Viel mehr als nur ein Kino
16.07.2019 WohlenÜbergabe des Wohler Kulturpreises
Heute gibt es in der Schweiz rund 300 Open-Air-Kinos. Als Wohlen 1994 damit anfing, war es die erst vierte Gemeinde, die in den Sommerwochen während vier Wochen Filme unter freiem Himmel zeigte. Dass das Wohler Open-Air-Kino auch nach 25 ...
Übergabe des Wohler Kulturpreises
Heute gibt es in der Schweiz rund 300 Open-Air-Kinos. Als Wohlen 1994 damit anfing, war es die erst vierte Gemeinde, die in den Sommerwochen während vier Wochen Filme unter freiem Himmel zeigte. Dass das Wohler Open-Air-Kino auch nach 25 Jahren ein beliebter Treffpunkt im Sommer ist, das verdankt die Region Irene und Pitsch Bachmann. Sie wollen nicht nur Filme zeigen, sie wollen Begegnungen ermöglichen. --chh
Für einmal selber im Rampenlicht
Übergabe des Wohler Kulturpreises an Pitsch und Irene Bachmann, die Betreiber des Open-Air-Kinos
Seit Freitag kommen Wohlen und die Region wieder in den Genuss eines Filmvergnügens unter freiem Himmel. Seit 25 Jahren ist das Open-Air-Kino hinter der Kanti ein fester Wert im Sommer. Möglich ist dies nur dank dem unermüdlichen Engagement von Irene und Pitsch Bachmann und ihren Familien.
Chregi Hansen
Nein, Die beiden stehen nicht gerne im Schweinwerferlicht. Lieber sorgen sie im Hintergrund dafür, dass alles läuft. «Normalerweise ist es meine Aufgabe, hier prominente Gäste zu begrüssen und zu interviewen», sagt denn auch Irene Bachmann nach der Preisübergabe. «Jetzt selber im Mittelpunkt zu stehen, das fühlt sich komisch an.»
Doch wie sagte es Kultursekretärin Claudia Nick zuvor so treffend: «An diesem Abend ist das Vorprogramm wichtiger als der Film danach.» Und das heisst etwas, denn schliesslich kamen die Gäste an diesem Abend in den Genuss des Oscarprämierten Films «Green Book». Für einmal hatten Irene und Pitsch Bachmann mit der Vorführung und der Beiz nichts zu tun. «25 Jahre habt ihr euch für diesen Anlass engagiert. Heute dürft ihr einfach geniessen, ihr habt es verdient», so die Kultursekretärin.
Dass Bachmanns diesen Kulturpreis verdient haben, daran zweifelt niemand. Festredner Walter Dubler brachte es in seiner Laudatio auf den Punkt. «Wenn sich eine Familie wie die Bachmanns während eines Vierteljahrhunderts für die gleiche Sache einsetzt, ist dies ausserordentlich; besonders in der heutigen, schnelllebigen Zeit», erklärte der ehemalige Gemeindeammann. Die Arbeit, welche das Ehepaar leiste, sei grossartig und bedinge viel Ausdauer. «Der öffentliche Dank und die Anerkennung sind mehr als angebracht.»
Der Kern ist noch dabei
Dubler erinnerte in seiner Ansprache an die Anfänge und zählte dabei diejenigen Personen auf, die das Open-Air-Kino nach Wohlen gebracht hatten. Allen voran Pitsch Isler, damals bei der SBG Freiamt verantwortlich für das Marketing, sowie Franz Bachmann, Inhaber des Open-Air-Kinos Luna in Luzern und Bruder von Pitsch Bachmann. Isler gelang es, seine Bank für das Projekt zu begeistern und er fand etliche Mitstreiter: die Kanti, die den Standort zur Verfügung stellte. Den «Wohler Anzeiger». Den Filmclub. Und die ibw. «Diese Organisationen sind alle noch heute verlässliche Partner des Open-Air-Kinos», freut sich Dubler.
Wohlen erhielt so 1994 als vierte Gemeinde nach Zürich, Luzern und Aarau während den Sommerwochen ein Freiluft-Kino. «Weil ein paar kreative Leute initiativ und hellwach waren, wurde eine Chance gepackt.» Auch schon mit dabei war Irene Bachmann. Schwager Franz Bachmann fragte sie an, ob sie einen Kiosk betreiben wolle – aus dem Kiosk ist schon bald ein heimeliges Beizli geworden. Seit 2008 hat Irene Bachmann nun die Projektleitung inne. Seit 2015 führt Pitsch Bachmann zusammen mit seinen Söhnen und deren Frauen und Familien das Beizli.
900 Zuschauer als Rekord
Die Bachmanns, so Dubler weiter, würden jedes Jahr Verantwortung übernehmen. Und ein Risiko eingehen. Denn ist das Wetter schlecht, kommen keine Zuschauer. Die tiefste Besucherzahl bei einer Vorstellung liegt bei gerade mal 5, der Film wurde trotzdem gezeigt. Der Rekord wurde gleich im ersten Jahr realisiert, als «Forrest Gump» 900 Besucher anzog und notfallmässig Stühle aus dem Schulhaus Junkholz geholt wurden. Natürlich war auch hier Pitsch Bachmann im Einsatz. In den vergangenen Jahren haben rund 150 000 Besucher eine Vorstellung im Open-Air-Kino Wohlen besucht. «Damit wurde und wird vielen Menschen aus Wohlen und der Region Freude und Unterhaltung geboten», sagte Dubler.
Besondere Leistung
Der frühere Gemeindeammann und Freund der Familie weiss – für eine solche Aufgabe braucht es «Herzblut» und Menschen, die einen unterstützen. Beides ist bei den Preisträgern in grossem Mass vorhanden. Und: Das Open-Air-Kino sei viel mehr als ein Kino. «Es ging und geht den Bachmanns auch um die Begegnungen und den lockeren Treff bei Speis und Trank.» Er wünscht den beiden und ihrer Familie «weiterhin viel Energie, um so auch künftig viele Zu-Hause-Gebliebene zu erfreuen».
Das hofft auch Ruth Portmann, die Vizepräsidentin der Kulturkommission. Der Filmgenuss unter freiem Himmel sei ein sehr niederschwelliges Kulturangebot, welches Menschen aller Art anspricht und allen offen steht. «Das, was ihr hier seit 25 Jahren leistet, ist etwas ganz Besonderes», sagte sie. Und es trage dazu bei, dass Wohlen seine Funktion als Zentrumsgemeinde wahrnehmen kann und eine Ausstrahlung nach aussen hat.
Für gute Laune sorgen
Sie selber sei schon lange regelmässige Besucherin des Open-Air-Kinos und begeistert davon. «Wenn man hier auf den Platz kommt, taucht man quasi in eine andere Welt ein, in der alle Menschen gute Laune haben», so ihre Erfahrung. Die Bachmanns seien darum höchst verdiente Sieger des mit 5000 Franken dotierten Kulturpreises. «Ich habe mich bei der Diskussion in der Kommission schon mehrfach für euch eingesetzt. Dass es jetzt geklappt hat und ich sogar selber den Preis übergeben kann, das freut mich ganz besonders», bekannte Portmann.



