Mit Vollgas Richtung Premiere
16.07.2019 WohlenDie Probearbeiten im Circus Monti laufen auf Hochtouren
In etwas mehr als drei Wochen ist es schon so weit. Dann feiert das 35. Programm des Circus Monti seine Premiere. Zuvor geht es aber noch nach Vevey.
Chregi Hansen
Es ist ...
Die Probearbeiten im Circus Monti laufen auf Hochtouren
In etwas mehr als drei Wochen ist es schon so weit. Dann feiert das 35. Programm des Circus Monti seine Premiere. Zuvor geht es aber noch nach Vevey.
Chregi Hansen
Es ist nicht so, dass sich der Circus Monti um einen Auftritt an der Fête des Vignerons in Vevey gerissen hat. Im Gegenteil. «Der Termin drei Tage vor der Premiere ist alles andere als ideal, das bringt die Vorbereitung gehörig durcheinander», erklärt Direktor Johannes Muntwyler. Aber: Das Motto des Aargauer Kantonaltages an der Fête lautet «Cirque d’ArgoVin» und ist eine Hommage an die im Aargau verwurzelte Zirkustradition und eine Referenz an den Weinkanton. «Wenn wir als Aargauer Zirkus da abseits gestanden wären, das hätte wohl niemand verstanden», weiss Muntwyler genau.
Und darum reist die Zirkustruppe am 6. August in die Westschweiz und präsentiert einen rund 45-minütigen Ausschnitt aus dem neuen Programm. Ein Programm, das dann drei Tage später auf dem Merkur-Areal in Wohlen seine Premiere feiert. Die Proben dafür sind in vollem Gange. Seit Mitte Juni ist das Artistenensemble unter der Leitung von Andreas Manz und Bernard Stöckli am Proben. Fleissig ist auch der musikalische Leiter Thierry Epiney, der Grossteil der Kompositionen steht. Das wiederum fantastische Bühnenbild ist fast fertig, und im oberen Stock sind die Schneiderinnen fleissig am Nähen der Kostüme. Die Zeit drängt, denn schon heute beginnt das Fotoshooting. Und am Donnerstag werden die Masten auf der Wiese aufgestellt. «Derzeit geht es im Winterquartier drunter und drüber, aber wir sind gut unterwegs», sagt Sprecher Stefan Gfeller.
Fast wie im Bienenhaus
Besuch beim Circus Monti dreieinhalb Wochen vor der Premiere
Am 9. August findet die Premiere statt. Am Freitag konnten erstmals alle Kostüme probiert werden. Gestern Montag wurde der Vorverkauf eröffnet. Bereits am Donnerstag werden auf dem Merkur-Areal die Masten für das Zelt gestellt. Derzeit geht es Schlag auf Schlag beim Monti.
Chregi Hansen
Noch sind alle total entspannt. «Ich setze die Proben auf 13.45 Uhr an, dann besteht die Chance, dass um 14 Uhr alle da sind», lacht Andreas Manz, der in diesem Jahr zusammen mit Bernard Stöckli die Regie führt. Und während die letzten Artisten knapp rechtzeitig eintrudeln, albern die anderen auf dem Manegenrund herum. «Es ist eine tolle Truppe mit aufgestellten jungen Leuten. Und die Motivation ist bei allen hoch», freut sich Stöckli. «So macht es Spass.»
An diesem Nachmittag werden im Winterquartier einige der Gruppennummern geübt. Wie immer werden beim Circus Monti nicht nur Nummern aneinandergereiht, sondern eine Geschichte wird erzählt. «Wir haben uns im Vorfeld einige Bilder dazu ausgedacht, die wir nun zusammen mit den Artisten weiterentwickeln», erklärt Stöckli, der zusammen mit seinem Regiepartner früher selbst im Monti aufgetreten ist. Unterstützung erhalten die beiden dabei von der Choreografin Colette Roy, die mit den Artisten die Schrittfolgen einstudiert. Und dazu ein Mischmasch aus Französisch, Englisch und Deutsch verwendet.
Tobias Muntwyler wieder dabei
Nicht dabei ist bei dieser Probe Direktor Johannes Muntwyler. Aber in der Manege wird er trotzdem zu sehen sein. Genauso wie seine Söhne Mario und Tobias – Letzterer kehrt nach einer Pause wieder in den Zirkus zurück. «Ich habe ein wirklich gutes Gefühl», sagt Johannes Muntwyler in der Pause zwischen zwei Sitzungen. Auch vor der 35. Tour des Monti ist die Vorfreude bei ihm gross. «Es ist für mich kein Muss, mit auf Tournee zu gehen, sondern eine Freude. Es ist eine tolle Abwechslung. Zudem gibt es ganz viele Wiedersehen mit guten Freunden und schönen Orten», sagt er.
Auch die Auftritte in der Manege empfindet er nicht als Pflicht. «Ich glaube nicht, dass das die Zuschauer von mir erwarten. Aber es macht mir noch immer Spass.» Nur auf die wirbligen Gruppenszenen zwischen den Nummern verzichtet er. Das überlässt er lieber den Jungen, wie er lachend erklärt. Zudem fehle ihm die Zeit für die Proben, wie er anfügt, bevor die nächste Sitzung ansteht.
Richtiges Chilbi-Feeling
«Jour de fête» heisst das neue Programm. Um ein Volksfest geht es in diesem Stück. Inklusive Chilbi. Während die Artisten auf einem alten Karussellboden üben, baut im Hintergrund Tim Herzog an einem grossen Riesenrad, welches sich über den Artisteneingang spannt. «Da wir heute weniger Orte anfahren und länger Zeit haben für den Auf- und Abbau, können wir für die Produktionen etwas aufwendigere Konstruktionen einsetzen», erklärt Sprecher Stefan Gfeller. Ein Vorteil sei zudem, dass im Winterquartier in Originalgrösse trainiert werden kann. «Es ist der Manegenboden, der auch im Zelt zum Einsatz kommt. Und auch die Befestigungen am Dach sind in der gleichen Höhe wie im Zelt», so Gfeller.
So viel schneidern wie vermutlich noch nie
Doch die Artisten sind nicht die Einzigen, die intensiv am Arbeiten sind. Im oberen Stock rattern gleich drei Nähmaschinen. «Ich glaube, ich habe noch nie so viel geschneidert wie für diese Vorstellung», berichtet Olivia Grandy. Viele der Artistenkleider nähen sie und ihre Helferinnen von Grund auf neu. «Der Aufwand ist nicht viel grösser, als wenn ich zuerst passende Kostüme suche und die dann anpasse», sagt Grandy. Von dem nahen Fototermin für das Programmheft lässt sich die erfahrene Kostümbildnerin nicht stressen. «Für die Fotos kann man vieles kaschieren. Wirklich fertig muss es erst zur Premiere sein», lacht sie.
Etwas entspannter kann es dagegen Komponist Thierry Epiney nehmen, der Grossteil der Musik steht. Der Walliser ist dafür extra nach Wohlen gezogen und hat seine Ideen in einem Nebenraum des Winterquartiers entwickelt. «Dadurch entstehen kurze Wege. Regie, Künstler und Komponist konnten sich immer wieder absprechen», erklärt Gfeller. Schon bald wird auch die Zirkusband eintreffen, sie übt dann ebenfalls direkt neben dem Trainingsraum. Und bekommt so Einblicke in das, was in der Manege passiert. «Der Grossteil der Musiker ist schon lange dabei und kommt immer wieder gerne», freut sich Gfeller.
Am Donnerstag werden die Masten gestellt
Nächster Fixpunkt ist diese Woche das Fotoshooting für das Programmheft. Um dem Chilbi-Charakter gerecht zu werden, reist man dafür in einen kleinen Vergnügungspark. Etwas länger ist die Reise vom 6. August, dann tritt der Monti im Rahmen des Aargauer Kantonaltages an der «Fête des Vignerons» in Vevey auf. «Als wir zusagten, war der genaue Termin noch nicht bekannt. Jetzt findet dieser Anlass drei Tage vor der Premiere statt. Das ist nicht ideal, aber eine Absage kommt nicht infrage», führt der Mediensprecher aus. Und auch Direktor Johannes Muntwyler findet es wichtig, sich als Aargauer Zirkus in Vevey zu zeigen. «Wir machen das Beste daraus», sagt er.
Und schon am Donnerstag startet der Zeltauf bau auf dem Merkur-Areal. «Wir freuen uns, dass wir wieder mitten im Dorf auftreten dürfen», sagt Muntwyler. Am 9. August ist es endlich so weit. Bis dahin gibt es zwar noch viel zu tun und das Winterquartier gleicht noch einem Bienenhaus, Aber alle sind überzeugt, dass der Circus Monti auch in diesem Jahr für magische Momente sorgen wird.




