Umstrittenes Neubauprojekt
24.09.2019 Region OberfreiamtWiederkehr Recycling AG in Waltenschwil
Eine neue Pyrolyseanlage soll in der Werkhalle der Wiederkehr Recycling AG gebaut werden. Die Waltenschwiler befürchten noch mehr Lärm und Dreck.
Eco-Carbon AG ist eine Tochtergesellschaft der ...
Wiederkehr Recycling AG in Waltenschwil
Eine neue Pyrolyseanlage soll in der Werkhalle der Wiederkehr Recycling AG gebaut werden. Die Waltenschwiler befürchten noch mehr Lärm und Dreck.
Eco-Carbon AG ist eine Tochtergesellschaft der Wiederkehr-Recycling-Gruppe. Dieses Unternehmen hat vor, auf dem Areal der Wiederkehr Recycling AG eine neue Pyrolyseanlage zu bauen. Damit noch mehr Rohstoffe wiederverwertet werden können. Die Anlage ist eine Weltneuheit. Damit sich die Bevölkerung vorstellen kann, wie das Verfahren des Thermischen Recyclings funktioniert, wurde eine Informationsveranstaltung organisiert. Dabei wurde schnell klar, die Waltenschwiler stehen dem Bauvorhaben skeptisch gegenüber. --red
Geteilte Meinung zu Lärm und Dreck
Rege Diskussion in der Werkhalle der Wiederkehr Recycling AG rund um ein Bauprojekt
Die Wiederkehr Recycling AG will in Waltenschwil mit einer neue Pyrolyseanlage noch mehr Rohstoffe wiederverwerten. An dem sehr gut besuchten Informationsanlass stand die Geschäftsleitung Red und Antwort über das geplante Bauvorhaben der Tochterfirma Eco-Carbon AG auf dem Areal. Das Baugesuch liegt noch bis 30. September auf.
Susanne Schild
Die Wiederkehr Recycling AG in Waltenschwil ist der grösste Auto-Schredder-Betrieb der Schweiz. Doch auch beim Rezyklieren von Autos gibt es Abfälle, zum Beispiel jene kleinen Stücke, sogenannte Schredder-Leicht-Fraktionen (SLF), die im Luftfilter hängen bleiben und mit Lastwagen in Kehrichtverbrennungsanlagen gebracht werden müssen. Das sind nicht gerade wenige Staubkörnchen: Rund 20 000 Tonnen SLF produziert die Wiederkehr Recycling AG pro Jahr, ein Drittel der SLF-Produktion der Schweiz. Dabei gehen das darin enthaltene Kupfer und andere Metalle verloren. Ausserdem müssen Hunderttausende von Lastwagenkilometern zurückgelegt werden, um den Abfall zur Verbrennung ins In- und Ausland zu transportieren. Gerade in Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenknappheit sind ökologische Innovationen von herausragender Bedeutung. Unmengen an CO2 könnten durch die neue Anlage so zukünftig eingespart werden. In erster Linie wegen der 210 000 Lastwagenkilometer, die laut dem Geschäftsführer pro Jahr eingespart werden. «Wir reden von einer immensen CO2-Reduktion jährlich», sagte Viktor Haefeli. «Mit diesem Ausstoss könnte man in einem modernen Auto rund 5000mal um die Erde fahren.»
Damit sich die interessierte Bevölkerung ein klares Bild von dem Vorhaben der Eco-Carbon AG, einem Tochterunternehmen der Wiederkehr-Recycling-Gruppe, noch bis zum 30. September machen kann, stellte man das Verfahren des Thermischen Recyclings in einer Präsentation vor. Die Gelegenheit, Fragen zu dem Fünf-Millionen-Franken-Projekt zu stellen, wurde rege genutzt.
Als umweltfreundlich eingestuft
Wenn alles wie geplant verläuft, will die Firma 2020 die Pyrolyseanlage in Betrieb nehmen. Diese soll durch Erhitzen dafür sorgen, dass Kupfer und andere Metalle zurückgewonnen und wiederverwertet werden können. Neben der Rückgewinnung von Metallen sollen von der Pyrolyseanlage auch Strom und Abwärme genutzt werden können. «Wir tragen somit unseren Anteil zur Energiestrategie 2050 schon jetzt bei», sagt Viktor Haefeli, Geschäftsführer der Eco-Carbon AG. Als letztes Ziel soll die Anlage dafür sorgen, dass viel weniger Deponievolumen für die Reste aus den Verbrennungsanlagen verwendet werden muss. Insgesamt kommt die unabhängige Umweltverträglichkeitsprüfung zum Schluss, dass die Anlage als umweltverträglich eingestuft werden kann.
Erste Anlage ihrer Art
«Es ist tatsächlich die erste Anlage ihrer Art», stellte Haefeli heraus. Bisher gebe es zwar etwa 20 Anlagen, welche aber einen anderen Grundstoff rezyklieren. Es handelt sich dort vor allem um Bohrschlämme aus der Erdölindustrie. Die geplante Anlage in Waltenschwil sei eine Weltneuheit, so Haefeli weiter. Erfahrungen habe man aber an einer Pilotanlage vor Ort sammeln können. «Wir haben das Verfahren ein halbes Jahr getestet und dabei wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungswerte gesammelt.»
Die Waltenschwiler Bevölkerung jedoch zeigte sich skeptisch, was die Innovation anbelangt. Sie befürchtet, dass sie zukünftig noch mehr Lärm und Gestank ertragen muss als bislang. «Wir sind alle ein wenig Wiederkehr-Recycling-geschädigt», so einer der Anwesenden. Viktor Haefeli versuchte die Waltenschwiler zu beruhigen und zu überzeugen. Beim Recyclingprozess entstehe weder Gestank noch Lärm, wie auch der Test einer mobilen Anlage im Sommer 2018 gezeigt habe. Auch sonst waren die Ergebnisse des Tests sehr erfolgreich, wie Haefeli weiter ausführte: «Die Luftreinhalteverordnung bezüglich Abgase konnte massiv unterschritten werden.» Die fixe Anlage, die 2020 auf dem Areal entsteht, soll zudem noch besser sein als die getestete mobile Recyclinganlage. Ausserdem unterliege man strengen Vorschriften und der Kanton habe stets ein Auge darauf. «Wir können hier nicht einfach schalten und walten, wie wir wollen», betonte Haefeli.
Befürchtungen wegen Giftstoffe
Weiter befürchten die Waltenschwiler, dass Giftstoffe in die Luft gelangen könnten, welche der Gesundheit schaden. Auch hier versuchten die Verantwortlichen die Anwesenden zu beruhigen. Sie verwiesen wieder auf die strengen Vorschriften, die zeitnahen Kontrollen und das redundante Filtersystem. Die Geschäftsleitung betonte weiter, dass für die Waltenschwiler die abnehmenden Lastwagentransporte weniger Lärm bedeuten würden. Zudem würden dank dem Projekt in der Gemeinde zwölf zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Auf die Frage, weshalb der Firmensitz dann nicht in Waltenschwil, sondern in Hünenberg sei, antwortete Viktor Haefeli: «Das war ein rein unternehmensstrategischer Entscheid.» Worauf einer der Anwesenden meinte: «Ja, wir hier in Waltenschwil haben den Lärm und den Gestank und die Hünenberger profitieren von den Steuern.» Für Viktor Haefeli ist die Technologie und deren Umsetzung klar, da «wir bereits viele Versuche vor Ort durchgeführt haben. Von unserer Seite aus kann es losgehen.»



