«Es ist traumhaft hier»
18.06.2019 WohlenBegegnung der Kulturen in Wohlen: Kunterbuntes Fest für eine gelebte Integration
Das sei ein Tag der Freude, meinte die Vertreterin der Flüchtlingshilfe. Tatsächlich, das Fest «Begegnung der Kulturen» war eine grosse ...
Begegnung der Kulturen in Wohlen: Kunterbuntes Fest für eine gelebte Integration
Das sei ein Tag der Freude, meinte die Vertreterin der Flüchtlingshilfe. Tatsächlich, das Fest «Begegnung der Kulturen» war eine grosse Bereicherung.
Daniel Marti
Es ist eine eindrückliche Zahl: Menschen aus 94 Nationen leben in den Gemeinden Wohlen, Villmergen, Dottikon und Dintikon. Diese vier Gemeinden unterstützen auch das Fest Begegnung der Kulturen. Und dieses Engagement ist somit Teil eines wunderbaren Festes, das zum zweiten Mal in Wohlen über die Bühne ging.
Es war ein kunterbuntes Treiben mit hunderten von unvergesslichen Eindrücken. Und Begegnung der Kulturen ist der Beweis, wie vielfältig, wie friedlich, wie herzlich und sogar wie ansteckend Integration sein kann. «Integration ist nicht einfach Sache des Bundes, des Kantons oder der Gemeinde», sagte Thomas Leitch, Co-Präsident des Organisationskomitees. «Integration geht uns alle an, jeden einzelnen und jede einzelne.»
Und eine nachhaltige Integration könne nur stattfinden, so Leitch weiter, «wenn wir alle die vorurteilsfreie Begegnung der Kulturen weiter pflegen». Und zwar im Alltag und genau so wie es beim Fest auf dem Sternenplatz vorgelebt wurde. Ob Besucher oder Teilnehmer, ob auf der Bühne oder im Publikum – auf dem Wohler Sternenplatz wurde nur Zuversicht, Optimismus und Freude ausgestrahlt und verbreitet. Und auch viel Verständnis füreinander. Wie sagte doch eine Teilnehmerin aus Uganda bei der Begrüssung passend: «Es ist traumhaft hier.»
«Der einzig richtige Weg»
Für Landammann Urs Hofmann ist Integration zentral
Er gehört zum festen Bestandteil des Festes. Er war stets Ehrengast bei «Begegnung der Kulturen», bei allen fünf Durchführungen. Und deshalb kann Regierungsrat Urs Hofmann einschätzen, was geleistet wird, um die Kulturen zusammenzuführen. «Begegnung der Kulturen» sei eben ein Fest, das Ausdruck der Lebensfreude sei. «Ein Fest aber auch von Menschen, die gemeinsame Ziele und Visionen vertreten.» Und Begegnungen seien ja heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn das Aufeinanderzugehen müsse man gezielt wollen. Man könne einander auch aus dem Weg gehen, wegschauen, den Blickkontakt meiden, so Hofmann.
Von anregend bis befremdend
«Die Grundfrage, ob wir mit unseren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen uns begegnen oder uns aus dem Weg gehen wollen, stellte sich schon vor langer Zeit und sie stellt sich in unterschiedlicher Ausprägung immer wieder.» Kulturelle Unterschiede können schliesslich vielfach begründet werden: geografisch, ethnisch, es können aber auch verschiedene gesellschaftliche Differenzen im gleich Land sein. Hier hakte Hofmann ein: «Eine Gesellschaft wird massgeblich dadurch geprägt, wie sie mit kulturellen Unterschieden umgeht. Will sie integrieren oder will sie ausschliessen? Will sie separieren oder einschliessen?»
Die moderne Schweiz sei immer wieder vor dieser Frage gestanden. Dies treffe für die Katholiken ebenso zu wie für die jüdischen Mitbürger. «Oder sollen die armen Schichten, die Arbeiter, Teil der bürgerlichen Gesellschaft sein oder bloss am Rande stehen und geduldet sein?», fragte er in die Runde. Sind sie alle Mitmenschen oder nur Arbeitskraft? Gemeint sind damit die Zuwanderer, die Südländer nach dem Zweiten Weltkrieg. Oder später die Migranten aus dem Balkan oder aus der ganzen Welt. «All diese Menschen können die eigene Herkunft, die sie auch geprägt hat, nicht verleugnen», betonte der Landammann. «Die Begegnungen verschiedener Kulturen waren oft schwierig, selten sind sie spannungsfrei.»
Unterschiedliche Kulturen können laut Hofmann «anregend, farbig, unterhaltsam» sein. Sie können aber auch «anstrengend, vielleicht befremdend» sein. Die integrative Gesellschaft könne deshalb für viele eine Herausforderung sein, sagte er verständnisvoll. «Integration ist ein langer Weg, der nie ganz endet. Integration ist trotz dieser Herausforderungen der einzig richtige Weg zu einer Gesellschaft, die Menschen mit unterschiedlichen Kulturen als Menschen akzeptiert.» Nur so sei auf die Dauer ein friedliches Zusammenleben möglich. Und «Begegnung der Kulturen» gewährt immer wieder diesen Einblick in fremde Kulturen. Ein wertvoller Einblick – auch für den Landammann. «Begegnung der Kulturen» sendet laut Urs Hofmann ein wichtiges Zeichen aus. Ein Zeichen der Offenheit der Gesellschaft. Ein Zeichen, dass «Integration die Grundlage einer friedlichen Gesellschaft sein muss». --dm
Und alle Menschen strahlten
Das Fest «Begegnung der Kulturen» auf dem Sternenplatz war vom Zusammensein geprägt
Für ein paar Stunden sind ganze Regionen dieser Welt zusammengerückt auf dem Sternenplatz. «Begegnung der Kulturen» ist das Fest der Integration. Auch dem Himmel hat es gefallen.
Daniel Marti
Es war das Fest der tausend Eindrücke. Prächtige Vorführungen auf der Bühne wechselten sich ab mit vielfältiger Symbolik. Und als knapp zwei Dutzend weisse Tauben in den Himmel starteten, war das Begegnungsfest definitiv lanciert – übrigens die Tauben wurden losgelassen von den Vertreterinnen und Vertretern der 28 Vereine und Gruppen, die das Fest mitprägten. Weisse Tauben über dem Sternenplatz, dort kreisten sie noch ein paar Mal, um dann den Nachhauseflug nach Fahrwangen anzutreten. «Das wollte ich schon lange wieder einmal machen. Diese Tauben sind einfach etwas Schönes», sagte OK-Mitglied Sasha Stojmenovski.
Und der Himmel strahlte tatsächlich mit. «Der Himmel ist unserem Fest eben wohlgesinnt» betonte Natalie Gregor, Co-Präsidentin des Organisationskomitees. «Wir hatten unglaubliches Wetterglück», Petrus müsse ein Fan von der «Begegnung der Kulturen» sein, fügte Thomas Leitch an, Co-Präsident des OK. Integration scheint eben ein Anliegen des Himmels zu sein.
Hürden überwinden
Die Beteiligten repräsentierten praktisch die ganze Welt. «Die Vereine und Gruppen bieten uns Kulinarisches, Kulturelles und die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen», erklärte Gregor weiter. Und diese Gelegenheiten boten sich laufend. Denn das Fest war hervorragend besucht. Gastrecht gewährte die Gemeinde Wohlen auf dem Sternenplatz. Die Gemeinden Dintikon, Dottikon, Villmergen unterstützten zusammen mit dem Kanton die «Begegnung der Kulturen» ebenfalls.
Wie von Natalie Gregor versprochen, waren die Produktionen vielfältig und die kulinarischen Angebote köstlich. Das rege Treiben liess die Welt zusammenrücken. Ganz nach dem Geschmack von Co-Präsident Thomas Leitch, der forderte, dass das gemeinsame Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in der Region gefördert werden sollte. Ob Kroatien, Albanien, Mazedonien oder Deutschland. Ob Uganda, Peru oder Trachtengruppe Villmergen. Ob Argentinien, Portugal oder Strohmuseum. Ob Tanzlade, SalsaOlé oder Acli Wohlen. Alle hatten das gleiche Ziel. Sich präsentieren, Integration vorleben, Vorurteile und Hürden abbauen und überwinden. Und übers ganze Gesicht strahlen.
«Friedlich, eindrücklich und berührend»
Mit dieser Grundhaltung trafen sie den Geist der Organisatoren. Gemäss Co-Präsident Leitch sollten die Sinne für das Schöne und Gemütvolle angeregt werden. Sprache, Tanz, Musik Kunst und Handwerk können unter anderem Integration ausmachen. Und natürlich gehaltvolle Begegnungen.
Das alles passte auf dem Sternenplatz wie ein Mosaik zusammen – vom ersten bis zum letzten Auftritt. Deshalb fiel das Fazit sehr positiv aus. «Für mich waren einmal mehr das friedliche Miteinander und das enorme Engagement der verschiedensten Kulturen eindrücklich und berührend. Und noch dazu an diesem wunderschönen neugestalteten Ort mitten in Wohlen», fasste Leitch den Anlass zusammen.
Er war zudem begeistert von den reichen Speisen und den lebhaften Tänzen aus den verschiedenen Ländern. Ein Highlight war für ihn der 200-köpfige Rock Choir von Michael Fricker aus London. «Dies war ein weiterer Höhepunkt und gleichzeitig ein grossartiger Schlusspunkt unseres Festes.»















