Für jeden Fall gerüstet
23.07.2019 WohlenEuropa-Orient-Rallye 2020 mit Freiämter Team
Nach 2016 starten die Judokas im kommenden Mai wieder auf eine abenteuerliche Reise.
Der Startort ist noch nicht bekannt. Und auch bezüglich Ziel herrscht noch Unsicherheit. Dubai könnte es werden ...
Europa-Orient-Rallye 2020 mit Freiämter Team
Nach 2016 starten die Judokas im kommenden Mai wieder auf eine abenteuerliche Reise.
Der Startort ist noch nicht bekannt. Und auch bezüglich Ziel herrscht noch Unsicherheit. Dubai könnte es werden – aber das hängt auch von der politischen Lage ab. Eines steht aber schon fest. Die Wohler Judokas stellen zum zweiten Mal ein Team für diese Rallye. Und sie werden bestens gewappnet sein für alle Fälle. --chh
Von der Oase in die Wüste
«Judo goes Orient»: Erneut beteiligt sich eine Freiämter Gruppe an der Europa-Orient-Rallye
Es geht nicht nur um den Spass. Die Teilnehmer der Rallye verfolgen immer auch karitative Ziele. Vor drei Jahren hat sich eine Gruppe Wohler Judokas erstmals auf den Weg in den Orient gemacht. Im kommenden Jahr geht man erneut an den Start.
Chregi Hansen
«Für mich war schon am Ziel klar: Das will ich nochmals erleben», sagt Roger Hofer. Der Ehrenpräsident des Judoclubs hatte sich vor drei Jahren zu seinem 50. Geburtstag etwas ganz Besonderes gegönnt – und hat mit fünf Judokollegen erstmals an der Allgäu-Orient-Rallye teilgenommen. «Es war ein unglaublich positives Erlebnis», bestätigt Judo-Präsident Andreas Schmid, der 2016 ebenfalls mit dabei war und in diesem Jahr der Team-Captain ist.
Schmid und Hofer sind die alten Hasen im neuen «Judo goes Orient»- Team. Die anderen vier Teilnehmer von vor drei Jahren verzichten diesmal, und das aus verschiedenen Gründen. Zum Teil gründen sie gerade eine Familie und verfügen nicht über die nötige Zeit. Oder sie wollen anderen den Vortritt lassen. «Es war wirklich eine tolle Sache. Aber wenn ich wieder einmal eine Rallye mache, dann lieber in einem anderen Teil der Welt», sagt beispielsweise Benjamin Wey, einer der vier, die diesmal aussetzen. Seine Judo-Kollegen unterstützt er aber natürlich dennoch.
Jeder Teilnehmer bringt seine Stärken mit ein
Vier Neue machen sich nächstes Jahr mit Informatiker Andreas Schmid und Personalmanager Roger Hofer auf den Weg in den Orient. Mit dabei sind Lehrer Lukas Küchler, Informatiker Yanik Wechsler, Strassenbauer Philipp Schmid und Schreiner Joél Berger. «Es ist eine gute Mischung, jeder kann seine Stärken einbringen», ist Kapitän Schmid überzeugt. Obwohl man sich für die Rallye 2020 erst im August anmelden kann, laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. «Da wir schon einmal dabei waren, haben wir einen gesicherten Startplatz. Wir erhalten sogar die gleiche Startnummer wie letztes Mal», freut sich Hofer.
Rund ein Jahr lang bereiten sich die sechs Judokas auf das Abenteuer vor. Und haben den idealen Platz dafür gefunden. Sie können für ein Jahr eine leer stehende Drechslerei an der Farnbühlstrasse nutzen, die später abgerissen wird und einem Mehrfamilienhaus Platz macht. Für das Team eine ideale Lösung. «Wir haben hier einen Ort, an dem wir uns treffen und arbeiten können. Es ist unsere Oase», erklärt der Teamchef. Der Name ist bewusst gewählt – schliesslich führt der Weg teilweise durch Wüstengegenden. Und da ist es gut, auf Oasen zu treffen.
Familie und Freunde eingeladen
Damit das Haus und der Garten aber genutzt werden konnten, war viel Arbeit nötig. «Das ganze Haus war dreckig, es hat keinen Strom und kein Wasser, viel altes Gerümpel lag herum. Und der Garten war ein richtiger Dschungel», berichtet Hofer. Mehrere Wochenenden hat das Team investiert, um Haus und Umschwung auf Vordermann zu bringen. Am Sonntag haben sie ihre Oase erstmals ihren Familien, Freunden und Sponsoren präsentiert. Rund 80 Personen nahmen an dem Anlass teil. Und liessen sich von der Begeisterung der sechs Judokas für ihre Basis und die kommende Rallye anstecken. «Zwar fahren am Schluss wir sechs an den persischen Golf. Aber damit wir das Ziel erreichen können, brauchen wir ganz viel Unterstützung», sagt Schmid.
Die Europa-Orient-Rallye, wie sich der Anlass seit Kurzem nennt, weil der Start nicht mehr im Allgäu erfolgt, hat ganz bestimmte Regeln. So müssen die verwendeten Fahrzeuge mindestens 20 Jahre alt sein und dürfen nicht mehr als 999 Euro kosten. Genutzt werden dürfen keine Autobahnen und Mautstrecken. Und damit es etwas schwieriger wird, sind Navigations-Systeme verboten, müssen die Teams mit Karten aus Papier hantieren. An verschiedenen Etappenorten warten zudem mehr oder weniger schwere Prüfungen auf die Teilnehmer. Übernachtet werden darf nur im Auto, im Freien, im mitgenommenen Zelt oder in Unterkünften/Hotels, die im Schnitt nicht mehr als 11,11 Euro pro Nacht und Person kosten. Und die Autos kehren nicht mehr an den Start zurück, sie werden zugunsten eines guten Zwecks versteigert.
Fleissig Hilfsgüter verteilen
«Wir haben inzwischen alle drei Autos auf dem Schrottplatz gefunden und bereiten sie jetzt vor. Eines haben wir sogar schon durch die MFK gebracht», erklärt Hofer. Im Unterschied zum letzten Mal hat man dieses Jahr drei identische Fahrzeuge besorgt, das macht die Vorbereitung einfacher, Gesucht werden jetzt noch drei passende Anhänger. Denn die Wohler Judokas wollen wie schon beim letzten Mal auf dem Weg fleissig Hilfsgüter verteilen. «Letztes Jahr waren es etwa eine Tonne Spielsachen, Schulmaterial und Hygieneartikel, die wir an Schulen und Waisenhäuser verteilt haben», berichtet Hofer. Derzeit ist man am Abklären, welche Institutionen im kommenden Jahr berücksichtigt werden.
Sich auf wunderbare Begegnungen freuen
Noch bleiben 291 Tage, bis es losgeht. «Und zu tun gibt es noch viel», weiss Schmid. Aber die Erfahrung vom letzten Mal hilft natürlich. «Wir wissen, worauf wir achten müssen», so der Präsident. Die genaue Route hingegen steht noch nicht fest, sie hängt auch ab von der politischen Situation im Nahen Osten. Vorgesehen ist beispielsweise ein Abstecher in den Iran, ob das möglich ist, wird sich wohl erst kurzfristig zeigen. Und Syrien muss die Rallye vermutlich wohl auch nächstes Jahr umfahren. Auch das genaue Ziel ist noch nicht definitiv bestimmt. Doch für die Wohler ist das nicht das Wichtigste. «Auch wenn es wieder Richtung Orient geht, planen wir unsere Strecke so, dass wir durch neue Gegenden fahren. Wir wollen neue Regionen und andere Menschen kennenlernen», sagt Hofer. Diese Begegnungen sind denn auch – neben der starken Kameradschaft im Team – eines der Highlights eines solchen Events. «Praktisch überall, wo wir vor drei Jahren durchgekommen sind, wurden wir mit offenen Armen empfangen. Sehr oft wurden wir zu einem Tee oder einem Essen eingeladen. Und bei Problemen mit den Autos wurde uns immer geholfen», weiss Hofer zu erzählen. Die Bilder und die Filmszenen, die an diesem Tag den Gästen gezeigt werden, untermauern seine Aussagen. Und dennoch: Ein solches Abenteuer ist nicht nur Fun. «Es gibt schon auch Momente, in denen man an seine Grenzen stösst», sagt Schmid. Aber diese dann zu meistern, das mache einen stärker.
Am 8. Mai geht es los
Noch folgen viele arbeitsintensive Stunden in der Wohler Oase. Auch hier gilt: Es wird nicht nur geschuftet, hier geniessen die sechs Judokas auch die gemeinsame Zeit. Dass dies bestens möglich ist, hat das Grillfest vom Sonntag bewiesen. «Uns war es ein Anliegen, unseren Familien und Freunden zu zeigen, wo wir in den kommenden Monaten so viel Zeit verbringen, erklärt der Teamchef. Das ist ihnen gelungen – für die Oase gab es viele Komplimente. Und natürlich war das Spendenkässeli bis am Abend auch gut gefüllt. Gute Voraussetzungen, um sich dann am 8. Mai 2020 auf den Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate zu machen.
Infos: https://judogoesorient.ch





