Mehr Glück als andere
11.12.2018 BremgartenBremgarten: Christchindli-Märt viel trockener als erwartet
Sturm Marilou verhielt sich hier gnädig. Die Weihnachtsmärkte Willisau, Einsiedeln und Stans öffneten am Sonntag aus Sicherheitsgründen nicht. Ein Carunternehmen reagierte und fuhr ...
Bremgarten: Christchindli-Märt viel trockener als erwartet
Sturm Marilou verhielt sich hier gnädig. Die Weihnachtsmärkte Willisau, Einsiedeln und Stans öffneten am Sonntag aus Sicherheitsgründen nicht. Ein Carunternehmen reagierte und fuhr stattdessen Bremgarten an.
Des einen Pech, des anderen Vorteil. Als Marktchef Walter Friedli am Sonntag früh den Anruf dieses Carunternehmens erhielt, konnte er einen trockenen Tag selbstverständlich nicht garantieren. Aber er konnte mitteilen: «Wir öffnen.» Kurz vorher hatte das Sturmtief Marilou seine Kraft auch über dem Reussstädtchen demonstriert. Die heftigen Regenschauer reicherte es mit Blitz und Donner an. Es lädierte drei Marktstände im Raum Casino und zog gnädig weiter.
Ursula Lightowler, Präsidentin des Vereins Christchindli-Märt, zog ein positives Fazit dieses zuvor so ungewiss erscheinenden 24. Weihnachtsmarktes. «Wir sind glücklich. Wenn wir hören, dass andere Märkte vorzeitig schliessen mussten, können wir mehr als zufrieden sein. Der Samstag war bombig. Da hatten wir deutlich mehr Besucher als im letzten Jahr. Auch mit dem Plakettenverkauf bin ich zufrieden.»
Wo die Fäden gezogen werden
Blick ins Christchindli-Märt-Büro an der Metzgergasse
Es ist die Adresse des Vereinsvorstandes. Hier trifft er sich im Jahresverlauf einmal monatlich, an den Markttagen einmal oder nach Bedarf. Wie im Bienenstock summt es, wenn die Plakettenverkäuferinnen und -verkäufer ihre Schicht antreten.
Lis Glavas
Ursula Huber betritt den Raum. «Das Nepomuk-Kässeli ist vollgestopft. Wer leert das eigentlich?» Mit ihr haben sich die anderen Vorstandsmitglieder zur Tagessitzung versammelt: Präsidentin Ursula Lightowler, Bob Lightowler, Walter Friedli, Bernard Tardy, Markus Spalinger und Brigitte Caprez. Den Schlüssel zum Kässeli hat das Werkhofteam, weiss Marktchef Friedli. Ihn wunderts nicht, dass es voll geworden ist. Nepomuk ist nun mal zuständig für das Bremgarter Wetterglück. Wer sonst, wenn nicht er, könnte das Sturmtief Marilou am Städtchen vorbeilotsen?
In diesen Sitzungen rapportieren die Vorstandsmitglieder Erfahrungen in ihren Ressorts, tauschen allgemeine Eindrücke aus, diskutieren wenn nötig Änderungen. «Und leiten natürlich auch das Erfreulichste weiter», erzählt Ursula Ligtowler, «Komplimente und Dank von Marktbesuchern und Marktfahrern.»
Gutes Verkaufsargument
Die ersten Plakettenverkäuferinnen und -verkäufer der Abendschicht treffen ein. Heute Freitag dauert sie von 18.30 bis 21 Uhr. Die Chefin gibt ihnen Verkaufsargumente und -tipps mit und ermuntert sie, direkt und ohne Hemmung auf die Passanten zuzugehen. Manchen fällt das etwas schwer, andere treten erfrischend selbstsicher auf. So auch Beatriz Tavares, Ahmet Karaoglu und Lina Seng. Der Hinweis, die Plaketten seien in der Integra gemacht worden und den Erlös bekämen die Behinderten, ist offensichtlich ein gutes Verkaufsargument. Das Trio legt ein beachtliches Tempo vor. Kein Zögern nach einer Absage, sondern direkt auf die nächsten Leute zu. Die Plakette kostet fünf Franken, pro verkauftes Stück erhalten die Schüler 50 Rappen. «Es ist schön, etwas Geld zu bekommen», sagt Ahmet. «Aber wir machen das auch für die Behinderten», versichert Beatriz.
Auf den Geschmack gekommen
Jetzt aber ab ins Raclettezelt des Wassersport-Clubs, bevor dort Schlangestehen angesagt ist. Platz nehmen neben zwei Frauen, die die Portion rühmen. Die vom «Wunder einer Weihnacht» schwärmen, dem eben im Zeughaussaal genossenen Weihnachtsfilm mit Livemusik. Die Schwestern geben sich als Weihnachtsmarkt-Touristinnen zu erkennen. «Wir haben viele Märkte gesehen, aber einen mit so viel Kultur noch nicht. Und alle Läden sind offen. Am Sonntag aber sicher nicht, oder?» Doch, auch am Sonntag. Sie staunen. Warum aber haben sie diesen Christchindli-Märt hier bis heute nie besucht? Sie lachen herzhaft. «Weil wir uns die Reise aus dem solothurnischen Derendingen viel komplizierter vorstellten.»














