Den Mythos hinterfragt
24.05.2019 WohlenAn der ksb in Wohlen beschäftigte sich eine Klasse mit dem Thema «Die Schweiz im Krieg»
In ihrer Spezialwoche durften sich die Schüler der Kantonalen Schule für Berufsbildung ksb ihr Thema frei wählen. Die Klasse W13 aus Wohlen tauchte ...
An der ksb in Wohlen beschäftigte sich eine Klasse mit dem Thema «Die Schweiz im Krieg»
In ihrer Spezialwoche durften sich die Schüler der Kantonalen Schule für Berufsbildung ksb ihr Thema frei wählen. Die Klasse W13 aus Wohlen tauchte dafür tief in die Schweizer Geschichte ein. Die beiden Lehrerinnen zeigten sich beeindruckt von den Abschlusspräsentationen.
Chregi Hansen
Die Spezialwoche findet jährlich an allen vier Standorten der ksb in Aarau, Baden, Rheinfelden und Wohlen statt. Ziel ist es, dass die Jugendlichen die Verantwortung für das Gelingen ihrer Projekte selber tragen und dabei an Selbstständigkeit und Planungskompetenz gewinnen. Innerhalb der Klasse wählen sie ein Thema und stellen selbstständig ein Programm zusammen. Am Schluss der Woche stellen sie ihre Projekte vor und werden dafür bewertet.
Die fünf Wohler Klassen wählten ganz verschiedene Ansätze. Eine beschäftigte sich mit der Medienvielfalt und drehte dazu eigene Videos. Andere füllten das Programm mit Kultur, Kunst und Sport. Zwei Klassen jedoch nahmen die Geschichte unter die Lupe. Die Klasse W11 wählte das Thema «Holocaust und Feindbilder» inklusive einer Begegnung mit einem Holocaust-Überlebenden. Und die Klasse W13 untersuchte die Rolle der Schweiz in verschiedenen Kriegen. Sie unternahm dazu auch verschiedene Exkursionen.
Vom Rütli via Bunker zum Löwendenkmal
So reisten die Schüler ins Landesmuseum, wo die Historie der Schweiz anschaulich dargestellt wird. Dort erfuhren sie etwa, dass der Rütlischwur vermutlich nur ein Mythos ist und es ihn so nicht gegeben hat. «Das hat mich fast ein wenig geschockt», erklärte eine Schülerin während der Abschlusspräsentation. «Aber es ist verständlich, dass dies die Schweizer nicht wahrhaben wollen.» Kurze Zeit später stand sie selber auf eben diesem Rütli, denn ein weiterer Ausflug führte in die Innerschweiz.
Vom sagenumwobenen Geburtsort der Eidgenossenschaft ging es dann ins Bundesbriefmuseum und später nach Vitznau, wo eine Übernachtung in einem Bunker auf dem Programm stand. Als Nächstes reiste man nach Luzern zum Löwendenkmal, welches an die in Paris gefallenen Schweizergardisten erinnert. «Alle denken, die Schweiz war immer neutral. Aber Schweizer Soldaten haben als Söldner in vielen Kriegen mitgewirkt», so die Erkenntnis eines Schülers.
Neben den Exkursionen standen Studien auf dem Programm. Jeder Schüler musste einen längeren Vortrag zu einem Thema halten. «Als Deutscher habe ich dabei extrem viel gelernt», sagt einer der Schüler. «Ich habe immer geglaubt, die Schweiz habe den 1. Weltkrieg unbeschadet überstanden. Dabei gab es in dieser Zeit ganz viele Tote, vor allem durch die Spanische Grippe.» Dazu kommen Schweizer, die in fremden Armeen Dienst geleistet haben. Aber auch der Generalstreik oder die Pläne fürs Reduit waren Themen, mit denen sich die Klasse beschäftigte. Ein Schüler führte im Laufe der Woche zudem ein Interview mit seinem Grossvater und wollte wissen, wie er als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt hatte. «Für ein Kind hat sich das Leben nicht stark verändert, abgesehen vom regelmässigen Sirenenalarm», berichtet er vom Gespräch.
Faszinierende Zeitreise
«Wir haben sehr viel Neues über die Schweiz erfahren», so das Fazit am Schluss dieser Woche. Der oft so langweilige Geschichtsunterricht wurde durch die Exkursionen und verschiedenen Aufgaben zur faszinierenden Zeitreise. Sie lernten auch, dass man alle Quellen immer kritisch betrachten muss. «Zur eigentlichen Geburtsstunde der Eidgenossenschaft macht jedes besuchte Museum eine andere Aussage», bemerkte ein Schüler. Die ganze Woche sei spannend und interessant gewesen, wobei auch der Spass nicht zu kurz kam. «Es ist wichtig, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Dies hilft uns, die Gegenwart besser zu verstehen», ist eine der Schülerinnen überzeugt.
Stolze Lehrerinnen
Die Lehrpersonen sind mit der Leistung sehr zufrieden. «Ich habe gestaunt, wie sich die Schüler engagiert haben in dieser Woche, und habe auch das Gefühl, dass sie als Klasse näher zusammengerückt sind», freut sich Klassenlehrerin Margrit Keller. Und Fachlehrerin Amanda Mühlenhaupt gibt zu, dass die Woche für sie als Deutsche besonders spannend war. «Man meint immer, man wisse alles. Aber das stimmt eben nicht», sagt sie am Schluss der Woche.


