Wie das Leben so punktet
09.11.2018 KampfsportDer Wohler Antonio Cerundolo reist als Kampfsport-Schiedsrichter in Europa umher
Das Schicksal macht seine Spielchen. Für den Wohler Antonio Cerundolo war das Kickboxen immer sein Rückhalt. Nun will der 38-Jährige als Ringrichter ...
Der Wohler Antonio Cerundolo reist als Kampfsport-Schiedsrichter in Europa umher
Das Schicksal macht seine Spielchen. Für den Wohler Antonio Cerundolo war das Kickboxen immer sein Rückhalt. Nun will der 38-Jährige als Ringrichter durchstarten. Nicht nur im Kickboxen.
Stefan Sprenger
Am Blumenweg in Wohlen ist er aufgewachsen. Aber das Leben hatte nicht nur immer Blümchen bereit für Antonio Cerundolo, der von allen Toni genannt wird. Vor genau 27 Jahren – im November 1991 – absolvierte er sein erstes Kickbox-Training. Sein Bruder Domenico war ein guter Freund von Rocco Cipriano, der damals gerade sein erstes Dojo eröffnete. «Rocco gab mir die Handschuhe und sagte, ich soll es mal ausprobieren.»
«Aus Liebe zum Sport»
Es blieb nicht beim Probieren. Cerundolo wurde ein starker Kämpfer und eine bekannte Grösse in der Kampfsport-Szene. Mehrfach holte er den nationalen Titel. An der Weltmeisterschaft in Kanada im Jahr 2005 holte er den 3. Rang. 2010 war Schluss mit aktivem Kickboxen. Und Cerundolo schlug einen anderen Weg ein: Er wurde Schiedsrichter und reist heute als internationaler Referee durch Europa. «Alles aus Liebe zum Sport», sagt der in Anglikon wohnhafte Mann. Denn Geld verdienen lässt sich damit nicht. Im Gegenteil. Für ein Turnier im Ausland muss man meist noch einen Teil aus der eigenen Kasse bezahlen. Vermutlich verdient jeder Regionalliga-Schiedsrichter im Fussball mehr.
Cerundolo weiss, was er dem Sport zu verdanken hat. Im Jahr 2011 machte er eine Scheidung durch. Mit seiner Ex-Frau hat er eine Tochter. Anna wird bald sieben Jahre alt. «Es war eine sehr schwierige Zeit. Doch die Kickboxer – allen voran Rocco Cipriano – waren immer für mich da.» Und wie das Leben so spielt – oder in seinem Fall punktet –, ist er heute glücklicher denn je. Er peilt gar eine Karriere als Richter im Profiboxen an. Dort würde die Kasse stimmen.
«Rocco ist wie ein Bruder»
Kampfsport: Antonio Cerundolo steckt sein Herzblut in das Schiedsrichterwesen
Früher war er ein starker Kämpfer, heute peilt er eine Karriere als Schiedsrichter im Kickboxen und Boxen an. Der Wohler Antonio Cerundolo träumt davon, einmal im Ring bei einem Profi-Boxkampf zu stehen.
Stefan Sprenger
In Las Vegas finden regelmässig Mega-Kämpfe mit Millionen-Budgets statt. Auch die Ringrichter stehen im Mittelpunkt. «Das wäre ein riesiger Traum», sagt Antonio Cerundolo. Er ist auf bestem Weg, ein internationaler Box-Schiedsrichter zu werden. Im Kickboxen hat er dies schon geschafft. Beispielsweise war er an der Junioren-WM dabei (als Roy Cipriano den Titel holte).
Apropos Cipriano. «Toni» Cerundolo kann kaum einen Satz aussprechen, ohne den Namen Cipriano zu sagen. Wegen der Wohler Kickbox-Legende Rocco Cipriano begann er 1991 mit dem Kampfsport. Er machte Cerundolo mit Andy Hug bekannt. Und er war Wegbegleiter, Freund und steter Rückhalt im Alltag und im Sport. Ein besonderer Fakt: Cerundolo war während Rocco Ciprianos Profi-Zeit sein Betreuer bei den Kämpfen – und gleichzeitig sein Schüler. Cerundolo sagt: «Er ist wie ein Bruder für mich. Rocco hat mich teilweise auch erzogen. Die Werte, die er mir vermittelt hat, lebe ich bis heute.»
Einziger A-Schiri des Landes
Den schwarzen Gurt erlangte Cerundolo mit 16 Jahren und Bestnote. Heute hat er den 5. Dan. Er arbeitet als Aussendienstmitarbeiter und lebt in Anglikon. «Ich war eine Zeit lang weg. Nun bin ich zurück zu den Wurzeln und es fühlt sich gut an», so Cerundolo. Nach 16 Jahren Beziehung und fünf Jahren Ehe folgte ein herber Schlag. «Die Scheidung hat mir zugesetzt», sagt der 38-Jährige. Der Anker in dieser schweren Zeit waren nebst seiner Tochter Anna und Bruder Domenico natürlich Rocco Cipriano und der Sport.
Die schwierige Zeit ist Vergangenheit. Heute ist er überglücklich mit seiner neuen Partnerin Michela Carrozza. «Sie unterstützt mich, wo es nur geht», sagt er. Denn Cerundolo ist nach wie vor viel unterwegs. Nicht mehr wie früher als Aktivsportler, als er mehrmaliger Schweizer Meister wurde und den 3. Rang an der Kickbox-WM holte, sondern als Schiedsrichter. Beim Kickboxen ist er B-Schiedsrichter, regelmässig national und international im Ring. In der Schweiz ist er momentan der einzige Schiedsrichter mit diesem Status. Und auch im Boxen ist er auf gutem Weg, Ringrichter zu werden auf internationalem Niveau. Damit er das schafft, muss er zuerst alle Probeläufe durchmachen und die Prüfung bestehen. So akribisch wie er arbeitet, wird dies aber wohl eine Formsache werden. Einen grossen Profi-Boxkampf zu leiten, «dies wäre ein riesiger Traum», sagt er.
Der Sport gibt ihm nach wie vor viel. «Es ist Liebe und Leidenschaft. Eine Lebenseinstellung», so Cerundolo. Er behauptet von sich selbst, dass er zu Aktivzeiten nicht wahnsinnig viel erreicht habe, er aber nichts bereue. Er kratzte an der Weltspitze, konnte mit den Besten mithalten. Die Topkämpfer waren aber immer eine Nummer zu gross.
«Wenn, dann richtig»
Als er 2010 mit dem Kickboxen aufhörte, lancierte er die zweite Karriere als Schiedsrichter. Vor zwei Jahren folgte sein erster Einsatz als internationalen Ringrichter an der Kickbox-Europameisterschaft. Und es geht weiter steil aufwärts. «Wenn ich etwas mache, dann richtig und nicht halbbatzig.» Nun ist er in ganz Europa unterwegs an den Kampfsportevents. Er wurde zudem an die Kickbox-WM nach Maribor eingeladen. «Doch ich habe keine Ferien mehr und kann nicht gehen.» Das Problem: In der Randsportart ist das Geld in kleinen Mengen vorhanden. Viele Ausgaben muss man aus der eigenen Tasche bezahlen. «All Inclusive» ist ein Wunschdenken. «Aber ich mache es nicht wegen dem Geld», sagt Cerundolo, «sondern zum Wohle des Sports.»
«Dann frage ich einfach Rocco»
Der aufgestellte Mann ist ein weiteres Musterbeispiel für die «Lebensschule» Cipriano, die schon grosse Persönlichkeiten hervorbrachte und ganz bestimmt noch hervorbringen wird. «Ich gehe meinen Weg weiter. Und wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann frage ich einfach Rocco», sagt Cerundolo lächelnd.



