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27.08.2019 WohlenVernissage der Ausstellung der Werke von Heidy Isler-Montanarini in der Bleichi
Etwas mehr als 50 Werke zieren die Bleichi. Sie erinnern an das Wirken von Heidy Isler. Und auch ein wenig an die Ehe mit dem grossen und bekannten Kunstmaler Luigi ...
Vernissage der Ausstellung der Werke von Heidy Isler-Montanarini in der Bleichi
Etwas mehr als 50 Werke zieren die Bleichi. Sie erinnern an das Wirken von Heidy Isler. Und auch ein wenig an die Ehe mit dem grossen und bekannten Kunstmaler Luigi Montanarini.
Daniel Marti
Vor einem Jahr Luigi Montanarini. Nun seine Gattin Heidy Isler-Montanarini. Die Kunstkommission bietet somit der Montanarini-Isler Stiftung innert Jahresfrist die Plattform, die Werke der beiden Kunstschaffenden zu präsentieren. Eine Gelegenheit, die Luca Montanarini, jüngster Sohn des Ehepaares, besonders schätzt. Und deshalb ist seine Freude authentisch und ungeteilt. Damit wird auch dem Ziel der Stiftung nachgelebt. Die Werke beider Kunstschaffenden, sie sind im Besitz der Stiftung, sollen immer wieder das künstlerische Schaffen der beiden würdigen und betonen sowie verhindern, dass die Namen in Vergessenheit geraten.
Und nicht nur das. «Die Künstlerin ist dank ihren Bildern hier präsent. Man spürt sie förmlich», sagte Urs Müller von der Kunstkommission zur Begrüssung. Müller ist seit rund 40 Jahren mit Luca Montanarini befreundet. Er kennt also das künstlerische Schaffen von Heidy Isler (1909 bis 1994) bestens. Den tiefen Einblick in das Wirken seiner Mutter lieferte an der Vernissage der Sohn. Während Luigi Montanarini abstrakt malte, wandte sich Heidy Isler dem Figürlichen zu. Und während Montanarini eine ganze Epoche mitprägte, teilte Isler ihre Karriere praktisch in zwei Teile auf.
Unter der Kontrolle des Staates
Als 18-Jährige äusserte sie den Wunsch, an der Kunstakademie in Florenz zu studieren. Ihr Wohnortwechsel nach Italien «war damals ja fast eine Sensation», so Luca Montanarini. 1909 geboren, ging es 1927 nach Florenz. Praktisch in die Arme von Lugi Montanarini. Anfänglich waren sie Studienkollegen, danach Ehepartner – erst in Florenz, dann in Rom. Die künstlerische Laufbahn seiner Mutter sei «ein wenig kompliziert» gewesen, so der Sohn. Mit der Gründung der Familie folgte auch der Unterbruch, Heidy Isler legte die Pinsel für fast 20 Jahre weg.
Fast von Anfang an war die Italienzeit von Heidy Isler von der Mussolini-Politik geprägt. «Auch die Malerei litt unter der Kontrolle des Staates.» In den Dreissigerjahren gab es viel Säbelrasseln, «und danach hat der Zweite Weltkrieg vieles nicht einfacher gemacht». Als Mussolini die Grenzen schliessen liess, teilte sich die Familie. Drei der vier Kinder weilten bei der Grossmutter in Wohlen, Luca war mit seinen Eltern in Rom. «Lange Zeit hatte unsere Mutter nur ein Kind in Rom und nach dem Krieg waren es wieder vier.» Diese Zeit prägte die beiden Kunstschaffenden. Erst als Luca Montanarini 1959 auch nach Wohlen zog, startete seine Mutter ihre zweite Karriere als Kunstmalerin. «Sie hatte dann wieder Zeit für die Kunst.» Darum zeigt die Ausstellung Bilder von beiden Karriereteilen. Die Ausstellung startet mit Bildern aus ihrer Zeit in der Bezirksschule bis zu ihrem zweiten Karriereteil in Wohlen, hierhin kehrte sie in den Achtzigerjahren zurück.
«Die Freiheit, sich selber zu sein»
Sie ist sich in der langen Zeit immer treu geblieben. Sie malte immer figürlich. Hauptsächlich Blumen und Vasen. «Das Figürliche ist das Erzählerische in der Malerei», sagt ihr Sohn. Und für Kunstschaffende sei eigentlich immer ein Aspekt wichtig: «Die Freiheit, sich selber zu sein. Dies erreicht man nur durch das eigene Schaffen. Immer wieder. Und immer wieder.»
Am Abstrakten könne man stets weiterarbeiten, wieder verwerfen und Neues einbringen. «Und irgendwie kann man darin immer etwas sehen.» Dies sei vor allem der Weg seines Vaters gewesen. Bei Aquarellen dagegen beginnt und beendet man das Werk und fängt ein neues an, so Luca Montanarini. Diese Herangehensweise wählte seine Mutter.
«In der Malerei ist sehen gleich verstehen.» Dieser Satz stammt von Luigi Montanarini. Und dabei dürfe man sich nicht ablenken lassen. Die Werke von Heidy Isler-Montanarini, auch wenn sie figürlich sind, passen natürlich auch zu dieser Weisheit.
Die Bilder für die aktuelle Ausstellung in der Bleichi (sie dauert noch bis am Sonntag, 8. September) wurden sorgfältig ausgewählt. Vor 25 Jahren ist Heidy Isler im heimischen Wohlen gestorben. Luigi Montanarini verstarb Anfang 1998 in Rom. Zwei Monate später wurde die Montanarini-Isler Stiftung gegründet. Die Stiftung bezweckt unter anderem auch das Zusammenhalten des künstlerischen Lebenswerkes von Luigi Montanarini und Heidy Isler im öffentlichen und kulturellen Interesse der Region Freiamt. Mit der Ausstellung in der Bleichi wird diesem Ziel nachgelebt.



