Die «Alten» könnens noch
20.11.2018 KampfsportKarate: Schweizer Meisterschaft in Wohlen
400 Zuschauer und ein einheimischer Sieg bei den Elite-Frauen: Die SM in Wohlen bot viele Höhepunkte.
Tolle Idee des organisierenden Karate-Clubs Wohlen: Erstmals wurde ein Senioren-Turnier ...
Karate: Schweizer Meisterschaft in Wohlen
400 Zuschauer und ein einheimischer Sieg bei den Elite-Frauen: Die SM in Wohlen bot viele Höhepunkte.
Tolle Idee des organisierenden Karate-Clubs Wohlen: Erstmals wurde ein Senioren-Turnier durchgeführt. Die sechs Kämpfer schenkten sich nichts. Ehrgeizig wie die jüngsten Teilnehmer an der SM ging man ans Werk. Peter Hubschmid vom Karate-Club Anglikon scheiterte erst im Final – auch wegen eines Rippenbruchs. Überzeugen konnte Angela Felber (ebenfalls KC Anglikon). Sie siegte bei den Elite-Frauen. Die SM in Wohlen bot Karate-Kunst und packende Kämpfe. --red
Wenn Senioren zuschlagen
Karate: Schweizer Meisterschaft in der Wohler Hofmattenhalle – Angela Felber wird Schweizer Meisterin
75 Teilnehmer, 400 Zuschauer und eine grosse Karate-Party: Die Schweizer Meisterschaft in Wohlen bot besten Kampfsport. Am meisten Emotionen gab es bei den Kämpfen der Senioren, die erstmals durchgeführt wurden. Der Auftritt von Peter Hubschmid vom Karate-Club Anglikon war ein wahrer Krimi.
Stefan Sprenger
«Ich lebe noch», sagt Peter Hubschmid am Montagmorgen am Telefon. Am Samstagnachmittag war er nach seinen Kämpfen nicht in der Lage zu sprechen. Mit gebrochener Rippe lag der Freiämter bei den Sanitätern. Die Luft blieb ihm weg. Er brauchte Erholung.
Der Gegner mit dem «Mörder-Blick»
Seine drei Kämpfe in der Senioren-Klasse waren allesamt ansehnlich und höchst spannend. Gegen Manuel Junquera aus Genf gewinnt Hubschmid. Der Gegner trifft ihn aber so heftig, dass seine Rippe bricht. Zeit um zu verschnaufen, gibt es nur wenig. Der 48-Jährige muss nur wenige Minuten später wieder ran. Von über 100 Fans wird der Lokalmatador lautstark angefeuert. Hubschmid, der im Alter von 15 Jahren mit dem Karate angefangen hat, zieht durch – und gewinnt.
Alle warten auf den grossen Finalkampf in der Seniorenkategorie. Der Gegner heisst Alessandro Polimeno, ist acht Jahre jünger und ein früherer Spitzenkämpfer. Hubschmid vom Karate-Club Anglikon hält dagegen. Laustark wird er von der Fan-Gemeinde angefeuert. «Ich hatte den Tunnelblick beim Kampf, die coole Stimmung habe ich erst realisiert, als ich das Video davon gesehen habe», sagt Hubschmid. Gegen Polimeno, der während des ganzen Fights einen wahren «Mörder-Blick» in den Augen hatte, ist es ultra-spannend. Am Ende reicht es knapp nicht zum Sieg. «Ich konnte meine Spitzenleistung nicht abrufen», sagt Hubschmid, der nach dem Kampf definitiv eine gewisse Ruhezeit braucht. «Ich glaube, das war mein letzter Auftritt. Ich wollte mir nochmals den Kick holen, das habe ich geschafft.» Mit seiner Leidenschaft hat er das Publikum angesteckt. «Ein Sieger der Herzen», dürfte man sagen.
Den Pechvogel-Preis holt Erich-Andreas Bürgisser vom Karate-Club . Im Alter von 50 Jahren tritt er zu seinem ersten Vollkontakt-Kampf an. Es geht gleich gegen den späteren Sieger Polimeno. Kaum hat der Fight angefangen, kassiert Bürgisser einen heftigen Kopftreffer. Kampfende. Später wird klar: Die Nase ist gebrochen.
Angela Felber holt den Titel: «Das kam unerwartet»
Natürlich war die Stimmung in der vollen Hofmattenhalle auch bei den Kämpfern der Elite-Kategorie hervorragend. Drei Freiämter starteten bei den Aktiven. Oliver John vom Karate-Club Wohlen konnte nach zwei Kämpfen in seiner Kategorie wegen einer Verletzung den Kampf um den 3. Platz nicht bestreiten. Raoul Keusch – ebenfalls vom KC Wohlen – sagte im Vorfeld, er wolle den Titel holen. So tritt er denn auch auf. Einen Sieg durch k. o. holt er im ersten Kampf. Im Final kriegt er einen Tritt gegen die Leber. «Die Luft blieb weg, ein stechender Schmerz – für 10 Sekunden war ich kampfunfähig.» Der Waltenschwiler Keusch verliert und holt den 2. Rang. «Ich gab mein Bestes, aber der Schlag des Gegners war ein ‹Lucky Punch›. So bin ich trotzdem zufrieden», sagt der Vize-Schweizer-Meister.
Bei den Frauen gab es den ersehnten Titel für das Freiamt. Angela Felber gewinnt ihre drei Kämpfe in souveräner Manier. «Das kam doch eher unerwartet», sagt die Kämpferin vom Karate-Club Anglikon. Vor acht Monaten hat sie die Hüfte operiert – und nun ist sie Schweizer Meisterin. «Natürlich ist das sehr erfreulich», sagt sie lächelnd.
Jugend überzeugt bei Wohlen
Lachen konnte auch Raphael Gauch, der «Shihan» und Organisator vom Karate-Club Wohlen. «Alles hat gut geklappt, wir kriegten viele Komplimente. Es gab faire und spannende Kämpfe», sagt Gauch. Auch für ihn besonders waren die vielen Zuschauer. 400 waren es am Nachmittag. «Schön, dass diese Kampfsportart auf viel Interesse stösst.» Für ihn und den Verein erfreulich: Bei den Junioren gab es einige Podestplätze. Deepa Thirutabandran (Mädchen, 14 bis 15) gewann. Nick Müller (Knaben, 11 bis 13) siegte vor Arun Thirutabandran. Bei den Knaben 14 bis 15 im Leichtgewicht siegte Sandro Kuster. Bei den Knaben (14 bis 15, Schwer) holte Max Norsky vor Nico Keusch den Titel.
Die jungen Freiämter überzeugen genauso wie die «Alten». Es ist der Beweis dafür, dass an der SM in Wohlen von den Jüngsten bis zu den Senioren allesamt etwas zeigten und das Publikum viel geboten bekam.






