Von Muri nach Amerika
15.02.2019 Region OberfreiamtGrosses Theaterprojekt im Sommer 2020
Die Armut bewog in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Schweizer dazu, nach Amerika auszuwandern. Diese Geschichte wird in Muri in einem Theater aufgearbeitet.
Der Klosterhof ist zwar kein Dorfplatz, ...
Grosses Theaterprojekt im Sommer 2020
Die Armut bewog in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Schweizer dazu, nach Amerika auszuwandern. Diese Geschichte wird in Muri in einem Theater aufgearbeitet.
Der Klosterhof ist zwar kein Dorfplatz, aber trotzdem der ideale Ort. «Eine solche Atmosphäre ist sehr selten», sagt Christoph Zurfluh. Er lebt in Muri und ist Autor des Theaterstücks «Amerika», das in einer Grossproduktion im Sommer 2020 aufgeführt wird.
Im Zentrum steht ein junges Paar, deren unterschiedlichen finanziellen Hintergründe eine Hochzeit verunmöglichen. Dargestellt wird dabei ein ganzes Dorf – mit den verschiedenen Abhängigkeiten, Beziehungen und Machenschaften. Mit dabei als Regisseur ist Adrian Meyer. Beispielsweise bei «Mit Chrüüz und Fahne» oder «Morsch» war er schon in dieser Funktion tätig, ist im Freiamt bekannt und für die Organisatoren ein Hoffnungsträger, dass «Amerika» zum Erfolg wird. «Ein Selbstläufer ist es nicht», sagt Meyer. --ake
«Verfreiämtern» fehlt noch
«Amerika» – im Sommer 2020 gibt es in Muri wieder ein Freilicht-Theater
Er scheint ein Garant zu sein für erfolgreiche Freiämter Theaterproduktionen. Und nun übernimmt Adrian Meyer auch die Regie bei «Amerika». Ein Stück aus der Feder des Murianer Autors Christoph Zurfluh. Am Infoanlass zeigte sich, dass das Interesse seitens der Bevölkerung gross ist.
Annemarie Keusch
Er sei selber ein Auswanderer, sagt Christoph Zurfluh. Geboren in Uri, lebt er seit 16 Jahren in Muri. Zurfluh ist Historiker und Autor. Und er ist Teil von Muri Theater, einer Untergruppe von Murikultur. Das Theater hat in Muri eine langjährige Tradition. Letztmals kam diese vor fünf Jahren mit der Interpretation des traditionellen «Osterspiels von Muri» zum Tragen. Nun steht im Sommer 2020 ein nächstes Grossprojekt an. Und dabei ist Zurfluh nicht nur im organisatorischen und administrativen Teil involviert, sondern gar als Autor.
Ein Thema, das Emotionen weckt, das in Muri bewegt, das seine Wurzeln hier hat – das sollte es sein. Auf der Suche nach einem solchen Thema seien sie auf die Auswanderungswelle gestossen. 1854 erlebte diese ihren Höhepunkt, alleine aus Muri wanderten 80 Leute nach Amerika aus – mangels Perspektiven. «So genannte Wirtschaftsflüchtlinge», weiss Zurfluh. Warum er das Stück nicht selber schreibe, diese Frage erreichte Zurfluh aus den Reihen von Muri Theater. Im Wissen, dass ein Autor und ein Theaterautor nicht dasselbe sind, sagte er trotzdem zu. «Ein Risiko, dass nur eingegangen werden kann, wenn erfahrene Leute mit im Boot sind», erklärt Zurfluh.
Adrian Meyer Wunschkandidat
Namentlich meint er damit Adrian Meyer, der selber Theaterautor und Regisseur ist. «Für mich ist es wichtig, jemanden wie ihn an der Seite zu haben», betont Christoph Zurfluh. Entsprechend sei die Suche nach einem passenden Regisseur schnell abgeschlossen gewesen. Zumal Adrian Meyer auch begeistert ist vom Projekt. «Es ist für mich eine Art Rückkehr zu den Wurzeln», sagt Meyer, der in Muri geboren ist.
«Amerika» ist der Titel des Theaters, das auf dem Klosterhof aufgeführt wird. Das Stück ist in der Rohfassung geschrieben – Änderungen wird es im Zuge der Rollenverteilung geben. Und weil Zurfluh ursprünglich Urner und Meyer Urfreiämter ist, wird er das Stück sprachlich noch «verfreiämtern». Gross eingreifen will Adrian Meyer aber nicht. «Christoph Zurfluh ist ein Theaterautor, ohne dass er es gewusst hat», meint Meyer schmunzelnd.
Keine Verbindung zur heutigen Migration
Am Infoanlass stellten sie das Projekt Interessierten vor. Rund 50 bis 60 Laienschauspielerinnen und -spieler braucht es. Etwa so viele kamen. Zentrale Rollen mit viel Text, Figuren mit viel Präsenz und wenig Text und gar solche ganz ohne Text sind gefragt. Von älteren Semestern bis zu Kindern – ein ganzes Dorf soll im Theater abgebildet werden. «Und es braucht auch ganz viele Leute im Hintergrund», betonen Zurfluh und Meyer.
Kein Ballenberg-Stück soll es sein. Ein offensichtlicher aktueller Bezug ist aber auch nicht vorgesehen – etwa mit einer Figur, die das Geschehen von 1854 aus dem Jetzt betrachtet. «Wir möchten die aktuelle Migrationsthematik nicht miteinbinden», sagt Zurfluh. Ob es Parallelen gebe und wo diese sind, werde dem Publikum selber überlassen.
Anna reist Josef nach Amerika nach
Im Zentrum des Theaters steht der junge Murianer Josef, der Sohn eines armen Bauern. Seine grosse Liebe ist Anna, die Tochter eines vermögenden Landwirts und zwielichtigen Gemeindeammanns. Einer Heirat stehen die finanziellen Mittel im Wege. Also beschliesst Josef, nach Amerika zu gehen, dort Geld zu verdienen, zurückzukehren und seine Anna dann zu heiraten. Nur, die 250 Franken, die eine Auswanderung kostet, vermag er nicht aufzubringen. Dies obwohl die Gemeinde sich mit knapp der Hälfte an den Auswanderungen beteiligt, weil so Armengelder gespart werden können. «Es wurden eigentliche Kampagnen gefahren», weiss Historiker Zurfluh. Agenturen organisierten die günstigen und damit prekären Überfahrten nach Amerika.
Rund um seine Reise geht Josef einen Deal mit dem Auswanderungsagenten ein, Gleiches tut Annas Vater, der nicht will, dass Josef seine Tochter heiratet. Der Beginn des Theaters fällt auf den Tag, als Josef, von Heimweh geplagt, nach Muri zurückkehrt, seine Anna aber nicht da ist, weil sie, von Sehnsucht geplagt, ihrem Josef, der mittlerweile Joe genannt wird, nach Amerika nachreiste.
Mit Live-Musik auf der Bühne
Dass die Geschichte bewegt, zeigten schon die Reaktionen der interessierten Schauspielenden. Grosse Augen machten sie auch beim provisorischen Plan, den Regisseur Adrian Meyer präsentierte. Im August/September sollen die Rollen verteilt werden, auf den 29. Juli 2020 ist die Premiere geplant. Total wird es 18 Aufführungen mit Option für zwei Zusatzaufführungen geben. «Wer mitmacht, muss seine Priorität ab Anfang 2020 bis im Herbst auf das Theater legen», führte Meyer an.
«Amerika», das Stück soll ein Erfolg werden, speziell weil das «Osterspiel» von 2014 klar unter den Erwartungen blieb. «Ein Erfolgsdruck ist da», sagt Christoph Zurfluh. Ein Grund für das bewährte Team, auf das Muri Theater nicht nur bei der Regie setzt. Das Bühnenbild etwa wird der im Freiamt bestens bekannte Stefan Hegi gestalten. Für Musik und Kompositionen ist Christov Rolla zuständig. «Es wird Live-Musik geben», sagt Adrian Meyer. Vielleicht gar mit Laiendarstellern, die singen. «Konkret wird alles in den nächsten Wochen.» Das Grundgerüst ist auf alle Fälle vielversprechend.
Mehr Infos, auch für interessierte Laienschauspielende: www.murikultur.ch/ muritheater.



