Neustart für den Chappelehof
21.06.2019 WohlenKirchgemeinde zieht sich aus Pfarreizentrum zurück – Trägerverein bezahlt Vorprojekt
Endlich ist es klar, was mit dem Chappelehof passiert. Der Trägerverein St. Leonhard hat künftig das alleinige Sagen. Nun soll ein neues Vorprojekt zügig ...
Kirchgemeinde zieht sich aus Pfarreizentrum zurück – Trägerverein bezahlt Vorprojekt
Endlich ist es klar, was mit dem Chappelehof passiert. Der Trägerverein St. Leonhard hat künftig das alleinige Sagen. Nun soll ein neues Vorprojekt zügig erarbeitet werden.
Daniel Marti
Wie sieht die Zukunft des sanierungsbedürftigen Chappelehofs aus? Dieses Thema hat sich bald über ein Jahrzehnt hingezogen. Nun wurden wichtige Fakten geschaffen: Die Kirchgemeinde zieht sich zurück, sie braucht künftig weniger Räume. Und die gewohnte Bezeichnung des Gebäudes wird bald verschwinden. «Wir reden nicht mehr von einem Pfarreizentrum», stellt Paul Huwiler klar. Der Präsident des Vereins St. Leonhard hat mit einer Steuergruppe zusammen klare Verhältnisse und Absichten geschaffen. Der Trägerverein hat das Zepter übernommen – dies nachdem mit einer Delegation der Kirchenpflege an einem runden Tisch alle Unsicherheiten ausgeräumt wurden. «Der Chappelehof stellt weiterhin eine Institution dar, aber es gibt eine Neuausrichtung und zwar Richtung Kultur», so Huwiler weiter.
Professionelle Unterstützung
Klar ist, dass nur eine Sanierung das Gebäude in die Zukunft führen kann. Wie das zu geschehen hat, entscheidet einzig der Verein. Es gibt ein bestehendes Sanierungsprojekt, dieses sieht Investitionen von 14,8 Millionen Franken vor. Viel zu hoch, finden alle. Damit dieses Projekt überarbeitet und in ein neues Vorprojekt überführt werden kann, wurde ein Kredit in der Höhe von 170 000 Franken bewilligt. Die Vereinsmitglider stimmten diesem Vorgehen grossmehrheitlich (gegen ein Nein) zu. «Damit wir weiter vorwärtskommen, benötigen wir professionelle und fachmännische Unterstützung», so Huwiler. Eine neue Kostenschätzung könnte bereits Ende Jahr vorliegen. Der Neustart hat für den Chappelehof vielversprechend begonnen.
Begegnungsstätte stärken
Verein St. Leonhard übernimmt Verantwortung: Die Zukunft des Chappelehofs sieht besser aus als auch schon
Nach einer schwierigen Phase konnten die Verantwortlichen die Kräfte bündeln. Der Verein St. Leonhard ist der starke Part, wenn es um den Chappelehof geht. Das Gebäude wird vom Pfarreizentrum zur Begegnungsstätte. Und 170 000 Franken braucht es für den Start einer Sanierung.
Daniel Marti
Das sind gleich mehrere wesentliche Schritte vorwärts. Denn Kirchgemeinde und Trägerverein konnten mehrfach einen Konsens erzielen. Das einst angeschlagene Verhältnis zwischen Kirchenpflege und Vorstand des Vereins St. Leonhard wurde erheblich verbessert. Das Arbeitsklima ist wieder positiv und konstruktiv. Das war die Grundlage für wichtige Entscheidungen. Alleine diese Einigung ist bereits eine positive Botschaft. Darüber hinaus erarbeitete eine Steuergruppe eine Neuausrichtung (siehe Kasten), Verantwortlichkeiten wurden zugeteilt und letztlich sogar ein Kredit in der Höhe von 170 000 Franken für ein Vorprojekt bewilligt.
Über Sanierung und Finanzierung entscheidet Verein
Damit alle wesentlichen Punkte auf einen Nenner gebracht werden konnten, benötigte es bekanntlich einen runden Tisch. Josef Bruner, Präsident der Kirchenpflege, und Martin Uhr auf der einen Seite sowie Paul Huwiler, Präsident des Trägervereins St. Leonhard, und Andy Bächer auf der anderen Seite haben ganze Arbeit geleistet. Die Ergebnisse lassen nun ein gezieltes Vorwärtsgehen zu.
Die Kirchgemeinde zieht sich aus dem Chappelehof zurück. Sie will künftig nur noch zwei modern eingerichtete Räume für Sitzungen nützen. Kellerräume für die Jungwacht und den Blauring sollen bestehen bleiben. Künftig will die Kirchgemeinde Miete bezahlen für die Räume und die Belegung des Saals. Und die Kirchgemeinde ist der Ansicht, dass die Finanzierung der Sanierung durch den Trägerverein sichergestellt werden soll. «Falls eine Finanzierungslücke besteht, kann sich die Kirchenpflege vorstellen, einen Beitrag durch die Kirchgemeinde zu leisten», informierte Huwiler. Allenfalls wird auch die Abtretung des Grundstücks, auf dem der Chappelehof steht, an den Trägerverein geprüft.
Die Kirchgemeinde tritt somit ganz viel Verantwortung an den Verein St. Leonhard ab. Und dieser ist die starke Institution bei allen Fragen rund um den Chappelehof. «Es gibt künftig keine Fifty-fifty-Partnerschaft mehr», betont Huwiler. Auch die Bezeichnung Pfarreizentrum wird verschwinden. Der Chappelehof wird zur Begegnungsstätte mit multikultureller Nutzung.
«Betrag für Vorprojekt macht Sinn»
Logischerweise entscheidet der Trägerverein über die Sanierung des Chappelehofs (ein allfälliger Abbruch ist definitiv vom Tisch). Nun steht für den Vereinsvorstand die Überarbeitung des bestehenden Sanierungsprojekts aus dem Jahr 2012 im Vordergrund. Und die Finanzierung kann erst geregelt werden, wenn die neue Kostenschätzung vorliegt. Das bestehende Projekt geht von Kosten in der Höhe von 14,8 Millionen Franken aus. Diese Grössenordnung – das ist wohl mittlerweile allen bewusst – ist nicht tragbar. Ob das Kostendach unter die 10 Millionen sinken sollte, das will nun niemand bestätigten. Aber dies wird wohl die symbolische Grenze sein.
«Fest steht, dass ein Sanierungsbedarf ausgewiesen ist. Der Chappelehof ist 52-jährig», sagte Paul Huwiler. «Um weiter vorwärtszukommen, brauchen wir jetzt Fachleute.» Darum sei der Kredit von 170 000 Franken für ein neues Vorprojekt nötig. «Dieser Betrag macht Sinn.» Erst nach Vorprojekt und Machbarkeitsstudie kann dann der Umbaukredit präsentiert werden.
Businessplan ist überarbeitet
Ein einziges Votum richtete sich gegen den Kredit. Man solle doch die strategische Ausrichtung erst besser ausarbeiten, kritisierte Altgrossrat Manfred Breitschmid. «Wir haben die Grundarbeit geleistet und den Businessplan überarbeitet», entgegnete Peter Feldmann, der als Baufachmann und Berater den Trägerverein unterstützt. In der gegenwärtigen Situation sei es auch dem Vorstand nicht wohl, so Feldmann weiter. «Wir befinden uns in einem nicht einfachen Prozess, denn wir kennen nur eine Zahl.» Das sind die 14,8 Millionen Franken vom ersten Projekt. Aber diese Summe sei einfach zu hoch, «das geht nicht, das können wir uns nicht leisten.» Es brauche ein neues Vorprojekt mit einer neuen, niedrigeren Kostenschätzung. «Dann haben wir endlich eine neue Summe, mit dieser können wir dann allenfalls zu einem Investor gehen.»
Es wird nichts Revolutionäres passieren
Auch von der Kirchenpflege kam ein positives Signal. «Wir sind uns einig beim Vorgehen und darüber, dass der Chappelehof ein Begegnungszenrum bleibt», so Kirchenpflegepräsident Josef Brunner. Die neuen Abklärung seien wichtig, «da wird nicht Geld nutzlos ausgegeben», betonte Alteinwohnerrat Franz Wille. «Diese Aktivitäten sind wichtig und richtig», doppelte Altgrossrätin Monika Küng nach. «Dass sich die Kirche zurückzieht, ist halt ein Zeichen der Zeit. Und der Chappelehof wird auch künftig ein Begegnungszentrum im besten Sinn sein.»
Kommt hinzu, dass der Trägerverein durch den Rückzug der Kirchgemeinde künftig mehr Räume nutzen und vermieten kann. Und die Auslastung des Chappelehofs ist ganz gut: Der Saal ist beispielsweise an jedem dritten Tag besetzt, und die Kulturbeiz ist ein sehr beliebter Treffpunkt.
Ein weiterer positiver Punkt. Der Verein kann sich die Ausgaben für das Vorprojekt leisten, er verfügt über rund 700 000 Franken an liquiden Mitteln. Die Mieterträge sind aktuell bei 300 000 Franken. Der Gewinn 2018 beträgt rund 8400 Franken. Und die Hypothek auf dem Chappelehof liegt bei 1,3 Millionen Franken. Der Ist-Zustand reicht für das Vorprojekt. Bei der Millionen-Investition für die Sanierung sieht es dann ganz anders aus.
Bis Ende Jahr, spätestens bis Mitte 2020, sollte das Vorprojekt ausgearbeitet und die Kostenschätzung bekannt sein. «Dann wissen wir, wo wir wie viel Geld investieren müssen», erklärt Peter Feldmann. Dieser Prozess sei spannend, «dies betrifft die Philosophie und den Bau». Der Trägerverein verfügt zudem über grosse Erfahrung. «Es bleibt vieles bestehen und es wird nichts Revolutionäres passieren im Chappelehof», so Feldmann. Etwas Wichtiges wissen die Verantwortlichen bereits: «Der Bedarf ist da und der Chappelehof funktioniert.»
Die neue Ausrichtung
Die Steuergruppe Sanierung umfasst Paul Huwiler, Urs Kuhn, Andrea Fuchs, Jonas Arnet, Peter Feldmann, Andy Bächer, Dieter Hafen, Kurt Notter und Liz Kuhn. Die Steuergruppe hat an über 15 Sitzungen intensiv gearbeitet. Als Ergebnis stehen etliche fixierte Punkte und die künftige Ausrichtung fest.
Von der Kegelbahn bis zum Saal
– Die Rechtsform eines Vereins ist für unseren Zweck am besten geeignet und muss nicht in eine andere Rechtsform überführt werden.
– Die Begegnungsstätte für Alt und Jung soll erhalten bleiben.
– Eine zweckmässige Gebäudeund Energiesanierung soll als Basis für das Bestehen des Chappelehofs in den nächsten 50 Jahren ausgeführt werden.
– Die Gemeinnützigkeit, wie in den Statuten definiert, soll weiterleben.
– Kulturräume sollen gemäss Zweckartikel in den Statuten geschaffen und/oder erhalten werden.
– Das Profil des Chappelehofs soll als attraktives und markantes Gebäude an zentraler Lage gestärkt werden.
– Eine rechtliche Entflechtung zwischen Verein und Kirchgemeinde soll angestrebt werden.
– Die Bedürfnisse der einzelnen Nutzergruppen sollen verstärkt abgedeckt werden.
– Attraktive, zweckmässig sanierte Wohnungen für ältere Menschen zu tragbaren Mietzinsen sollen erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden.
– Die sozialen Kontakte der Bewohnenden sollen wie bisher gefördert werden.
– Die Liegenschaft soll durch einen attraktiven Nutzermix aufgewertet werden (Geschäftsräume, Praxen).
– Das Restaurant als ein beliebter Treffpunkt der Wohler Bevölkerung soll erhalten bleiben.
– Die Kegelbahn soll erhalten bleiben.
– Mehr Räume für verschiedenste Nutzergruppen (Vereine, offene Treffpunkte) sollen geschaffen werden.
– Die Räume für Jugendkultur (Konzerte und Partys) sollen erhalten bleiben.
– Der grosse Saal soll bestehen bleiben und die Infrastruktur erneuert und erweitert werden.
Auf der Suche nach Geldgebern für Sanierung
Generalversammlung des Vereins St. Leonhard
Die GV des Vereins St. Leonhard stand ganz im Zeichen des Chappelehofs und seiner Zukunft. Die übrigen Geschäfte gingen im Nu durch.
Der Jahresbeitrag bleibt gleich. Die Kasse mit einem Jahresgewinn von 8400 Franken stimmt. Und mit Nando Frei, Pater Solomon Obasi und Hans-Ulrich Pfyffer als Vertreter der Kirchenpflege wurde der Vorstand ergänzt. Einen Abgang, der bedauert wird, gab es zu verzeichnen. Urs Kuhn, ehemaliger Einwohnerratspräsident und ehemaliger Gemeinderat, tritt aus dem Vorstand des Vereins St. Leonhard zurück. «Er war 14 Jahre lang eine grosse Stütze in unserem Vorstand», sagte Präsident Paul Huwiler. Auf Kuhns Rat, auf seine Arbeit habe er sich immer verlassen können. Urs Kuhn sei eben ein guter Freund geworden, so Huwiler.
Der Aufruf der Kassierin
Vor allem Kassierin Andrea Fuchs hatte dann noch ein Anliegen. Es ging um den Chappelehof. «Für die Sanierung brauchen wir Geld. Der Chappelehof ist kein Renditeobjekt», darum müsse der Verein auf eine «Geldquelle stossen». Gemeint sind Sponsoren, Gönner, Investoren. «Im Chappelehof gingen hunderte von Menschen ein und aus», sagte sie noch. Die seien doch alle dem Chappelehof gut gesinnt, Interessierte mögen sich doch melden (Telefon 056 622 67 70). --dm




