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09.11.2018 BremgartenSanierung/Neubau des Alterszentrums Bärenmatt: Es liegen drei Varianten vor
Die von spezialisierten Fachleuten erarbeitete Studie ist aussagekräftig und dokumentiert die Vor- und Nachteile der Varianten übersichtlich. Rein ...
Sanierung/Neubau des Alterszentrums Bärenmatt: Es liegen drei Varianten vor
Die von spezialisierten Fachleuten erarbeitete Studie ist aussagekräftig und dokumentiert die Vor- und Nachteile der Varianten übersichtlich. Rein betriebswirtschaftlich beurteilt, wäre eine Variante vorzuziehen, die in Bremgarten auf Gegenwind stossen wird.
Lis Glavas
Die Initiative für den Infoanlass im Casino ging vom Stadtrat aus. «Uns geht es darum, die Meinungen in unserer Bevölkerung zu kennen», erklärte Stadtammann Raymond Tellenbach. Schätzungsweise zwei Drittel der Teilnehmenden waren Bremgarter. «Aus unserer Sicht sind die Varianten 1 und 2 denkbar. Momentan bevorzugen wir die Variante 2.» Um sich klarer zu positionieren, benötige der Stadtrat den Finanzierungsplan, präzisierte er auf Nachfrage. Diesen Plan liess der Vorstand des Gemeindeverbandes Regionale Alterszentren von der Finanzberatungsfirma BDO AG ausarbeiten. Er bescheinige den Varianten 1 und 2 (siehe Kasten) Finanzierbarkeit, erklärte Geschäftsführer Roger Cébe. Die Variante 1 würde in zirka vier Jahren eine leichte Erhöhung der Pflegetaxen zur Folge haben, die Variante 2 dagegen keine.
Der Vorstand und die Baukommission favorisieren den Vorschlag 2: die Verlegung der Pflegeplätze aus der Bärenmatt in einen Neubau neben dem Zentrum Burkertsmatt in Widen und den Bau von 36 Alterswohnungen (mit Service) in der Bärenmatt.
Information mit Manko
Roger Cébe beleuchtete ausführlich das Umfeld, welches bei diesem weitreichenden Entscheid zu berücksichtigen ist. Es sei die Frage zu beantworten, welche Anforderungen der Markt an die Zentren und ihre Dienstleistungen stellt. Zu richten hat sich der Verband nach dem kantonalen Pflegegesetz, dem Gemeindegesetz, den Verbandssatzungen, dem Baugesetz und diversen Verordnungen. Zu berücksichtigen ist der Wandel bei der Nachfrage sowie der Wandel in den Institutionen und in der Langzeitpflege. Er dokumentierte anhand von Bildern die Beengtheit und den Sanierungsbedarf in der Bärenmatt.
Die von ihm präsentierten Zahlen und Statistiken waren auf der Leinwand gut zu lesen. Die von Mitverfasserin Gabriela Devigus Minder präsentierte Studie leider nur schlecht oder gar nicht. Um den Ausführungen der Fachfrau gut folgen zu können, hätten die Teilnehmenden die Lesbarkeit benötigt. Dieses Manko minderte den Wert der Information deutlich und und löste im Publikum entsprechende Kritik aus.
Zwei in Finanzangelegenheiten bewanderte Teilnehmende wünschten, den Finanzierungsplan zur Verfügung zu haben. Der Vorstand solle ihn auf die Homepage setzen, meinten sie. Der gehe jetzt an die Gemeinderäte, erklärte Roger Cébe. Es sei deren Sache, ihn bei Bedarf weiterzureichen.
Auf Pflegebetten in der Stadt gepocht
Zwei Bremgarter plädierten mit Nachdruck für den Erhalt von Pflegeplätzen in der Bärenmatt. Die Initiative für die Gründung des Gemeindeverbandes sei von Bremgarten ausgegangen. Alterswohnungen seien wohl ein Thema. Aber nicht alle könnten sich diese leisten, weshalb auf ein Altersheim in der Stadt nicht verzichtet werden könne. Roger Cébe erinnerte an die Gesetzgebung, welche das System «ambulant vor stationär» fordert und die Dienstleistungen der Spitex entsprechend fördert. «Deshalb verschwinden die klassischen Altersheime.» Er betonte, dass sich «Wohnen im Alter» beziehungsweise «Wohnen mit Service» – wie in der Variante 2 für Bremgarten vorgesehen – selbst finanzieren müsse.
Cébe wurde nach Grösse und Mietpreis dieser Wohnungen gefragt. «Vorgesehen sind 2½- und 3½-Zimmer-Wohnungen für zirka 1400 bis 1500 Franken.» Verglichen mit dem Casa Güpf in Wohlen und der Altersresidenz Belano in Berikon, beide von privaten Investoren finanziert, ein tiefer Ansatz. Ein Zuhörer betonte aber: «Nicht jeder, der sein abbezahltes Eigenheim verlässt, kann sich 1500 Franken leisten.»
Eine Teilnehmerin hätte die Diskussion gerne auf einer emotionaleren Ebene geführt. Sie sprach die allfällige Verpflanzung von Bewohnenden aus der Bärenmatt nach Widen an. Die Bedeutung des Daheims, des gewohnten Umfeldes, dürfe nicht unterschätzt werden. «Auch nicht bei Demenzkranken.»
Peter Spring, Gemeindeammann in Widen und Mitglied des Verbandsvorstandes, erklärte: «Wir müssen alles in Betracht ziehen, die Betriebswirtschaftlichkeit und das Tagesgeschäft. Insgesamt sprechen die Studienergebnisse mehrheitlich für die Variante mit dem Neubau in Widen. Und für Alterswohnungen in Bremgarten kenne ich keinen besseren Standort als die Bärenmatt. Für sehr pflegebedürftige und demenzkranke Menschen ist der Standort der Pflegebetten nicht so relevant.»
Der Zentralbau der St. Josef-Stiftung wurde angesprochen. Da sei doch mal die Rede von Alterswohnungen gewesen. Stiftungsleiter Thomas Bopp war anwesend. «Der Zentralbau wird umfassend saniert. Ein Teil des Raumangebots wird für interne Bedürfnisse genutzt. Die anderen Etagen sollen nach Beschluss des Stiftungsrates für generationenübergreifendes Wohnen genutzt werden.»
Spitex sehr willkommen
«Ohne mich politisch in die Nesseln setzen zu wollen, möchte ich den Einbezug der Spitex in die Planung Bärenmatt vorschlagen», sagte Gabriela Minder. Ob die Alterszentren die von den Wohnungsmietern benötigte Pflege nicht auch anbieten könnten, wurde gefragt. «Grundsätzlich könnten wir das», antwortete Cébe. «Aber wir wollen die Spitex nicht konkurrenzieren.» Dass die Spitex in der Bärenmatt höchst willkommen wäre, steht ausser Frage.
Die Abgeordneten des Gemeindeverbandes entscheiden am 29. November, welche Variante den Gemeindeversammlungen vorgelegt werden soll. Der Verbandsvorstand möchte den Antrag im nächsten Sommer traktandiert sehen. Er braucht eine einfache Mehrheit. Das heisst, sechs der zehn Verbandsgemeinden müssten ihm zustimmen. Diese Mehrheit sieht Raymond Tellenbach heute nicht gesichert. «Ein Fiasko ist nicht ausgeschlossen.»
Die Varianten
Die Variante 1 ist veranschlagt mit Kosten von 35,16 Millionen Franken. Sie beinhaltet den Ersatzneubau der Bärenmatt mit Rückbau bis Decke Untergeschoss, den Bau von 38 Wohnungen und 34 Pflegeplätzen und die Erweiterung der Tiefgarage. Das entspricht dem 2016 vorgestellten Vorprojekt «light». Hinzu käme der Bau eines Provisoriums in Widen, das mit 4 Millionen Franken beziffert wird.
Variante 2: Sanierung der Bärenmatt, Bau von 36 Wohnungen (mit Service für Wohnen im Alter), keine Pflegeplätze. Stattdessen ein Neubau auf der «Zirkuswiese» neben dem Alterszentrum Burkertsmatt in Widen. Dieses Areal gehört den Ortsbürgern. Man geht momentan von einem Baurechtsvertrag aus. Es wären Baurechtszinsen zu entrichten. Die gesamten Baukosten für diese Variante sind mit 37 Millionen Franken veranschlagt.
Variante 3: Rückbau der Bärenmatt bis Rohbau und Erweiterung für 33 Wohnungen und 28 Pflegeplätze. Mit dem für die Bauzeit nötigen Provisorium würde der Kreditantrag 36,7 Millionen betragen.
Der in Variante 2 enthaltene Ergänzungsbau auf der Burkertsmatt würde 60 Pflegeplätze auf zwei Geschossen (davon 15 Plätze für Palliativpflege und 20 Plätze für Demenzpflege) und ein Untergeschoss beinhalten.
Für die Variante 2 spricht in finanzieller Hinsicht, dass ohne Rückbau der Bärenmatt deren Restwert nicht vernichtet würde. Geschäftsführer Roger Cébe bezifferte diesen mit 14 Millionen Franken. Es müssten auch nicht 4 Millionen Franken für ein Provisorium investiert werden, das nach den eineinhalb Jahren Bauzeit ausgedient hätte. Inklusive Neubau in Widen würde sich der Immobilienbestand des Gemeindeverbandes um zirka 30 Millionen Franken erhöhen. --gla



