Historischer Tag für das Freiamt
17.08.2019 Region OberfreiamtDer 14. Juni 2006. Für das Freiamt, speziell für Merenschwand ist es ein denkwürdiger Tag. Doris Leuthard wurde in Bern als Bundesrätin gewählt. Mit Privatautos, Cars und per Zug reisten die Freiämterinnen und Freiämter damals auf den Bundesplatz. Mit dabei war ...
Der 14. Juni 2006. Für das Freiamt, speziell für Merenschwand ist es ein denkwürdiger Tag. Doris Leuthard wurde in Bern als Bundesrätin gewählt. Mit Privatautos, Cars und per Zug reisten die Freiämterinnen und Freiämter damals auf den Bundesplatz. Mit dabei war auch die heutige Merenschwander Gemeinderätin Claudia Dober. Sie erinnert sich an die grosse Feier in Bern, aber auch an die nachträglichen Feierlichkeiten in Leuthards Heimat zu Hause. --ake
Viele Schwäne auf dem Bundesplatz
«Zeitzeugen»: Claudia Dober erlebte die Wahl von Doris Leuthard in den Bundesrat auf dem Bundesplatz
Am 14. Juni 2006 wurde mit Doris Leuthard eine Freiämterin zur Bundesrätin gewählt. Ein Freudentag war das vor allem auch für ihre Heimatgemeinde Merenschwand. Eine stattliche Delegation war am grossen Tag in Bern mit dabei – auch die heutige Gemeinderätin und Vizeammann Claudia Dober.
Annemarie Keusch
Es sei wie ein Volksfest gewesen. Der Bundesplatz war farblich in Orange und Blau getaucht, die Farben der CVP und des Kantons Aargau. Auch Schwäne tummelten sich hier, das Wappentier von Merenschwand. Ob sie auch einheitliche T-Shirts trugen, das weiss Claudia Dober nicht mehr genau. Ein Foto zeigts: Sie trugen die schwarzen Vereins-T-Shirts, aber das alles andere als aus Trauer.
Zwei volle Cars reisten am Wahltag aus dem Freiamt auf den Bundesplatz. «Wir vom Damenturnverein nahmen den Zug», erinnert sich Claudia Dober. Aktiv im Verein, das sei Doris Leuthard damals zwar nicht mehr gewesen. «Aber sie war Präsidentin des Turnvereins», weiss Dober. Mit nur einem Jahr Altersunterschied habe sie Doris Leuthard natürlich gekannt, «von der Schule, vom Verein». Nach Bern zu reisen, das war für die meisten Mitglieder ein Muss. «Alle wollten dabei sein.» 30 bis 40 Frauen seien sie gewesen. Auf dem Bundesplatz trafen sie auf viele andere Freiämterinnen und Freiämter. «Ich habe gar eine ehemalige Klassenkameradin getroffen, die mittlerweile im Welschland lebte, sich diesen Moment aber nicht entgehen lassen wollte.»
Folgen für Frauen und Landwirtschaft
Viele Stände, eine Bühne, Musik spielte. Es sind die typischen Volksfestmerkmale, die aus dem Bundesam 14. Juni 2006 einen Rummelplatz machten. Mittendrin die Freiämter mit Claudia Dober. «Das war schon eindrücklich», sagt sie. Und als Vereinskolleginnen seien sie bei den Journalisten gefragt gewesen. «Was das für die Frauen bedeutet, war damals schon ein grosses Thema», weiss Dober. Es sei ein Fortschritt für die Frauen, Doris Leuthard werde sicherlich für die Anliegen des weiblichen Geschlechts einstehen, habe sie damals geantwortet.
Aber auch auf die Folgen für die Landwirtschaft wurde Dober, die mit ihrer Familie ausserhalb von Merenschwand einen Bauernhof bewirtschaftet, angesprochen. Was sie antwortete? «Als Bundesrätin kann sie kein Departement komplett auf den Kopf stellen. Wir werden sehen, was sich ändern wird.» Auch mit dem Blick zurück bleibt Claudia Dober diplomatisch: «Man kann es nie allen recht machen.»
133 der 243 gültigen Stimmen
Vorfreude und Nervosität. Diese Gefühle haben die frühmorgendliche Anreise nach Bern geprägt. Riesiger Jubel, Erleichterung und Stolz brachen aus, als das Wahlresultat via Grossleinwand auf den Bundesplatz transportiert wurde. «Umstritten war die Wahl zwar nicht, trotzdem fiel eine gewisse Anspannung ab.» 133 von gültigen 243 Stimmen reichten – Merenschwand hatte seine Bundesrätin.
So nahe dabei zu sein, sei speziell gewesen. «Vor allem, weil Doris Leuthard nicht nur in Merenschwand aufgewachsen, sondern richtig mit dem Dorf verwurzelt ist.» Persönlich gratulieren, das konnte Dober in Bern nicht. «Der Ansturm auf sie war riesig.» Gejubelt, geklatscht und Fahnen geschwenkt haben die Merenschwanderinnen trotzdem, als Leuthard ihren ersten Gang auf den Bundesplatz wagte. Auch für ein Gruppenfoto reichte die Zeit. «Das war beeindruckend, vor allem im Wissen, dass das wohl nie mehr passieren würde, dass jemand aus Merenschwand in den Bundesrat gewählt wird, solange ich es erleben kann.»
Serviert bei der grossen Feier
Nach dem Mittag und den grossen Emotionen trat der Damenturnverein die Heimreise an. Damit waren die Feierlichkeiten aber alles andere als zu Ende. Kurze Zeit später folgte die grosse Feier im Dorf. «In einem Festzelt auf dem Schulhausplatz – zusammen mit der ganzen Bevölkerung», erinnert sich Claudia Dober. Auch die beiden späteren grossen Feste nach der Wahl als Bundespräsidentin bleiben im Dorf und für Claudia Dober unvergesslich. Bei der zweiten grossen Feier, im Dezember, war Dober als Gemeinderätin noch mehr involviert. Dabei war sie aber auch an der ersten Feier für die Bundespräsidentin und an der grossen Wahlfeier im Juni 2006, als Teil der Service-Crew aus den Reihen des Turnvereins.
Vom Leuthard-Effekt will Dober ihre politische «Karriere» aber nicht abhängen lassen. Bei der Wahl in den Bundesrat sass Dober in der Merenschwander Schulpflege. 2009 folgte der Wechsel in den Gemeinderat. «Das hatte mit Doris Leuthard gar nichts zu tun, ich wurde angefragt und sagte zu, weil ich im Dorf etwas bewirken wollte.» Die kantonale oder gar die nationale Bühne hat Claudia Dober nie gesucht. Merenschwand verband sie am 14. Juni 2006 mit der Wahl von Doris Leuthard aber automatisch mit ganz vielen orangen Ballonen, blauen Aargauerfahnen und Merenschwander Schwänen.
Serie «Zeitzeugen»
Es gibt Ereignisse in der Region, von denen die Leute nach Jahrzehnten noch erzählen. In der Serie «Zeitzeugen» blicken Menschen auf ein Ereignis zurück, bei dem sie hautnah dabei waren.
Bisher erschienen: Der Empfang für Abfahrtsweltmeister Urs Lehmann in Rudolfstetten im Februar 1993 (Ausgabe 55). Protest gegen den Abbruch des alten Gemeindehauses in Wohlen von 1979 (Ausgabe 56). Die Hochwasserkatastrophe in Muri von 1977 (Ausgabe 57). Der Sieg von Martin Burkard als jüngster Kandidat in der Quizsendung «Wer gwünnt?» 1973 (Ausgabe 59). Die Reusstalsanierung von 1972 bis 1982 (Ausgabe 60). Torfabbau im Bünztal (Ausgabe 61). Trennung von Arni und Islisberg 1982 (Ausgabe 62). Der Kirchenbrand von Bremgarten 1984 (Ausgabe 63).



