Reise durch Zeit und Raum
28.05.2019 WohlenDer Quersang-Chor konnte im Casino zweimal vor vollen Rängen auftreten
Der Wohler Projektchor ist bekannt dafür, dass er jedes Jahr ein völlig neues Programm einstudiert. Nach den Volksliedern aus ganz Europa im letzten Jahr widmete man sich diesmal der ...
Der Quersang-Chor konnte im Casino zweimal vor vollen Rängen auftreten
Der Wohler Projektchor ist bekannt dafür, dass er jedes Jahr ein völlig neues Programm einstudiert. Nach den Volksliedern aus ganz Europa im letzten Jahr widmete man sich diesmal der traditionellen Musik der USA. Und diese ist vielseitiger, als viele wohl denken.
Chregi Hansen
Amerikanische Volksmusik – dafür steht eigentlich der Country. Aber es ist nicht die einzige Musikrichtung, welche sich in den USA in früheren Jahren entwickelt hat. Mindestens ebenso wichtig ist der Gospel und der Blues. Alle drei Musikstile fanden ihren Platz im neuen Quersang-Programm. Das sorgte am Konzertabend für abwechslungsreiche Klänge.
Und: An diesem Abend stand die Musik beziehungsweise der Gesang komplett im Zentrum. Auf eine Bühnenshow wurde verzichtet, nicht einmal eine Moderation gab es, fast nahtlos reihte sich ein Song an den anderen. Nur ein paar Kakteen am Bühnenrand und die Countryhemden der Sänger und Sängerinnen erinnerten an das Thema des Abends: eine Reise quer durch die USA, sowohl zeitlich wie geografisch. Von der Country-Musik des 19. Jahrhunderts bis zum «Blues Brothers»-Soundtrack von 1980. Mit einem Abstecher in die Kirchen der Südstaaten, wo die Afroamerikaner ihre Gospels sangen.
Geboten wurden sowohl bekannte Songs wie auch eher unbekannte Melodien. Los ging es im ersten Teil mit Hits wie «On the road again», «I Walk the line» oder «Rings of fire», bei denen sich das Publikum tatsächlich wie im Wilden Westen vorkam. Vor allem die Medleys mit Liedern der Ikonen John Denver und Johnny Cash kamen beim Publikum bestens an. Und vermutlich ist es auch der Country-Musik geschuldet, dass die Männerstimmen bei diesem Konzert viel mehr in den Vordergrund rückten als bei anderen Chören. Ganze Songteile wurden Bass und Tenor überlassen, wobei Dirigent Thomas Haen kräftig mitsang. Dafür durften dann bei «More love» die Frauenstimmen dominieren – inklusive Soli.
Insgesamt überzeugte der Chor mit einem wunderbar harmonischen Auftritt. Niemand drängte sich in den Vordergrund, vielstimmig wurden die Lieder vorgetragen, wobei die Sänger und Sängerinen mit Herzblut bei der Sache waren. Zwischen den verschiedenen Programmteilen durfte zudem die Begleitband mit Marcel Keckeis (Piano), Christian Bachmann (Bass) und Rolf Richner (Schlagzeug) für einen musikalischen Übergang sorgen und dabei ihr grosses Können unter Beweis stellen.
Bilder hervorbeschworen
Der Chor hatte sichtlich Freude am Auftritt. Und Thomas Haen dirigierte ihn mit vollem Körpereinsatz. Er verstand es auch, die Songs spannend zu arrangieren. So etwa beim Gospel-Song «I saw the light», bei dem der Refrain bei jeder Wiederholung mit noch grösserer Intensität gesungen wurde. Und immer wieder versetzte der Chor die Zuhörer an neue Orte. Einmal glaubte man das Stampfen des Zuges zu hören, der durch die Prärie rast. Ein anderes Mal fühlte man sich in eine rauchige Südstaaten-Kneipe versetzt, Und dann wieder in die belebten Strassen Chicagos, wo sich die Blues Brothers eine rasante Verfolgungsjahr mit der Polizei lieferten.
Der Jubel war riesig nach dem 75-minütigen Nonstop-Auftritt. Als Solisten durften an diesem Konzert zudem Monique Geissmann, Kim Locher und Niklaus Walther ihren verdienten Sonderapplaus abholen. Und natürlich hatte der Chor noch einen 13. Song einstudiert, den er als Zugabe servieren konnte. Noch ein letztes Mal erklang Country-Sound im Casino, und noch ein letztes Mal summte das Publikum bei «Country roads» begeistert mit. Bevor die Musik in tosenden Applaus überging.
Neue Mitglieder willkommen
Dann war Schluss. Eine weitere Zugabe gab es nicht. Dafür darf man jetzt schon gespannt sein, wohin die musikalische Reise im nächsten Jahr gehen wird. Wie immer gilt: Neue Sänger und Sängerinnen sind stets willkommen.



