«Stets noch mehr bewirken»
20.11.2018 WohlenJugendsession in Wohlen: Auf der Wunschliste steht zuoberst die Einführung eines Schülerrates
Wohlen soll sich in den nächsten Jahren dem Idealbild der Jugend annähern. Dazu wollen die jungen Menschen ihren Anteil leisten. Mit soliden ...
Jugendsession in Wohlen: Auf der Wunschliste steht zuoberst die Einführung eines Schülerrates
Wohlen soll sich in den nächsten Jahren dem Idealbild der Jugend annähern. Dazu wollen die jungen Menschen ihren Anteil leisten. Mit soliden Vorschlägen.
Daniel Marti
«Das waren zwei aufregende Tage. Es hat echt Spass gemacht», freut sich Gian Wiegner. Er ist Projektleiter der Jugendsession. Er erlebte in dieser Funktion seine erste Session mit den jungen Menschen. Er sei mit der Premiere vollends zufrieden, sagt er. «Es war ein riesiges Vergnügen mitzuerleben, wie die Jugendlichen ihre Anliegen ausgearbeitet haben.» Anliegen, die an den Gemeinderat gerichtet sind. Eines ist klar: Die Wohler Jugend will mehr und verstärkt mitbestimmen – damit sich Wohlen positiv entwickeln kann. Dies ist das Hauptanliegen der Jugendsession. Nun soll ein Schülerrat entstehen, praktisch als Verbindung zum bestehenden Jugendrat. Dort kommt dieses Anliegen sehr gut an. «Wir helfen mit, die Jungen zu motivieren, damit sie in die Politik einsteigen», sagt Lionel Zingg, der als Präsident des Jugendrates wieder gewählt wurde. Zudem glaubt er, dass es dem Jugendrat jedes Jahr gelingt, sich vermehrt einzubringen. «Wir möchten jedes Jahr noch mehr bewirken.» Grosse Stücke vom Jugendrat hält Gemeinderat Paul Huwiler. Der Jugendrat sei nicht nur das Bindeglied zwischen Jugend und Politik. «Das sind die Profis unter den Jungpolitikern.» Er kann es beurteilen, denn Huwiler war seit der ersten Jugendsession immer persönlich anwesend. «In dieser Zeit hat die Qualität der Anliegen der Jugendsession immer zugenommen.» Nur so sind laut Huwiler die Anliegen auch umsetzbar: «Das macht es aus und ist sehr wertvoll.»
Neuer Schülerrat und «Polit-Kafi»
Jugendsession: Die Anliegen der Jugend – mehr Mitbestimmung, verlässliche Infos, besserer Austausch
Am Ende der Jugendsession wird einem Mitglied des Gemeinderates jeweils ein Schriftstück mit den Anliegen der Jugendlichen in die Hand gedrückt. Gemeinderat Paul Huwiler durfte drei Themenbereiche und einen weitreichenden Blick in die Zukunft zur Kenntnis nehmen.
Daniel Marti
Mitbestimmung. Motivation für die . Austausch zwischen Politik und Jugend. Diese drei Themen beschäftigten die jungen Menschen an der Jugendsession. Bei einem so genannten World-Café vertieften sie diese Themenbereiche. Dass Jugendliche mehr Mitbestimmung verlangen, ist nicht neu. Die Jugendsession macht in dieser Richtung einen konstruktiven Vorschlag. Die Schüler aller Schulzentren fordern, dass ein schulhausübergreifender Schülerrat erstellt wird, um gemeinsam Anliegen und Anlässe durchführen zu können.
Eine App und Einsitz in Kommissionen
Die Hemmschwelle, seine Anliegen zu äussern, könne so gesenkt werden. Das Gremium Schülerrat sollte sich das ganze Jahr treffen und alle drei Schulzentren müssten darin vertreten sein. Und ganz wichtig: Dieser Schülerrat soll über eigene Mittel verfügen und kann bei gewissen Anliegen mit dem Jugendrat zusammenarbeiten. Die Teilnehmer der Jugendsession sind zudem bereit, sich im Schülerrat einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Weiter soll der Informationsfluss zwischen Politik und Jugend intensiviert werden. Mit einer App, auf der politische Entscheide und News kommuniziert werden, versprechen sich die Jugendlichen einen besseren Wissensstand. Zudem würden sich die jungen Leute besser in die politischen Prozesse eingebunden fühlen. Eine bessere Einbindung wird auch bei der Kommissionsarbeit gefordert. Dies dann jedoch über den Jugendrat. Der Jugendrat soll künftig ein bis zwei Sitze in «jugendrelevanten Kommissionen» erhalten, beispielsweise in der Kulturkommission. So könnte auch die Sicht der Jugend im Einwohnerrat besser vertreten werden.
Die Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Klassen sind auch bereit, selber einen Einsatz zu leisten. Beispielsweise mit einer Extra-Stunde in der Schule. Dort sollen dann von einer «politisch interessierten, neutralen und jungen sowie erwachsenen Person Inputs fliessen. In die gleiche Richtung geht der Wunsch, den Staatskundetag im Interesse der Schüler umzugestalten. Dies kann auch in einem «Kafi mit Politikern» oder in einem Projekt «Klassen laden Politiker zum Mittagessen ein» gipfeln. Vom Jugendrat organisiert, versprechen sich die jungen Leute bei einem solchen Treffen einen besseren Zugang zu den Politikern.
Wohlen in zehn Jahren
«Wohlen: What’s next?» So lautete der Titel der Jugendsession. Wie das ideale Wohlen in zehn Jahren aussehen sollte, durften sich die Jungpolitiker gleich selber ausmalen. In den Schulen sollen bis dahin häufiger digitale Geräte eingesetzt werden, Smartphones und Tablets. Die Jugendsession äusserte sich aber auch betreffend Sicherheit, öffentliche Lokalitäten und Abfall. So soll bis in zehn Jahren die Situation für Fussgänger und Velofahrer verbessert sein, dies soll mit einer übersichtlichen Gestaltung und gezielteren Förderung erreicht werden.
Statue für die Strohindustrie
Der Wunsch nach einer Verbesserung des öffentlichen Raums für die Jugendlichen ist ein Dauerbrenner an den Jugendsessionen. Ideal wäre eine «Jugendbar» für 12- bis 17-Jährige. Oder wie wäre es mit einer Statue, die an die glorreiche Vergangenheit von Wohlen erinnert? Also eine Strohhut-Statue, am besten mit einer integrierten Jugendbar. Künftig wollen die Jugendlichen die neuralgischen Punkte nennen und diesbezüglich Verbesserungen anbringen.
Selbstbewusst mitgestalten
13. Jugendsession im bbz freiamt mit 48 Jugendlichen: gemeinsam in die Zukunft
Jugend und Politik – das harmoniert nicht immer oder es fehlt am gegenseitigen Interesse. An der Jugendsession wurde das Gegenteil bewiesen. Die Wohler Jugend ist bereit. Sie will Wohlens Zukunft mitgestalten.
Daniel Marti
Von Jugendlichen für Jugendliche. Diese Richtung schlägt auch der neue Projektleiter der Jugendsession, Gian Wiegner, ein. «Die Jugendsession soll als politische Stimme wahrgenommen werden. Die Jungen wollen selbstbewusst mitbestimmen», betonte er. Und Wiegner, der die Jugendsession erstmals betreute, will auch Vorurteile abbauen. Etwa, dass sich Jugendliche nicht für Politik interessieren. Das Gegenteil sei der Fall. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der aktuellen Jugendsession «vertreten heute die Jugend, und morgen werden sie für Wohlen verantwortlich sein.»
Darum tun die Erwachsenen gut daran, auf die Anliegen der jungen Menschen einzugehen. «Dies ist nur mit gegenseitiger Anerkennung möglich.» Wiegner ist überzeugt davon, «dass es nur so gelingen wird, die Zukunft von Wohlen positiv zu gestalten».
Positiv und produktiv
An zwei Tagen arbeiteten und diskutierten die 48 Jugendlichen fleissig. Erst in Workshops, dann an der Session selber. Entstanden sind vier Anliegen, die beim Gemeinderat deponiert wurden (siehe Artikel Seite 30 oben). «Es war ein positiver Workshop, ein produktiver Tag», so Wiegner. Die Wohler Jugendlichen wollen vor allem vermehrt mitbestimmen, und sie möchten besser informiert sein. Um das zu verbessern, sind sie auch bereit, verstärkt mitzuarbeiten. Sie möchten Verantwortung tragen, Projekte allenfalls ausarbeiten. Und die jungen Menschen der Schulzentren Bünzmatt, Halde, Junkholz haben signalisiert, dass sie dem Jugendrat zur Seite stehen möchten.
An der Jugendsession diskutierten die jungen Menschen aber nicht «nur» über Wohlen und über ihre Anliegen, die Wohlen in zehn Jahren besser erscheinen lassen sollten. Sie widmeten sich auch Kurz-Debatten über nationale Themen. Soll Cannabis legalisiert werden? Diese Frage interessierte am stärksten. Aber auch die Verringerung des CO�-Ausstosses, Stimmrechtsalter 16, Tierversuche, öffentliche Jungbürgerfeier oder Zollgebühren auf ausländische Nahrung wurden diskutiert. Die Themenauswahl reichte bis hin zu den Beziehungen mit der EU. Bei jedem Thema mischten Experten mit – Mitglieder des Einwohnerrates, des Gemeinderates und ein Polizist von der Regionalpolizei. Diese Diskussionsrunden haben eindrücklich bewiesen, dass die Wohler Jugend vielfältig interessiert ist – und dass die Politik in ihrem Leben durchaus eine Rolle spielt.
Carmen Bärtschi verabschiedet
Letztlich war einer von der Jugendsession besonders begeistert. Es war Gemeinderat Paul Huwiler. «Eure Anliegen haben eine gewisse Qualität», freute er sich, «und alle Anliegen sind umsetzbar.» Für eine andere Person hiess es dagegen definitiv Abschied nehmen. Carmen Bärtschi war als Jugendarbeiterin lange für die Jugendsession zuständig. Nun war sie noch einmal an die Debatte gekommen, schaute sich alles an, und war letztlich glücklich und zufrieden.
Bärtschi wurde vom Jugendratspräsidenten Lionel Zingg und von ihrem Nachfolger Gian Wiegner gebührend verabschiedet. Sie sei stets der ruhende Pol gewesen, hiess es, sie habe stets für eine Art Entstressung gesorgt. Carmen Bärtschi selber rühmte Wohlen und die Jugendsession. «Die Wohler Jugend ist privilegiert. Denn Wohlen ist die einzige Gemeinde im Kanton, die einen Jugendrat hat und eine Jugendsession durchführt.» Und diese Besonderheit lohnt sich allemal, dies hat auch die aktuelle Jugendsession gezeigt.
Politiker geniessen wenig Vertrauen
Wohler Jugend zu Umfrageergebnissen betreffend Wahrheit
Bei der Vorstellung der aktuellen Ausstellung des neuen Stapferhauses in Lenzburg wurden an der Jugendsession auch verschiedene Umfragen angesprochen und den Jugendlichen wesentliche Fragen gestellt. Die Stapferhaus-Ausstellung «Fake. Die ganze Wahrheit» dreht sich um Lügen, Wahrheit, Realität und Wirklichkeit. «Man hat das Gefühl», sagte Projektleiterin Sonja Enz, «Lügen und Fakes sind überall.» Deshalb stellte sie den Teilnehmern gerne die gleichen Fragen, wie sie es bei der Schweizer Bevölkerung getan hat. Sind etwa Fake News ein Problem bei der politischen Meinungsbildung? Dieser Frage stimmte rund die Hälfte der Anwesenden zu. Gesamtschweizerisch liegt die Zustimmung bei erstaunlich hohen 83 Prozent. Oder wäre gar die Welt ohne Lügen eine bessere Welt? Das glauben nur vier Teilnehmer der Jugendsession, in der Schweiz liegt die Zustimmung bei 54 Prozent.
Wie sieht es aus mit dem Vertrauen in die Politik? Die konkrete Frage: Vertraut ihr darauf, dass die Politiker die Wahrheit sagen? Und wie viele Arme gingen von den Teilnehmern der Jugendsession in die Höhe? Null. Sonja Enz relativierte. In der Schweiz sei das Vertrauen vor allem in die Ärzte gross, «während Lehrer etwa in der Mitte der Skala sind und Politiker ganz unten».
Ein weiteres Thema war «Easyvote». Dies spricht vor allem Jugendliche an. Es ist das Ziel von «Easyvote», die Stimmbeteiligung bei den 18bis 25-Jährigen auf 40 Prozent zu erhöhen. 454 Gemeinden sind in der Schweiz bei «Easyvote» dabei. Das bekannte und traditionelle Abstimmungsbüchlein wird von Jugendlichen als «mühsam» betrachtet. «Easy vote» erklärt jede Abstimmung auf zwei Seiten, einfach, verständlich und neutral. Mit je drei Argumenten dafür und dagegen.
Die «Easyvote»-Broschüre wird in der Regel in Zusammenarbeit mit über 150 Ehrenamtlichen hergestellt. Kann «Easyvote» damit das Abstimmungsverhalten der Jugendlichen sowie die Stimmbeteiligung klar verbessern, so sei das auch eine Stärkung der Demokratie, meinte der Referent. --dm








