Nationalrat Matthias Jauslin sprach an der Bundesfeier in Waltenschwil
Stets ein Smartphone in der Tasche statt wie früher ein Sackmesser und ein Stück Schnur – Google und Co. weiss mehr über die Menschen als sie selber. Auf diesen Gedanken baute ...
Nationalrat Matthias Jauslin sprach an der Bundesfeier in Waltenschwil
Stets ein Smartphone in der Tasche statt wie früher ein Sackmesser und ein Stück Schnur – Google und Co. weiss mehr über die Menschen als sie selber. Auf diesen Gedanken baute Matthias Jauslin seine Festansprache zum Geburtstag der Schweiz auf.
Therry Landis
«Menschen und Maschinen verschmelzen; was ist noch real?», fragte der Nationalrat in die Runde. Der Artikel «Analog schlägt digital: Die Rückkehr der Papieragenda» einer Wirtschaftszeitung hatte ihn nachdenklich gemacht. Die Termin-Apps auf den Smartphones hätten keine Seele, die Agenda im Handy fördere den Stress. Demgegenüber schenke einem die Papier-Agenda das Gefühl von Sicherheit und sei ein Stück Nostalgie, das man auch berühren könne. «Auch ich bin digital unterwegs, warte online auf die nächste Whats-App-Nachricht oder stelle ab und zu eine Twittermitteilung ins Netz», räumte Jauslin ein. Er forderte die Anwesenden auf, die Sicherheitseinstellungen ihrer Geräte zu überprüfen. «Google und Co. haben uns an der Angel. Sie wissen stets, wo wir uns aufhalten, wo wir wann waren, was unsere Vorlieben sind.»
Über Skype statt bei Nacht und Nebel
Dies war 1291 beim ominösen Rütlischwur nicht der Fall. Damals gab es keine digitalen Medien, «sonst wäre der Schwur wohl eher über Skype abgewickelt worden, anstatt dass man sich bei Nacht und Nebel auf einer stotzigen Kuhwiese getroffen hätte.»
Jauslin wies darauf hin, dass der mit 1291 datierte Bundesbrief weder auf dem Rütli geschrieben wurde, noch eine gesicherte Urkunde zur schweizerischen Staatsgründung sei. Über das eigentliche Gründungsjahr habe man lange gestritten. Erst 1891, als die Berner das 700-jährige Bestehen ihrer Stadt feierten, wurde es festgelegt. «Sie sehen, schon damals haben ‹die in Bern› gemacht, was sie wollten», brachte der Wohler die Waltenschwiler zum Lachen.
Der klimaneutrale Redner
Dass er als Wohler im Nachbardorf die Festansprache hielt, freute Gemeinderätin Bettina Galbier Liechti. «Es würde auch Greta Thunberg freuen, wurde er doch nicht etwa mit dem Helikopter eingeflogen, sondern ist klimaneutral angereist», meinte sie. Noch mehr Grund zur Freude bereiteten ihr die vielen Anwesenden, welche der Einladung des Männerturnvereins Waltenschwil gefolgt waren und beim reichhaltigen Brunch am sonnigen Vormittag vor der Schulanlage Bannegg fleissig zugriffen. Bettina Galbier Liechti wand den Turnern ein Kränzchen. Diese feiern dieses Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum und hätten trotzdem zugesagt, die 1.-August-Feier zu organisieren. «Es wird zunehmend schwierig, Freiwillige für Vereinsarbeit und politische Ämter zu finden. Umso bemerkenswerter, dass auch die Musikgesellschaft zum guten Gelingen des Waltenschwiler Nationalfeiertages beiträgt.»
Über 200 Personen haben mitgefeiert
Mit dem Aufmarsch waren die Männerturner mehr als zufrieden. «Es sind alle erschienen, die sich angemeldet hatten. Und noch einige dazu», freute sich Vereinspräsident Karl Brunner. Über 200 Personen füllten das Festzelt und genossen das ungezwungene Beisammensein.
Matthias Jauslin rief die Anwesenden dazu auf, ihre Smartphones öfter mal wegzulegen, die übermächtige Digitalisierung auch mal infrage zu stellen. «Weg von online hin zu offline, zurück von digital zu analog. Wir wollen unsere Freiheit und unsere Persönlichkeit nicht der Internet-Cloud überlassen.»