Viel mehr als trinken und feiern
25.01.2019 Region OberfreiamtDie Murianer «Stiefeliryter» feiern den 50. Geburtstag – morgen mit der grossen «Stiefelinacht»oberfrei
Das interne Fest gabs letztes Wochenende, das öffentliche gibts morgen Samstag. Die Guggenmusik «Stiefeliryter» existiert seit 50. Jahren. Was ...
Die Murianer «Stiefeliryter» feiern den 50. Geburtstag – morgen mit der grossen «Stiefelinacht»oberfrei
Das interne Fest gabs letztes Wochenende, das öffentliche gibts morgen Samstag. Die Guggenmusik «Stiefeliryter» existiert seit 50. Jahren. Was einst mit acht Probenbesuchenden begann, ist jetzt eine Gemeinschaft mit 50 Aktiven. Sie und die Ehemaligen verbindet eines: die Liebe zur Fasnacht.
Annemarie Keusch
In gutem Outfit und mit roter Nase. Für Walter «Hercule» Gautschi ist der Abend ein «echter Aufsteller» gewesen. Teilweise Jahrzehnte lang hat er die Freunde von früher nicht mehr gesehen. Jene Freunde, mit denen er 1969 die «Stiefeliryter» gründete und als deren erster Präsident er amtete. Gautschi erinnert sich genau und er betont auch, dass andere die Ideengeber waren. Roger Schärer und Karl Waltenspühl waren es, die in Luzern den Entschluss fassten, in Muri eine Guggenmusik zu gründen. «Sofort kontaktierten sie mich telefonisch und sagten die erste Probe an – gleich am Abend.»
An der Bünzer Dorffasnacht angefixt
Acht waren sie an der ersten Probe. Und ganz ohne Hemmungen zogen sie als eine der ersten Guggenmusiken durch ihre erste Fasnachtsaison. Ein gemeinsames Kostüm? Davon war damals noch keine Rede. Zu lose der Verbund, zu wenig Zeit dafür. Eine Verkleidung musste es aber trotzdem sein, eben eine improvisierte aus dem heimischen Schrank. «Zum Glück konnte ich auf den Morgenrock meiner Mutter zählen», blickte Gautschi am Jubiläumsabend vor 160 ehemaligen und aktiven «Stiefeliryter» zurück.
Die grosse Party folgt morgen Samstag auf dem Murianer Klosterhof: die legendäre «Stiefelinacht». OK-Präsident Sandro Müller freut sich. «Es sind diverse Überraschungen geplant», sagt er. Speziell um Mitternacht, beim Auftritt der «Stiefeliryter», werde etwas Spezielles geboten. Mehr will Müller nicht verraten. Nur, dass es mehr Platz für die Partybesucher gibt als in den Vorjahren, dass 13 Guggenmusiken auftreten werden, dass ein Barwagen, zwei Zelte und eine Kafi-Stube mit Livemusik einladen und dass es den Besuchern an nichts mangeln wird.
Die «Stiefelinacht», sie ist vor allem seit 2016, seit sie nicht mehr am Fasnachtsmontag, sondern an einem Samstag in der Vorfasnacht stattfindet, eine grosse Erfolgsgeschichte. OK-Präsident Sandro Müller hinterlässt aber nicht nur dort seine Spuren. Im Verein ist er schon seit 17 Jahren. «Angefixt an der Bünzer Fasnacht», erinnert er sich. «Er ist einer der musikalischsten bei uns», sagt Präsident Reto Spano über Müller. «Seit Kindheit bin ich Fan der ‹Stiefeliryter›. Ich kenne nichts anderes. Wir sind die einzig wahre Guggenmusik», meint Müller schmunzelnd.
Verbringen viel Zeit miteinander
Wochenende für Wochenende verbringen die Guggen-Mitglieder an der Fasnacht. «Es ist das Gesellige und auch das Musikalische, das ich schätze», sagt Sandro Müller. Das Party machen, das Festen, das Trinken – was früher im Vordergrund stand, gehört heute natürlich auch noch dazu. Den kulturellen Aspekt nennt Reto Spano, als er gefragt wird, was ihm an der Fasnacht gefällt. Seit zehn Jahren gehört der Wohler der Murianer Guggenmusik an, seit drei Jahren ist er deren Präsident. Über seinen Lehrmeister fand er Zugang zu den «Stiefeliryter» und erinnert sich noch genau an seine «Jungstiefeli»-Aufgabe. Als Ikarus sollte er einmal quer durch die Kafi-Stube fliegen. «Geschafft habe ich es, mit Hilfe der anderen im Verein», erzählt Spano.
Jung und Alt gemeinsam, das Miteinander. Reto Spano bezeichnet die Truppe als «glatten Haufen». Es ist das, was viele Jahrzehnte lang motiviert, der Guggenmusik treu zu bleiben, von September bis Dezember wöchentlich zu proben, und während der ganzen Fasnachtszeit die Freizeit auf ein Minimum zu reduzieren – vor allem an den Wochenenden. Diese Faszination, dieses Herzblut, auch Walter «Hercule» Gautschi spürte es in den ersten Jahren der «Stiefeli»- Geschichte.
«Ehren-Tätschmeister»-Orden weitergegeben
«Wir haben so viel erlebt zusammen», schwelgt er in Erinnerungen. Die Einladung an den Künstlermaskenball nach Zürich, «für uns Landeier etwas speziell». Die Umzüge in Deutschland, wo allen als Wegzehrung Schnaps mitgegeben wurde, «das war immer verheerend». Aber auch schwierige Momente, wie 1973, als ein Mitglied ausgeschlossen wurde, der Verein vor der Zerreissprobe stand, sich spaltete und daraus die «Gängelimusig» entstand.
Von Muri hat sich Walter Gautschi bald verabschiedet. Sieben Jahre nach der Gründung zog er nach Bern und gründete dort die nächste Guggenmusik. Aktuell ist er in Bassersdorf wohnhaft, «auch eine Fasnachtshochburg». Die Murianer Fasnacht besucht er nicht mehr regelmässig. Aber sie lebte weiter, wie die Geschichte der «Stiefeliryter». Präsident Spano erinnerte etwa an den ersten Kreiselschmuck 1997. Im Jahr 2019 folgt das nächste Kapitel – und das mit einer neuen «Ehren-Tätschmeisterin». Ein Orden, den Gautschi bei seinem Abschied verliehen bekam. «Den will ich nun weitergeben. Nach 50 Jahren ist die Zeit dafür mehr als gekommen.» In Empfang nehmen durfte ihn Jôelle Strebel, langjähriges «Stiefeliryter»- Mitglied und Organisatorin des internen Jubiläumsabends.



