgleichen sucht. Sarmenstorf hat erneut bewiesen, wie intakt und grandios das Dorf- und Vereinsleben ist. Und auch Aristau hat fantastischen Tatendrang bewiesen. Dieses Fest war mehr als ein Empfang für zwei Eidgenossen. Es war eine grosse Party fürs Freiamt. Eine glatte 10.









