So geht Nächstenliebe
30.11.2018 WohlenVerleihung des Freiämter Sozi-Preises an drei Wohlerinnen für ihren unermüdlichen Einsatz im «Salmen»
Silvia Gygli, Anne Oettli, Maya Zihlmann. Diese drei Frauen tragen das Herz auf dem rechten Fleck. Leben tagtäglich echte ...
Verleihung des Freiämter Sozi-Preises an drei Wohlerinnen für ihren unermüdlichen Einsatz im «Salmen»
Silvia Gygli, Anne Oettli, Maya Zihlmann. Diese drei Frauen tragen das Herz auf dem rechten Fleck. Leben tagtäglich echte Integration vor. Sie sind die guten Feen in der Asylunterkunft Salmen. Und wurden deshalb mit dem Freiämter Sozi-Preis ausgezeichnet.
Daniel Marti
Sie sind da für Menschen in Not, sie helfen und unterstützen. Und sie sind praktisch hereinspaziert in den «Salmen» und wollten, dass es den Menschen dort gut geht. Das ehemalige Restaurant an der Zentralstrasse ist seit März 2016 eine kantonale Asylunterkunft. Für Silvia Gygli, Anne Oettli und Maya Zihlmann ist der «Salmen» ebenfalls ein Ziel. Denn dort benötigt es ihre Hilfe. Anfänglich wollten sie den Asylsuchenden die Sprache lehren. Inzwischen ist aus dem Deutschunterricht viel mehr geworden. Kinder hüten, kochen, basteln, Kürbis schnitzen, Teeplausch und vieles mehr.
Manchmal sogar aus dem eigenen Sack
Dies sind für die SP des Bezirks Bremgarten genügend Gründe, dem Trio Silvia Gygli, Anne Oettli und Maya Zihlmann den Freiämter Sozi-Preis 2018 zu verleihen. «Für nachhaltiges Engagement in der Flüchtlingsbetreuung», wie Grossrat Thomas Leitch in seiner Laudatio erwähnt. «Mit grossem Elan, vielen Ideen und oft mit Finanzen aus dem eigenen Sack haben sie ihre Arbeit und ihr Zusammensein mit den Flüchtlingen gestaltet», so Leitch weiter. Die hiesige Sprache zu lernen, auch den Umgang mit den Behörden, das sei vor allem für diejenigen «ein Segen, die seit drei Jahren im Asylverfahren stehen».
Mittlerweile organisiert das Trio jeweils am Mittwoch einen Teeplausch im «Salmen». Da werden Themen des Alltags, Bräuche, das praktische Leben in der Region besprochen und erklärt. Von Weihnachten über Fasnacht bis hin zur Schule und zum Umgang mit Geld. Integration mit Tiefe.
Man könnte meinen, dass diese Unterstützung, dieser vorbildliche Einsatz auf Zustimmung trifft. Ausgerechnet eine offizielle Betreuerin der kantonalen Stelle machte laut Leitch den drei Frauen «das Leben schwer, am liebsten hätte die Betreuerin sie aus dem ‹Salmen› vertrieben». Silvia Gygli, Anne Oettli und Maya Zihlmann sind hartnäckig geblieben.
Acht Familien aus fünf Nationen – und 100 Fünfliber
«Eisern haben sie ihr Wirken durchgezogen und sich immer wieder eingesetzt», so Leitch. «Hut ab vor diesem Mut.» Die Betreuerin ist mittlerweile weg, die drei Wohlerinnen sind immer noch da. «Es war halt nicht immer einfach», blickt Maya Zihlmann zurück. «Wir waren oft am Anschlag. Aber wir bekamen immer Hilfe von guten Menschen.» Allen voran von der Toolbox. Und seit Januar 2017 ist die Koordinationsstelle beim Verein für Jugend und Freizeit angesiedelt. Auch Übersetzer oder Übersetzerinnen sind stets gefragt. Es sei wichtig, so Maya Zihlmann, die «vielfältige Unterstützung zu spüren». Und Anne Oettli fügt hinzu, dass der Sprachunterricht auch zu einem wertvollen Netz geführt habe. Integration sei manchmal eine harte Realität. «Mit ein bisschen Deutsch und mit ein bisschen Geld kommt man in der Schweiz nicht weit.» Anne Oettli hofft einfach, dass dieses Netzwerk bestehen bleibt. Im «Salmen» leben zurzeit acht Familien mit Kindern. Sie stammen aus fünf Nationen. Afghanistan, Eritrea, Russland, Syrien, Türkei. Und alle sind sie in die Kulturbeiz gekommen, um die Preisverleihung des Sozi-Preises mitzuerleben. Ein schönes, würdevolles Zeichen.
Mit 100 Fünflibern ist der Sozi-Preis dotiert. Das Trio wird die Summe bestimmt gut einsetzen. Sowieso, für Silvia Gygli gibt es Wertvolleres. Sie sagt es gleich: «Ich bin stolz, dass alle Asylsuchenden vom ‹Salmen› an die Preisverleihung gekommen sind, um mit uns zu feiern.»
«Die Menschen einfach anständig behandeln»
Übrigens die drei ausgezeichneten Frauen kennen sich gar noch nicht sehr lange. Per Zufall arbeiteten sie am gleichen Marktstand. Und gemeinsam gingen sie danach ins Open-Air-Kino. Dort – während des Heidi-Films – wurden sie angesprochen, ob sie denn Interesse hätten, Deutsch-Kurse für Asylsuchende anzubieten. Warum eigentlich nicht? Daraus ist ein wertvolles Engagement entstanden. Und heute gibt es im «Salmen» «viele glückliche Menschen, besondere Momente und eine wunderbare Atmosphäre», erzählt Thomas Leitch.
Diese drei Frauen müssen einfach geehrt werden. «Ach, das machen doch Hunderte andere auch», sagte Maya Zihlmann, als sie von der Auszeichnung erfuhr. Das sei doch übertrieben. Über ihren Einsatz müsse man doch gar nicht so ausführlich berichten. Trotzdem: Die Freude ist gross. Und die Verleihung des Sozi-Preises macht das Trio auch stolz. «Wir machen etwas Sinnvolles. In dieser Zeit, die wir im ‹Salmen› verbringen, könnten wir auch shoppen gehen.» Aber vielleicht ist es den drei im «Salmen» wohler als in einem hektischen Shoppingcenter.
Und dann wird Maya Zihlmann noch etwas nachdenklich. An der Basis werde halt oft falsche Integration betrieben, erklärt sie. «Man muss die Menschen einfach anständig behandeln, dann hat man schon ganz viel erreicht.»
Sie haben ja Zeit, sagen die drei Wohlerinnen. Aber ganz so einfach kann die Gleichung nicht erklärt werden. Da wurde im «Salmen» der Integration sowie der Nächsten- und Menschenliebe ein Gesicht gegeben – dank Silvia Gygli, Anne Oettli und Maya Zihlmann.
«Das wird sehr geschätzt»
Er wisse genau, dass die drei Frauen das Rampenlicht nicht suchen, erklärte Gemeindeammann Arsène Perroud an der Preisverleihung des Sozi-Preises. Aber Silvia Gygli, Anne Oettli und Maya Zihlmann leisten im «Salmen» eine Arbeit, «welche die Gemeinde sehr stark schätzt». Der Einsatz des Trios verdient laut Perroud einen grossen Dank. «Es ist schön mitzuerleben, wie ihr drei dafür sorgt, dass sich die Asylsuchenden hier wohlfühlen.»
Perroud weiss, wie gut behütet die Menschen im «Salmen» sind, denn in der Jugendzeit ist er in der Nachbarschaft von Anne Oettli aufgewachsen: So wie er vor über 25 Jahren werden die Asylsuchenden nun in der Nähe von Anne Oettli ein gutes und intaktes Umfeld geniessen dürfen. --dm



