Die wahre Geschichte
05.10.2018 WohlenBiografie über Jost Leonz Koch erschienen
Das Stück «Der Kammerdiener» hat das Publikum begeistert. Wer mehr über Lunzi erfahren will, erhält jetzt Gelegenheit.
Jost Leonz Koch aus Villmergen, von allen nur Lunzi ...
Biografie über Jost Leonz Koch erschienen
Das Stück «Der Kammerdiener» hat das Publikum begeistert. Wer mehr über Lunzi erfahren will, erhält jetzt Gelegenheit.
Jost Leonz Koch aus Villmergen, von allen nur Lunzi genannt, war schon zu Lebzeiten eine besondere Person. Und seine Geschichte fasziniert auch noch mehr als 70 Jahre nach seinem Tod. Darum gibt es jetzt den dreifachen «Lunzi». Nach dem Roman «Der Kammerdiener» und der gleichnamigen Theaterproduktion legt der Wohler Lorenz Stäger jetzt die wahre Biografie vor mit dem passenden Titel «Der Hawaii-Lunzi». --chh
Einem Globetrotter auf der Spur
«Der Hawaii-Lunzi»: Lorenz Stäger hat eine Biografie über Jost Leonz Koch veröffentlicht
Erst war «Der Kammerdiener». In diesem Roman hat der Wohler Autor Lorenz Stäger das Leben des Villmergers Lunzi Koch zu einer heiteren Geschichte geformt. Nun legt er die echte Biografie nach. Er kann darin viele Lücken füllen und viel Erstaunliches präsentieren.
Chregi Hansen
Seit Jahren beschäftigt sich Lorenz Stäger mit dem Leben des Leonz Koch. Doch was ist seine Motivation? «Ich bin ein Fan von Reiseberichten aus früheren Jahren», erklärt er und zeigt auf seine grosse Sammlung von alten Baedeker-Reiseführern in einem Regal. «Solche Reisen, wie sie in diesen Büchern dokumentiert werden, hat der Lunzi damals gemacht. Das fasziniert mich, da fühle ich mich ihm nahe.»
Kommt dazu die persönliche Verbundenheit. Lorenz Stäger kam 1942 zur Welt, Leonz Koch ist 1947 gestorben, Stägers Vater Robert hat Koch damals oft getroffen. «Ich sehe ihn zwar nicht mehr vor mir, aber ich weiss noch genau, wie mein Vater heimkam und erzählte, der Lunzi sei gestorben. Ich fühle daher eine gewisse emotionale Verbindung», sagt der Autor. Und als dritten Faktor für seine Begeisterung für diese Person nennt Stäger die grosse Zeitspanne, in der dieser Lunzi gelebt hat. «Man muss sich vorstellen: Er hat als Kind noch bei Talglicht beim Strohflechten geholfen, später mit Schiffen den Pazifik überquert, die über eine Leistung verfügen wie die heutigen Vierwaldstätterseedampfer. Und am Schluss erlebt er den Zweiten Weltkrieg mit seinen Militärjets.»
Die Welt, sie hat sich in den 93 Jahren von Lunzi Kochs Leben stark verändert. Und auch wenn Lorenz Stägers Vater schon viel darüber geschrieben hat, so gab es noch viele Lücken in seiner Biografie. «Diese will ich füllen», sagt der pensionierte Kantilehrer. Und die Zeit drängt, denn die Zeitzeugen von damals werden immer weniger. «Und so geht immer mehr Wissen verloren.»
Dichtung und Wahrheit
Stäger stand für seine Arbeit eine riesige Menge an Unterlagen zur Verfügung. Dazu kann er sich auf verschiedene frühere Berichte über Leonz Kochs Leben stützen. «Wenn man sich so lange mit einer Person beschäftigt, dann wird sie einem schon vertraut», sagt er. Und trotzdem sei dieser Lunzi Koch bis heute für ihn nicht ganz fassbar. «Es scheint mir, dass er ein Mensch war, der das Leben genoss. So, wie er auch im Theater gespielt wurde. Und der seine Geschichten wohl dann und wann auch ein wenig ausschmückte.» Nicht alles, was dieser damals Vater Robert Stäger erzählte, entspricht der Wahrheit. «Aber das muss nicht unbedingt Absicht sein. Er war schon recht alt, als ihn mein Vater befragte. Da kann die Erinnerung auch trügen», erklärt Lorenz Stäger.
Herauszufinden, in welchen Teilen die Geschichten von Robert Stäger von der Wahrheit abwichen, gehörte daher mit zu den Aufgaben des Autors. Und damit kam es zu einer besonderen Situation. Für das erste Buch, den «Kammerdiener», hat Lorenz Stäger Lunzis Biografie als Vorbild genommen, aber dabei vieles hineingedichtet – «gerade so, dass es für meine Geschichte gepasst hat». Jetzt musste er feststellen, dass auch sein Vater einiges hinzugefügt hatte – und wollte nun diese Dichtung vom wirklichen Lebenslauf trennen. Für den Autor, der bisher hauptsächlich Romane geschrieben hat, eine neue Aufgabe. «Aber auch eine höchst spannende Es war wie ein Puzzlespiel, bei dem gewisse Teile fehlten. Und man weiss nicht, welche Teile das sind.»
Dem Internet sei Dank
Stäger hat enorm viel recherchiert für sein Buch. Gewisse Schauplätze besucht. Persönliche Schriften (hauptsächlich Postkarten) von Leonz Koch studiert. Zeitzeugen befragt. Und immer wieder neue Fäden gefunden, an denen er sich entlanghangeln konnte. Mehr als einmal ist er dabei in Sackgassen gelandet. Und mehr als eine überraschende Entdeckung machte er. So beispielsweise über die Zeit in Hawaii, wo der Villmerger offenbar in mehreren führenden Hotels in leitenden Positionen tätig war. Für diese Erkenntnis hat Stäger Hunderte alter Zeitungen und auch alte Gästebücher von Hotels durchstöbert. «Zum Glück gibt es heute das Internet. Ich wage mir nicht vorzustellen, mit welchem Aufwand solche Recherchen früher verbunden waren», lacht er.
Zuerst war nur eine kleine Broschüre geplant
Der Wohler hat sich tief ins Leben des Villmergers hineingearbeitet. Fühlt man sich da nicht wie ein Voyeur? «Was den Lunzi betraf, eher nicht, da dieser ja vieles schon selbst erzählt hat», erklärt der Autor. Anders sei es gewesen, als er beispielsweise die Tagebücher des Pianofabrikanten William Steinway durchforstete. «Da standen so viele private Eintragungen, dass ich mich manchmal schon fragte: Ist es richtig, dass dies jetzt öffentlich ist?» Die Recherche war aber nötig, weil lange nicht klar war, wann und bei welchem Steinway Leonz Koch gearbeitet hat. In einem Bericht der «Schweizer Illustrierten» erzählt Koch, das sei nach dem Ersten Weltkrieg gewesen. Tatsächlich arbeitete Koch von 1893 bis 1896 in New York. «Es war immer wieder ein wunderbares Gefühl, wenn ich solche Entdeckungen machte», berichtet Stäger.
Viele Lücken in Lunzis Leben konnte er so füllen, viele Ungenauigkeiten geradebiegen. Und trotzdem gibt es immer noch Abschnitte, über die man nichts weiss. So etwa über die Zeit in Kuba. «Das ärgert mich», gibt der Autor zu. Trotzdem ist er zufrieden mit dem Ergebnis. Ursprünglich wollte er nach dem Roman «Der Kammerdiener» nur eine Broschüre mit dem wahren Leben des Leonz Koch veröffentlichen. Nun ist ein ganzes Buch daraus geworden, und dies erst noch unter Druck – schliesslich sollte die Biografie pünktlich zum Theater in Villmergen erscheinen.
Auf den letzten Drücker fertig geworden
Stäger schrieb und recherchierte zuletzt sieben Tage die Woche. «Da gab es durchaus Momente, an denen ich alles hinschmeissen wollte», schaut er zurück. Doch alle, die sein Manuskript lasen, motivierten ihn zum Weitermachen, speziell seine Kinder. «Sie zeigten mir dann auch technische Möglichkeiten, wie ich meine Arbeit vereinfachen und den Text leserlicher machen konnte.»
Trotzdem wurde die Zeit knapp – die ersten Exemplare vom «Hawaii-Lunzi» wurden zwei Tage vor der Premiere ausgeliefert. Heute ist Lorenz Stäger stolz auf seine Arbeit. Und das Echo ist ausnahmslos positiv. «Jetzt gibt es den Lunzi gleich dreifach. Als heiteren Roman, als wunderbares Theaterstück und als Biografie», meint Stäger mit einem Lächeln im Gesicht. Alle drei erzählen unterschiedliche Geschichten – doch am Schluss geht es um die immer gleiche Figur. Um eine Person, die zeitlebens und noch heute zu faszinieren vermag. «Da ist einer aus unserer Region, der praktisch ohne Schulbildung die ganze Welt bereiste und in den vornehmsten Häusern verkehrte. Vielleicht liegt darin auch die Botschaft, dass die Schule nicht immer die Kompetenzen bewertet, die fürs Leben wichtig sind», so Stägers Erkenntnis.
Noch ist die Arbeit nicht ganz zu Ende
Und nun? Lässt ihn der Lunzi jetzt endlich los? «Jetzt werde ich erst einmal alle Unterlagen aufräumen», lacht er. Aber: Die noch vorhandenen Lücken, die möchte er schon noch füllen. «Der Lunzi wird mich wohl noch weiter beschäftigen», lacht er. Vorerst aber sind Ferien angesagt: «In den letzten anderthalb Jahren kam vieles zu kurz. Und meine Unterlagen laufen mir ja nicht davon», sagt er, während er eine neue Sammlung Postkarten sortiert, die er eben von einer Grossnichte von Leonz Koch erhalten hat. Der Lunzi lässt ihn eben nicht so schnell los.
Das neue Buch von Lorenz Stäger ist an folgenden Orten erhältlich: Metzgerei Sax, Büttikon; Papeterie Huber, Muri; Bäckerei Ruckli, Sarmenstorf; Gemeindeverwaltung Villmergen; Raiffeisenbank Villmergen; Gemeindebibliothek Wohlen; Herren-Salon Saxer, Wohlen; Strohmuseum Wohlen oder direkt beim Autor Lorenz Stäger, Wohlen.






