Grosses erschaffen
26.04.2019 WohlenBifang feiert Doppel-Jubiläum
Vor 50 Jahren wurde das Wohnheim eingeweiht, vor 40 Jahren das Pflegezentrum bezogen.
Und plötzlich ging alles schnell. 1963 rief der Gemeinderat Wohlen eine Kommission ins Leben. 1964 wurde ein Verein ...
Bifang feiert Doppel-Jubiläum
Vor 50 Jahren wurde das Wohnheim eingeweiht, vor 40 Jahren das Pflegezentrum bezogen.
Und plötzlich ging alles schnell. 1963 rief der Gemeinderat Wohlen eine Kommission ins Leben. 1964 wurde ein Verein gegründet. 1966 erfolgte der Spatenstich, zwei Jahre später zogen die ersten Bewohner ein. Und vor 50 Jahren fand die grosse Einweihung statt. Vor der GV vom 10. Mai gedenkt man im Bifang der grossen Taten der Vergangenheit. Die heute noch Bestand haben. --chh
Darauf darf man stolz sein
Das Bifang kann im Mai ein doppeltes Jubiläum feiern
50 Jahre Altersheim, 40 Jahre Pflegeheim: Das Bifang kann auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurückschauen. Das Jubiläum wird am 10. Mai gefeiert. Grund genug, auf die Anfänge zurückzuschauen.
Chregi Hansen
«Dieser Tag war mehr als ein anderer…», so titelte diese Zeitung vor gut 50 Jahren. Gemeint war der 14. Juni 1969, ein sehr sonniger und schöner Samstag. Der Tag auch, an dem das Bifang feierlich eingeweiht wurde. Dies gut drei Jahre nach dem Spatenstich. Und fast ein Jahr nachdem die ersten Bewohner eingezogen waren.
An dieser Feier spielte natürlich der Musikverein auf, es gab diverse Ansprachen, der Regierungsrat war gleich zu zweit vertreten, und als Geschenk gab es ein Fernrohr, welches den Bewohnern auf der Terrasse zur Verfügung stehen soll. Und schon damals war die Rede von der nächsten Etappe. Man wolle, so die feste Absicht, auch noch eine Pflegeabteilung mit 20 bis 22 Betten einrichten. 10 Jahre später war auch dieses Ziel erreicht.
Im Schnellzug unterwegs
Die Grundlagen dafür, dass am 14. Juni 1969 gefeiert werden konnte, wurden viel früher gelegt. Im Februar 1963 erteilte der Gemeinderat einem aus allen Parteien zusammengesetzten Komitee den Auftrag, ein Altersheim zu planen. Und das Komitee machte sich mit dem «Tempo eines Schnellzugs» an die Arbeit, wie man der Chronik entnehmen kann. Schon wenige Monate später, am 6. Juli 1964, konnte der Verein für Alterswohnheime gegründet werden. Erster Präsident wurde Manfred Brugisser, Fabrikant. Oberst im Militär und Präsident des Bezirksschulrates.
Der Vorstand erhielt in seiner Arbeit sehr viel Unterstützung, auch finanzieller Art. Und Baumeister Otto Notter überliess dem Verein für den Bau des Altersheims ein 43 Aren grosses Grundstück im Bifang. Und zwar gratis. Der Auftrag für die Planung der Liegenschaft ging an das renommierte Wohler Architekturbüro Belliger. Inspiration für seine Pläne holte sich Christoph Belliger bei Reisen zu den Bauten des finnischen Stararchitekten Alvar Aalto, der berühmt war für seine Konzeptionen im Bereich des organischen Bauens. Die halbkreisförmige Gebäudeform und die Ausrichtung zur freien Natur hin waren das Resultat der Studien.
Ganz viele steuerten Geld für den Bau bei
Der Spatenstich fand am 14. Mai 1966 statt. Viele spendeten Geld für das neue Alterswohnheim. Die Baukosten beliefen sich auf 5 Millionen Franken, davon übernahmen Bund und Kanton 1,5 Millionen, Ortsbürger und Einwohnergemeinde zahlten rund 1 Million Franken, Geld gab es auch von den Kirchen, der Präsident und seine Frau steuerten aus dem eigenen Vermögen fast eine halbe Million Franken bei, auch die Bevölkerung spendete fleissig. So musste letztlich lediglich eine Hypothek über 650 000 Franken aufgenommen werden. Dass die Bauabrechnung dann 220 000 Franken unter dem Voranschlag abschloss, trug ebenfalls viel zur guten Stimmung bei der Einweihungsfeier bei.
Schon vor dieser Feier wurde das Bifang mit Leben gefüllt. Ab dem 1. Juli 1968 waren die Wohnungen bereit. Wenige Wochen später führte der Präsident persönlich die Presse durch das Heim, das damals bereits zu zwei Dritteln belegt war. «Das Bifang ist gut, praktisch und heimelig. Die Bewohner leben hier in einer freien Gemeinschaft», kann man über diesen Rundgang nachlesen. Auch wehrte sich Brugisser, dass nur Begüterte hier eine Wohnung erhalten. Seinen sozialen Charakter konnte das Bifang schon kurze Zeit später unter Beweis stellen. Am 7. September wurden in einer Blitzaktion 16 tschechische Flüchtlinge aufgenommen und einquartiert.
Lob von allen Seiten
Das Bifang sorgte für Furore. Es galt als eines der modernsten Altersheime der Schweiz. So war es das erste Heim, in dem jede Wohnung ein eigenes WC aufwies. Mit ein Grund, dass der damalige Zürcher Nationalrat Ernst Weber den Bau als das schönste Heim der Schweiz bezeichnete. Und der damalige Gemeinderat Alfred Fischer betonte die Wichtigkeit, dass Wohlen über eine solche Institution verfügt und die betagten Wohler nicht mehr in die Pflegi Muri oder ins Gnadenthal ausweichen mussten.
Sanierung doppelt so teuer wie Bau
Doch damit war das grosse Werk noch nicht vollendet. Schon am 22. November 1969 bewilligten die Mitglieder des Vereins den Kauf eines benachbarten Landstücks. Knapp 10 Jahre später konnte hier die Pflegeabteilung eröffnet werden. Die offizielle Eröffnung fand am 9. April 1980 statt. Zwischen 2008 und 2012 wurde das gesamte Bifang komplett umgebaut und saniert. Dabei wurde die bisher bestehende Trennung der beiden Bereiche aufgehoben. Andere Zeiten, andere Kosten. Mussten für den Bau des Altersheims 1969 knapp 5 Millionen Franken und für die Pflegeabteilung zehn Jahre später 4,2 Millionen Franken bezahlt werden, so kosteten Umbau und Sanierung jetzt 23 Millionen Franken.
Der Abschluss der Sanierung war Anlass für eine grosse Feier im Beisein der damaligen Regierungsrätin Susanne Hochuli. Das doppelte Jubiläum begeht der Verein hingegen am 10. Mai mit einer eher kleinen Feier. Die grossen Taten, sie sind schon vorher erfolgt. Und werden jeden Tag von den Mitarbeitern geleistet.



