«Bilanz ist ausgezeichnet»
24.05.2019 Wohlenibw-VR-Präsident Hans-Ulrich Pfyffer
Das Unternehmen ist gut aufgestellt. Und mittendrin fühlt sich der VR-Präsident der ibw sehr wohl.
Hans-Ulrich Pfyffer ist der Nachfolger von Hanspeter Weisshaupt. Die Wachablösung auf dem Posten des ...
ibw-VR-Präsident Hans-Ulrich Pfyffer
Das Unternehmen ist gut aufgestellt. Und mittendrin fühlt sich der VR-Präsident der ibw sehr wohl.
Hans-Ulrich Pfyffer ist der Nachfolger von Hanspeter Weisshaupt. Die Wachablösung auf dem Posten des Verwaltungsratspräsidenten der IB Wohlen AG fand vor einem knappen Jahr statt. Es ist also Zeit für eine erste Bilanz. «Was ich von Hanspeter Weisshaupt übernehmen konnte, war sehr positiv. Es war immer alles gut organisiert unter seiner Führung», blickt Pfyffer zurück und ist mit seinem ersten Jahr als VR-Präsident sehr zufrieden. Seine persönliche Bilanz fällt sogar «ausgezeichnet» aus.
«Fachliche Breite verbessern»
Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass der Verwaltungsrat aktuell mit nur vier Personen relativ knapp besetzt ist. Eine Vergrösserung würde durchaus Sinn machen. «Es ist das erklärte Ziel, die fachliche Breite zu verbessern», räumt der Wohler ein. «In Sachen Finanzen und Justiz sind wir gut vertreten. Aber die technische Fachkompetenz fehlt uns im Verwaltungsrat. Daher würden wir gerne eine zusätzliche Person aus diesem Bereich in den Verwaltungsrat aufnehmen. Die Verantwortung für die Wahl liegt aber bei den Gemeindebehörden.» --dm
«Die Branche ist sehr im Wandel»
Interview mit Hans-Ulrich Pfyffer, seit bald einem Jahr Verwaltungsratspräsident der IB Wohlen AG
Er fühlt sich unabhängig und hat den Posten als ibw-Verwaltungsratspräsident völlig unbelastet angetreten. Nach einem Jahr als VR-Präsident kann Hans-Ulrich Pfyffer über einen erfolgreichen Start bilanzieren. «Wichtig ist mir die Versorgungssicherheit», sagt er.
Daniel Marti
Sie sind seit bald einem Jahr ibw-Verwaltungsratspräsident. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Hans-Ulrich Pfyffer: Die Bilanz ist ausgezeichnet. Was ich angetroffen habe, das hat mich positiv überrascht. Die ibw ist gut organisiert, bei der ibw gibt es klare Strukturen und im Unternehmen herrscht eine gute Kultur. Die ibw zeichnet sich auch durch eine starke Führung und motivierte Mitarbeiter aus. Geschäftsleiter Peter Lehmann ist eine starke Persönlichkeit, er ist gut vernetzt, innovativ und hat stets gute und neue Ideen. Die Firma ist sehr erfolgreich und gut aufgestellt. Allerdings gilt es zu beachten, wie sehr die Branche im Wandel ist. Dies wird von aussen nicht immer so wahrgenommen.
Was haben Sie bisher als besonders gut erlebt?
Die Innovation der ibw und die Offenheit bei neuen Themen. Jetzt ist das Unternehmen breit abgestützt, und wir geniessen ideale Perspektiven. Aber ich bin realistisch: Das kann sich schnell ändern, und der Druck kann plötzlich gross werden. Ein wichtiges Anliegen ist mir zudem die Versorgungssicherheit. Und ich darf sagen, dass wir hier 2018 sehr gute Werte erreicht haben.
Was war eher enttäuschend?
Es wird in der Öffentlichkeit eher über die Dividende der ibw gesprochen als über die Versorgungssicherheit. Aber wirklich Negatives und Enttäuschendes habe ich nicht erlebt.
Sie sind eher im Hintergrund tätig. Ist das die Rolle, die Ihnen behagt?
Das hat wohl mit meinem Charakter und meinem Werdegang als Wirtschaftsprüfer zu tun. Als Verwaltungsrat ist es wichtig, im Hintergrund zu agieren – vor allem wenn alles rund und gut läuft. Die ibw verfügt über eine langjährige bewährte Führung, da muss man nicht unnötig ins operative Steuerrad greifen. Klar, die Verantwortung für Strategie und Aufsicht liegt beim Verwaltungsrat. Aber bei uns ist es ein Zusammenspiel mit dem Geschäftsführer. Und ich fühle mich wohl in meiner Rolle.
Wie beurteilen Sie den Draht zur Politik?
In bin relativ unbelastet zu dieser Rolle gekommen. Ich bin nicht in Wohlen aufgewachsen und bin politisch unabhängig. So kann ich völlig unabhängig agieren. Mittlerweile bin ich stärker involviert, das Netzwerk ist allerdings wertvoll. Mit dem Gemeinderat pflegen wir einen engen Kontakt, mit dem Einwohnerrat eher punktuell. Wenn Bedarf da ist vonseiten der Politik und wir gefordert werden, dann steht der Verwaltungsrat bereit für Antworten.
Nach Diskussionen im Einwohnerrat hat man oft die Meinung, die ibw sei der Geldesel der Gemeinde...
Die Dividende ist zu stark in den Fokus der politischen Diskussion geraten. Sie ist Thema bei jeder Budgetberatung. Die ibw zahlt im kantonalen Vergleich jetzt schon überdurchschnittlich hohe Dividenden. Wir vom Verwaltungsrat müssen stets das Gesamtbild anschauen. Darum ist die Frage erlaubt: Wer finanziert die Dividende? Unsere Kunden sind das, die Einwohner von Wohlen, die Steuerzahler. Grundsätzlich müssen wir alle Themen der Zukunft betrachten und das Gleichgewicht in Betracht ziehen. Beispielsweise kostet die Energiewende viel Geld. Was wir an Dividenden zu viel abgeben müssen, fehlt uns bei den Investitionen. Darum macht es keinen Sinn, zu viel Geld bei uns abzuholen – und wir brauchen dann das Geld für die Investitionen von der Bank. Die Dividende ist ein wichtiges Thema, aber sie darf die Weiterentwicklung der Firma nicht verhindern. Ich habe ja Verständnis, dass die Gemeinde Wohlen nach Einnahmen sucht…
… und in der ibw den angesprochenen Geldesel findet. Ist die ibw der Geldesel der Gemeinde?
Nein, das ist sie nicht. Aus der Sicht des Bürgers ist es wohl nicht massgebend, ob er mehr Steuern zahlt oder mehr für den Strom, damit wir eine höhere Dividende abliefern können. Die ibw löst die Finanzprobleme der Gemeinde definitiv nicht. Unsere Hauptaufgabe ist die Energieversorgung. Zudem nimmt der Geldbedarf unserer Branche noch stärker zu, das muss die Politik auch verstehen. Die Energiewende kommt nicht gratis.
Trotzdem werden vom Einwohnerrat stets höhere Dividenden gefordert.
Das ist halt oft die normale Erwartung der Stakeholder. So sind die Rollen. Aber letztlich gibt es die Eigentümerstrategie, und diese widerspiegelt den Willen der Gemeindebehörden.
Die IB Wohlen AG gehört zu 100 Prozent der Gemeinde Wohlen. Fühlt man sich da immer unter Beobachtung durch die Regierung?
Nein. Es war mir ja bei der Annahme des Jobs bewusst, dass ich jetzt exponiert bin. In einem anderen Unternehmen sind es die Aktionäre, die einen genau beobachten. Letztlich muss das Unternehmen im Mittelpunkt stehen. Mein Ziel muss sein, das Beste fürs Unternehmen herauszuholen. Ich bin mir auch sicher: Die ibw hat ein gutes Image in der Bevölkerung. Die Kundenbindung ist wichtig. Auch dann, wenn der Strommarkt eines Tages liberalisiert wird.
Wenn der Kunde seinen Stromlieferanten selber wählen kann – hat man Angst vor diesem Schritt?
Nein – die ibw ist schon jetzt gut gerüstet. Natürlich haben wir dann eine andere Situation und es wird herausfordernd werden. Aber Angst haben wir nicht, nur Respekt. Beim freien Markt geht es aber nur um die reine Stromlieferung, die Netznutzung bleibt fix und bei der ibw. Heute hat jede Gemeinde praktisch ihr eigenes Stromunternehmen. Darum kann man noch nicht genau abschätzen, wie es kommen wird im freien Markt.
Das 125-Jahr-Jubiläum steht an. Wie werten Sie die Bedeutung dieser langen Entwicklung und Tradition?
Ich schaue mit Ehrfurcht auf diese 125 Jahre. Selbst bin ich ja erst seit zwei Jahren dabei, gemessen an den 125 Jahren bin ich also ein Greenhorn. Es ist speziell, wenn ein Unternehmen nach 125 Jahren immer noch im Markt tätig ist. In dieser grossen Zeitspanne mussten also gute Entscheide gefällt werden.
Welche denn?
Ein Entscheid ist bemerkenswert, der hatte eine grosse Tragweite. Es war der Entscheid aus dem Jahr 1959, sich am Grundwasser-Anschluss in Lenzburg zu beteiligen. Da haben Unternehmen und der Gemeinderat strategisch gut gehandelt, das war ein genialer Entscheid. Oder ab dem Jahr 1913 hatte Wohlen eine Gasversorgung. Auch das war ein guter und weitsichtiger Entscheid. Gas hat nach wie vor eine Zukunft.
Mitte Juni steigt nun eine zweitägige Party. Warum eigentlich?
Da wir die Infrastruktur für die ibw-Jazz-Night ohnehin erstellen, wollten wir sie nun noch einen zweiten Tag nutzen. Zusammen mit der «Begegnung der Kulturen» gibt es nun sogar ein doppeltes Fest. Aus Sicht der Gemeinde darf man sich sicher auch darüber freuen, dass hier eine Party dieser Grösse stattfindet. Ich hoffe, es gibt eine Win-win-Situation für die Gemeinde Wohlen und die ibw.
Anderes Thema. Die ibw nimmt im nationalen Vergleich Spitzenplätze ein bei den neuen erneuerbaren Energien. Erfüllt Sie das mit Freude?
Das ist einfach eine rundum gute Sache. Dieser Innovationsschritt ist vor allem der Geschäftsleitung zuzuschreiben. Zusammen mit der Gemeinde hat sich die ibw das auf die Fahne geschrieben. Allerdings ist es ein hartes Business, die Leute von den erneuerbaren Energien zu überzeugen. Das ist reine Knochenarbeit, es braucht viel Hartnäckigkeit. Vor allem, dass die Leute bereit sind, mehr zu zahlen für den Ökostrom. Deshalb auch hier der Link zu den Ausschüttungen: Wir sollten weiterhin in der Lage sein, Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren zu können.
Die Zielsetzung 20 Prozent neue erneuerbare Energie im Strommix bis ins Jahr 2020 war mutig. Wie sehen Sie das?
Das war ganz bestimmt mutig. Wir haben uns aufgrund dieser Vorgabe sogar gewandelt. Die ibw war früher Versorger, nun sind wir mit den eigenen Solaranlagen Produzenten.
Wie werten Sie den aktuellen Wert von gegenwärtig 17,7 Prozent Anteil von neuen erneuerbaren Energien im Strommix?
Wir sind immer noch unter der Zielsetzung. Aber wir haben noch über ein Jahr Zeit. Aber man pusht sich in Wohlen gegenseitig. Hat der Nachbar eine Photovoltaikanlage, dann ziehen einige Anwohner nach. Wenn die Atomkraftwerke stillgelegt sind, muss ja die Stromversorgung weitergehen. Wir leisten dazu einen guten Beitrag und nehmen so eine wichtige Rolle ein. Darum ist es wichtig, dass die Politik uns bei unserer Zielsetzung unterstützt.
Welches ist eigentlich Ihre Lieblingsenergie?
Das ist eindeutig Strom. Allerdings Strom von einer eigenen Solaranlage und nicht von einem Braunkohlekraftwerk aus Deutschland.
Eine Vision, bei der die ibw federführend ist, heisst «Wasser 2035». Es ist die grosse Ringleitung, die eine ganze Region miteinander verbindet. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Der Verwaltungsrat unterstützt diese Vision. Was die Versorgungssicherheit betrifft, ist das eine gute Sache. Trotzdem ist es ein schwieriges Thema: denn in der Schweiz wollen viele Gemeinden diverse Themen nicht abgeben, dazu zählt auch die eigene Wasserversorgung. Wir müssen unsere Anstrengungen weiter verstärken, und es braucht wohl weitere heisse und trockene Sommer, um eine Einigkeit zu erzielen. Es ist ein visionäres Thema – obwohl wir uns selber keine Sorgen machen müssen über die Wasserversorgung von Wohlen. Aber visionäre Themen soll man überregional angehen. Die gesicherte Wasserversorgung für viele Gemeinden mit einer Ringleitung ist ein gutes Projekt. Es braucht jedoch Überzeugungsarbeit.
Wie lauten denn Ihre Ziele fürs Unternehmen?
Kurzfristig stehen die Energiewende und der Umgang mit der Digitalisierung im Mittelpunkt. Wir möchten weiterhin beim Ökostrom eine führende Rolle spielen. Flexibilisierung und Energieverbrauch wollen wir weiter optimieren. In Energiefragen wollen wir auch künftig ein Leuchtturm bleiben. Und selbstverständlich möchten wir von Risiken wie Cyberangriffen oder Versorgungsausfällen verschont bleiben. Dann möchten wir den Ausgleich von diversen Interessen finden, wie beispielsweise bei der Dividende für die Gemeinde. Das Gleichgewicht zu halten bei Preisen und Versorgung ist auch eine stete Herausforderung.
Und wie lauten die persönlichen Zielsetzungen?
Ich wurde wohl wegen meiner Finanzkompetenzen zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Persönlich erhofft man sich immer, dass man nicht in negative Schlagzeilen oder mitten in politische Diskussionen gerät. Weiter möchte ich eine gute Verbindung zwischen Eigentümer und Management sicherstellen.
Politisch betrachtet steht die Eigentümerstrategie im Zentrum. Wird bald eine neue Fassung präsentiert?
Die Weiterentwicklung ist bereits unterschrieben. Die Eigentümerstrategie 2019/2020 steht. In unserer Branche bewegt sich viel. Darum sind neue Inputs wichtig. Mit der Eigentümerstrategie und mit der Regulierung bewegen wir uns grundsätzlich auf einem vorgespurten Pfad. Ich bin überzeugt, dass wir diesen Pfad erfolgreich werden beschreiten können.
Persönlich
Seit zwei Jahren ist Hans-Ulrich Pfyffer Mitglied des Verwaltungsrates der IB Wohlen AG, seit einem Jahr führt er das Energieversorgungsunternehmen als VR-Präsident.
Pfyffer wohnt in Wohlen. Seine berufliche Karriere startete er 1979 als kaufmännischer Angestellter. Es folgten weitere Ausbildungen: 1985 Betriebsökonom HWV (Luzern), 1990 diplomierter Wirtschaftsprüfer, 2007 zugelassener Revisionsexperte.
Mittlerweile hat Hans-Ulrich Pfyffer viele weitere Mandate inne. Er ist Bankrat der Aargauischen Kantonalbank, Verwaltungsrat der Effingermedien AG, Verwaltungsrat der Mitreva Treuhand und Revision AG sowie Mitglied der katholischen Kirchenpflege Wohlen.


