«Wir lassen dich nicht gerne gehen»
27.11.2018 WohlenAbschiedsgottesdienst: Katholische Kirchgemeinde sagt ihrem beliebten Pfarrer Kurt Grüter Adieu
Dankbarkeit und Wehmut dürften sich in den Herzen vieler Gläubigen vereint haben, als sie den Abschiedsgottesdienst ihres beliebten Pfarrers und ...
Abschiedsgottesdienst: Katholische Kirchgemeinde sagt ihrem beliebten Pfarrer Kurt Grüter Adieu
Dankbarkeit und Wehmut dürften sich in den Herzen vieler Gläubigen vereint haben, als sie den Abschiedsgottesdienst ihres beliebten Pfarrers und Domherrn Kurt Grüter besuchten.
Während acht Jahren stand der Seelsorger der Pfarrei Wohlen vor, die letzten zwei Jahre auch als Leiter des Pastoralraums Unteres Freiamt. Aus allen sechs Pfarreien sind die Menschen zusammengekommen, um ihrem volksverbundenen Pfarrer die Ehre zu erweisen. Auch für die «Missione Cattolica Italiana» und die evangelisch-reformierten Christen zieht ein Freund von Wohlen weg.
Im Oktober 2010 übernahm der damalige Bischofsvikar Kurt Grüter als Pfarrer die katholische Pfarrei Wohlen. Anfang 2011 wurde er zu einem der beiden nicht residierenden Aargauer Domherren ernannt. Während den Jahren seines Wirkens in der Region hat Kurt Grüter vieles bewegt, was aus den zahlreichen ehrenden Dankesworten hervorging. Mit ihm verliert Wohlen und die ganze Region einen Seelsorger, an den man sich gerne noch lange zurückerinnern wird. Die vollbesetzte Pfarrkirche war ein eindrückliches Zeugnis über die Beliebtheit des scheidenden Magistraten.
Begleitet von farbenfrohen Fahnendelegationen und vom ganzen Seelsorgeteam zog Pfarrer Kurt Grüter ein letztes Mal in die von ihm geliebte Wohler Pfarrkirche ein. Angela Stocker mit Querflöte und Hansueli Brunner an der Orgel sorgten für eine feierliche Umrahmung des Abschiedsgottesdienstes.
Der König von Gerechtigkeit und Frieden lebte in Armut
Pfarrer Grüter widmete seine Predigt dem Christkönigsfest. Das Königstum hatte schon immer eine Bedeutung. Früher gab es viele Könige, «die ihre Macht missbrauchten und Menschen unterdrückten». Viele Menschen sind von Königen fasziniert. «Heute gedenken wir eines anderen Königs. Es ist Jesus Christus, dessen Königtum nicht von dieser Welt ist. Er ist ein König, der sich abhebt von vergänglicher Macht. Er lebte in Armut und setzte sich für die Armen, Kranken und Leidenden ein.» Als König von Gerechtigkeit, Frieden und Liebe ist er «der König von Gottes Reich». Er lädt jedermann ein, in seinem Reich Platz zu nehmen. «Bei der Taufe sind wir durch die Salbung in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen worden. Durch die christliche Taufe wurde uns die Menschenwürde zugesprochen. Versuchen wir, ihm nachzufolgen und mitzubauen an seinem Königtum. Immer wieder haben wir Grund zu Dankbarkeit für die Geschenke, die uns Jesus gegeben hat.» Dankbar ist auch der scheidende Pfarrer. «Ich bin dankbar für die Zeit in Wohlen und im Pastoralraum Unteres Freiamt», so Kurt Grüter. Von Herzen dankte er für das Wohlwollen, das er erfahren durfte. Pfarrer Grüter dankte auch für die vielen eindrücklichen Erfahrungen in Wohlen. «Ich habe hier viele liebe Menschen getroffen und mit ihnen wunderbare, bereichernde Gespräche geführt und nehme gute Erinnerungen mit.» Der Pfarrer weiter: «Seid als Könige und Königinnen der Liebe miteinander verbunden.»
Im Anschluss an die Messfeier verabschiedete Pfarrer Grüter die Gottesbesucher persönlich und gab ihnen beste Wünsche mit.
Abschied macht traurig
Nach dem feierlichen Abschiedsgottesdienst würdigte Kirchenpflegepräsident Josef Brunner dankend die Verdienste von Pfarrer Grüter. Was Josef Brunner sagte, lag wohl allen Besucherinnen und Besuchern auf dem Herzen: «Dieser Abschied macht uns traurig, auch wenn man es nachvollziehen kann. Wir lassen dich nicht gerne gehen. Wir haben dich als sehr einfühlsame Person mit viel Engagement erlebt.»
Der Kirchenpflegepräsident erinnerte an die Momente, in denen Kurt Grüter nach getaner Arbeit als geselliger Mensch im Kreise der Kirchenpflege weilte. «Es war stets ein gutes Zeichen, ihn bei einem Glas Wein und eine Pfeife rauchend zu sehen.»
Kein schöner Tag…
Auch der Präsident des Pastoralraumes Unteres Freiamt verdankte die grossen Verdienste von Pfarrer Grüter, der als Kapitän das Schiff «Pastoralraum» gut auf Kurs gebracht hat. Es war eine grosse Aufgabe, sechs Pfarreien, die sich zum Teil wenig gekannt haben, einander nahe zu bringen, zumal auch noch personelle Wechsel im Seelsorgeteam anstanden. «Kurt Grüter war als Manager und Seelsorger doppelt gefordert. Er hat mit Freude, Engagement und Beharrlichkeit gearbeitet», so Marc Staubli. «Heute ist es ihm zu gönnen, wenn er mehr Zeit für die Seelsorge wie auch für sich erhält.»
Don Luigi Talarico sprach für die «Missione Cattolica Italiana»: «Heute ist kein schöner Tag für uns. Die Zeit der Zusammenarbeit mit Pfarrer Grüter war eine sehr schöne und fruchtbare Zeit für die italienische Gemeinschaft Wohlen. Wir haben uns gegenseitig ermutigt und erfreut.» Don Luigi würdigte die Verdienste von Kurt Grüter, der sich für die vollständige Integration der Italiener in die Pfarrei Wohlen engagiert hatte. In italienischer Liebenswürdigkeit bekannte Don Luigi, dass er Pfarrer Grüter leider umsonst ersucht habe, seinen Wegzug doch um einige Jahre zu verschieben. Er respektiere die Entscheidung zum Wegzug, auch wenn er sie nicht teile.
Pfarrer Kurt Grüter wird ab 1. Februar 2019 in Kriens ausschliesslich für die Seelsorge, die Sakramentsspendung und für Segnungen zuständig sein. --tre
Er hinterlässt Spuren
Im Anschluss an die Abschiedsfeierlichkeiten in der Kirche trafen sich die Gläubigen im Chappelehof zum Apéro, wo sich auch eine Delegation der reformierten Kirchgemeinde mit Pfarrerin Sabine Herold zur Gemeinschaft gesellte. Pfarrerin Sabine Herold widmete ihrem Amtskollegen eine besondere Geschichte, die aussagekräftiger ist als lange Reden. Mit eindrücklichen Segensworten (Sedulius Caelius, 5. Jahrhundert) dankte sie ihm für die wunderbare Zusammenarbeit und wünschte ihm den Segen für überall dort, wo er künftig sein und wirken wird. Sie übergab ihm ein Schatzkästchen mit einem Schriftstück zum Dank und Segenswunsch als Inhalt. «Kurt Grüter hat in Wohlen viel Gutes bewirkt. Er ist zum Segen für viele geworden und hinterlässt hier seine Spuren», so die anerkennenden Worte von Pfarrerin Herold.
Stimmen aus dem Volksmund
Wer den Volksmund hörte, stellte übereinstimmend fest, das hier eine grosse, menschenfreundliche Person die Region Wohlen verlässt. Die italienisch- und fremdsprachigen Katholiken, die evangelischen Mitchristen, jüngere und ältere Menschen, sind sich darin einig: «Es ist wirklich schade, dass Pfarrer Grüter uns verlässt, auch wenn für seine Gründe Verständnis besteht.»
Weitere Einschätzungen: «Er war einer von uns. Man liebte ihn, seine Menschenfreundlichkeit, sein offenes Herz für alle.» – «Man spürte, dass mit ihm ein echter Brückenbauer und Freund für alle da war.» Und zu seiner Amtszeit in Wohlen: «Was vergangen, kehrt nicht wieder, ging es aber leuchtend nieder, leuchtets lange noch zurück.» --tre



