Die Politiker von morgen
22.01.2019 WohlenSachkenntnisse, Argumente und sprachliches Geschick braucht es, um am Debattierwettbewerb der Kantonsschulen zu brillieren. Fähigkeiten, die später auch in der Politik gefragt sind. Allerdings: Welche Position man vertritt, wird hier ausgelost. --chh
Knapp am ...
Sachkenntnisse, Argumente und sprachliches Geschick braucht es, um am Debattierwettbewerb der Kantonsschulen zu brillieren. Fähigkeiten, die später auch in der Politik gefragt sind. Allerdings: Welche Position man vertritt, wird hier ausgelost. --chh
Knapp am Heimsieg vorbei
Regionalfinal Aargau von «Jugend debattiert» an der Kantonsschule
16 Schüler und Schülerinnen aus vier Kantonsschulen kämpften in Wohlen um den Titel und den Einzug in den nationalen Final. «Gut debattieren zu können, hilft in Alltag und Beruf», sagt Noémie Sasse, CEO von Young Enterprise Switzerland, dem Veranstalter des Wettbewerbs.
Chregi Hansen
Menschen und insbesondere Politiker sind sich gewohnt, für ihre Meinung zu kämpfen und einzustehen. Am Debattierwettbewerb in der Kanti sind aber andere Fähigkeiten gefragt. Denn die Position, welche die Schüler im Streitgespräch vertreten müssen, wird ausgelost. Und so kommt es, dass Roman Hug aus Berikon als Mitglied der Jungen SVP Aargau sich im Final für den Klimaschutz einsetzen muss und für die Abschaffung von Kurzstreckenflügen kämpft.
Bereits seit dem Jahr 2005 gibt es den Debattier-Wettbewerb in der Schweiz. Vor Kurzem hat Young Enterprise Switzerland (YES) die Organisation übernommen. «Das Interesse in den verschiedenen Regionen und Schulen ist sehr unterschiedlich», weiss Noémie Sasse, CEO von YES. «Es gibt Schulen, da wird intensiv für den Wettbewerb trainiert.» Und das sei wichtig, denn wer gut debattieren will, der muss auch gut vorbereitet sein. «Es geht darum, im Vorfeld zu den Themen zu recherchieren, sie zu verstehen und von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Und dann die Seite zu vertreten, welche einem zugelost wird, aber dabei auch die Meinung der anderen Seite zu reflektieren und in die eigene Argumentation einfliessen zu lassen», erklärt Sasse.
Vor der Jury bestehen
Sie ist überzeugt, die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb und auch die Vorausscheidungen in den einzelnen Schulen sind wertvoll für die Persönlichkeitsentwicklung. «Was man hier anwenden muss, kann man auch später im Leben brauchen», sagt sie. «Nicht nur der Sieger, sondern jeder hat einen Gewinn erzielt», ergänzt Jannis Brombacher, der als Moderator durch den Anlass führt. Die Teilnehmer stärken ihre Redefähigkeit und ihr politisches Verständnis, ist er überzeugt. «Gleichzeitig lernen sie, anderen zuzuhören und andere Meinungen zu tolerieren», sagt Brombacher. Nicht zuletzt sei der Anlass auch eine gute Möglichkeit, Schüler und Schülerinnen aus anderen Kantis kennenzulernen und sich auszutauschen, erklärt Noémie Sasse.
Zurück zum Final. Für diesen hat sich Ramon Hug als Vertreter der Kanti Wohlen souverän qualifiziert. In den ersten beiden Runden musste er für eine Abschaffung des Milizsystems auf Bundesebene argumentieren, in der zweiten Runde sprach er sich gegen ein obligatorisches Praxisjahr nach der Kanti aus. Seine Auftritte wurden jeweils von drei Juroren bewertet. «Sie haben bodenständig und natürlich argumentiert. Man konnte spüren, dass Sie in dieser Frage die eigene Meinung vertreten durften», erklärte die Jury nach seinem zweiten Auftritt, der ihm den Finaleinzug brachte.
Nicht unter die letzten vier haben es die übrigen Vertreter der Kanti Wohlen gebracht: Eliane Hauser, Miro Gygax, Jeremy Chavez und Fatima Arslantas. Trotzdem war im Final ein zweiter Wohler dabei: Lionel Zingg durfte als Mitglied der Jury über den Sieg mitentscheiden. «Ich habe vor zwei Jahren selber teilgenommen. Jetzt hier in der Jury zu sein, ist eine Ehre für mich», erzählt der Präsident des Wohler Jugendrates. Dabei sei die Arbeit nicht einfach. Die Auftritte der jeweils vier Konkurrenten (zwei auf der Pro-, zwei auf der Contraseite) werden nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft beurteilt. Und dabei schaut die Jury genau hin. «Ihnen haben etwas die Argumente gefehlt. Sie machten zu wenig deutlich, wie ein solches Praktikum aussehen kann», musste sich beispielsweise Fatima Arslantas nach ihrem zweiten Auftritt anhören.
Alle vier Finalisten fahren nach Bern
Der Final selber verlief wie die Vorrunden. Zuerst durfte jeder der vier Teilnehmer eine zweiminütige Eröffnungsrede halten, danach folgte eine zwölfminütige offene Diskussion, bevor jeder noch einmal während einer Minute seinen Standpunkt erläutern durfte. Die Debatte zum Thema «Sollen Kurzstreckenflüge verboten werden» verlief dabei sehr engagiert und zum Teil sogar emotional. Dabei waren so manche Sätze zu hören, die direkt aus dem Vokabular eines künftigen Politikers stammen könnten. Während die Pro-Seite vor allem den Klimaschutz ins Zentrum ihrer Argumentation stellte, stellte die Contra-Seite vor allem wirtschaftliche Aspekte ins Zentrum.
Am Schluss bewertete die Jury den Auftritt von Christoph Bruder (Alte Kanti Aarau) am besten, er konnte sich über den Siegerpreis freuen. Alle vier Teilnehmer des Finals dürfen Ende März am nationalen Final in Bern antreten. Der Freiämter Ramon Hug erhält da eine weitere Chance, seine Debattierfähigkeiten unter Beweis zu stellen.



