Wie ein Segen vom Himmel
11.12.2018 WohlenWohlen: Samichlaus-Brauchtum wurde mit dem Kulturpreis der Gemeinde ausgezeichnet
Das ist eine sehr gute Wahl und eine verdiente Auszeichnung. Mit grosser Freude und ein wenig Stolz durfte Chlausvater Rolf Wüst den Kulturpreis in Empfang ...
Wohlen: Samichlaus-Brauchtum wurde mit dem Kulturpreis der Gemeinde ausgezeichnet
Das ist eine sehr gute Wahl und eine verdiente Auszeichnung. Mit grosser Freude und ein wenig Stolz durfte Chlausvater Rolf Wüst den Kulturpreis in Empfang nehmen.
Daniel Marti
Mit der Auszeichnung für den Samichlaus-Brauch hat die Kulturkommission mitten ins Herz getroffen. Mitten in eine lebendige Vereinigung von Liebhabern des Samichlaus. Dutzende Menschen sind stets tatkräftig dabei, damit die zehn Samichlaus-Gruppen während drei Tagen die Familien mit ihren Kindern besuchen können. Und dies bereits seit 77 Jahren. Dass der Kulturpreis vor allem auch Rolf Wüst gewidmet ist, das leuchtet ein. Seit 40 Jahren ist er der Chlausvater, der Cheforganisator. «Der Kulturpreis gehört einem starken Team, das stets eine grosse Arbeit leistet», betonte Wüst bei der Übergabe der Auszeichnung im Chappelehof. «Die Begeisterung des Teams geht jeweils bereits im Sommer los.» Er sei einfach total happy bis ins Innerste seines Herzens, so Wüst weiter, «das ist wie ein Lottosechser. Wie ein Segen vom Himmel.»
«Schau bitte gut zum Samichlaus-Brauch»
Rolf Wüst dachte in diesem Glücksmoment tatsächlich auch an den Himmel. Vor allem an Pfarrhelfer Franz Schwegler, nur «Bobby» genannt. Er war sein Vorgänger als Chlausvater. Und kurz vor seinem Tod sagte Schwegler zu Wüst: «Schau gut darauf, dass der Samichlaus-Brauch nicht untergeht.» Rolf Wüst hat dieses Versprechen eingelöst, auch darum wurde er während der Chlausmesse für sein 40-jähriges Wirken geehrt. Auch Pfarrhelfer Schwegler hätte am vergangenen Sonntag seine helle Freude gehabt.
Freude bis ins Innerste des Herzens
Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Wohlen an das St.-Nikolaus-Brauchtum
Grosser Tag für den Wohler Samichlaus und seine gesamte Gefolgschaft. Nach der traditionellen Chlausmesse wurde Chlausvater Rolf Wüst als Stellvertreter für das Brauchtum der Kulturpreis der Gemeinde Wohlen verliehen. Lokalhistoriker Daniel Güntert sprach die Laudatio.
Daniel Marti
Der Samichlaus ist in Wohlen äusserst beliebt. Er schafft es sogar, dass hintereinander erst die Kirche und dann der Chappelehof mit Menschen voll besetzt war. Aber es gab auch einen wunderbaren Grund, den Samichlaus zu feiern und zu ehren. Mit der Verleihung des Kulturpreises Wohlen wurde unterstrichen, wie wichtig das Brauchtum eben ist. Und sogar international. Wohlen war in der Vergangenheit dank der Strohindustrie bestens international vernetzt, meinte Daniel Güntert in seiner Laudatio.
Auch ein Preis für die Jugend
Da passe auch der St. Nikolaus bestens in dieses Schema. Als Nachfolger des Bischofs von Myra, der in der Türkei wirkte und im italienischen Bari beigesetzt ist. Ansonsten ist der Brauch lokal verankert. «Der Samichlaus berührt hier in Wohlen ganz viele Menschen», so Güntert. Und immer funktioniere alles perfekt. Seit Jahrzehnten. Stets sei die Jugend beteiligt, und der Brauch werde von der Jungwacht immer getragen. «Deshalb ist das auch ein Kulturpreis für die Jugend.» Die Erfahrungen werden laut Güntert immer weitergegeben, «das ist doch phänomenal. Und die Ausstrahlung ist immer gross.» Mit dem Besuch werden laut Güntert jeweils etliche Familien und Hunderte von Kindern erreicht. «Und mit dem Traditionellen Auszug sind es sogar tausende Menschen, die erreicht werden.»
Es waren immer tatkräftige Menschen nötig, «treibende Kräfte», um den Brauch zu betreuen und weiterzuführen. Früher war es Pfarrhelfer Franz Schwegler, nur Bobby genannt. Dann folgte Chlausvater Rolf Wüst. «Er war und ist der Fels in der Brandung.»
Daniel Güntert hätte wohl noch manche Anekdoten erzählen können. Er sprach von den «wunderschönen Messgewändern», von den weissen Handschuhen, von den bestens gestützten Mitras, die Mitra ist die traditionelle liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe vieler christlicher Kirchen. Güntert erzählte vom Zauber des traditionellen Auszugs. Aber auch davon, dass jeder Samichlaus einen edlen Stab besitzt. Und als einmal der Bischof bei einem Besuch in Wohlen tatsächlich seinen Stab vergessen hatte, konnte ihm gleich zehnfacher Ersatz angeboten werden.
Liebevoll gepflegt und weiterentwickelt
Auch Paul Huwiler, Gemeinderat und Präsident der Kulturkommission, blickte auf die eindrückliche Vergangenheit des beliebten Brauchtums in Wohlen zurück. 1941 gegründet von Jungwachtleiter und Präses Pfarrhel- fer Andreas Hofer erlebte das Brauchtum in Wohlen nur gute Zeiten. «In den vergangenen 77 Jahren wurde dieser Brauch liebevoll gepflegt und weiterentwickelt», so Huwiler. Aus Sicht des Präsidenten hatte vor allem Rolf «Röfe» Wüst einen grossen Anteil an der stets hohen Beliebtheit des Samichlaus. Wüst ist seit 40 Jahren Chlausvater, deswegen wurde er bereits an der Chlausmesse gebührend gefeiert. Eigentlich sei «Röfe» Wüst nicht Chlausvater, sondern Übervate des Wohler Samichlaus. Logisch, dass Rolf Wüst zusammen mit dem Samichlaus den Kulturpreis persönlich in Empfang nehmen durfte und auch der gefeierte Mann dieses unvergesslichen Moments war. Er sei glücklich bis ins Innerste seines Herzens, freute sich Wüst.
Gemeinderat Huwiler outete sich als echter Liebhaber des Wohler Samichlaus. Und Kenner. «Unser Chlaus trägt die Gewänder eines Bischofs und nicht dieses amerikanische Zeugs, diesen Santa-Claus-Mantel.» Genau diese Bischofgewänder sollen an den heiligen Bischof von Myra erinnern. Vor etwa 1700 Jahren lebte der heilige Bischof von Myra in der heutigen Türkei. Um ihn ranken die zahlreichen Legenden, heute ist eine davon der Samichlaus von Wohlen.
Und letztlich war Paul Huwiler ebenso stolz wie alle Anhänger des Brauchtums in Wohlen. Der Chappelehofsaal war voll besetzt mit Behördenmitgliedern und Vertretern des Gemeinde- und des Einwohnerrates. Zusammen mit Kultursekretärin Claudia Nick übergab Huwiler stellvertretend für die Kulturkommission und die Gemeinde Wohlen den Preis an «Röfe» Wüst und natürlich an den Samichlaus.





